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Politik Schauspieler mit Down-Syndrom hält bewegende Rede
Nachrichten Politik Schauspieler mit Down-Syndrom hält bewegende Rede
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17:46 27.01.2017
Der fünfminütige Auftritt von Sebastian Urbanski am Rednerpult des Bundestags war am Freitag der wohl anrührendste Moment einer ohnehin bewegenden Gedenkstunde für die Nazi-Opfer. Quelle: dpa
Berlin

Der 38-jährige Schauspieler Sebastian Urbanski aus Berlin hat das Down-Syndrom. Am Freitag las er im Bundestag aus einem Brief von Ernst Putzki vor – dieser war von den Nationalsozialisten 1945 umgebracht worden. Putzki war eines von rund 300.000 Opfern des „Euthanasie“-Programms, mit dem kranke, behinderte oder hilflose Menschen – aus NS-Sicht „Lebensunwerte“ – getötet wurden.

Der Bundestag erinnerte am Freitag in einer Gedenkstunde an die an die Millionen Opfer der Nazis. wurde das grausame „Euthanasie“-Programm in den Mittelpunkt gestellt. Und es war das erste Mal in der Geschichte des Bundestags, dass dort ein Mensch mit geistiger Behinderung sprach. Hier können Sie ein Youtube-Video vom Auftritt sehen (die Rede beginnt bei Minute 19:46).

Der Brief, den Urbanski vorlas, stammt aus dem Jahr September 1943. Putzki hatte ihn seiner Mutter geschickt. Er beschrieb darin die Zustände in der hessischen Landesheilanstalt Weilmünster, in die er wegen „Geisteskrankheit“ eingewiesen worden war.

„Todeskandidaten“ wie er selbst seien dorthin verlegt worden, „damit man uns in dieser wenig bevölkerten Gegend unauffällig verhungern lassen kann“. Und weiter: „Die Menschen magern hier zum Skelett ab und sterben wie Fliegen.“ Wöchentlich würden rund 30 Menschen sterben. „Die Menschen werden zu Tieren und essen alles, was man von anderen kriegen kann. (...) Der Hungertod sitzt uns allen im Nacken. Keiner weiß, wer der nächste ist.“ Mord durch Verhungernlassen war Teil des grausamen „Euthanasie“-Programms.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte die Verlesung des Putzki-Briefes durch Urbanski so angekündigt: „Alle Fakten zur „Euthanasie“ bleiben ohne die Vergegenwärtigung der Opfer abstrakt. Erst die Einzelschicksale der Gequälten und Ermordeten lassen uns wirklich erkennen, was unschuldigen Menschen angetan wurde.“

Von dpa/RND/wer

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