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Nachrichten Politik Schlepper stoßen Flüchtlinge ins Meer
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06:00 11.08.2017
Tödliches Geschäft – nicht nur vor der Küste Jemens: Flüchtlinge aus Afrika treiben mit Schwimmwesten im Meer. Quelle: dpa
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Addis Abeba

Auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung legten sie ihr Leben in die Hände eines Schleppers – und bezahlten ihr verzweifeltes Vertrauen mit dem Tod. Ein Schmuggler hat der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge vor der Küste Jemens 29 aus Somalia und Äthiopien stammende Migranten ertränkt.

Auf einem Boot habe der Schmuggler dort am Mittwoch mehr als 120 Migranten gezwungen, ins Wasser zu springen, berichtete die in Genf ansässige IOM. Kurz darauf hätten Mitarbeiter der Organisation, die an die Vereinten Nationen angegliedert ist, am Strand 29 Leichen in flachen Gräbern entdeckt. 22 Migranten würden außerdem noch vermisst. Am Donnerstag trieb ein weiterer Schmuggler vor der Küste des Jemen 180 Flüchtinge von einem Boot ins Wasser. Fünf Leichen seien bereits entdeckt worden, rund 50 Menschen gelten den Angaben nach als vermisst, hieß es bei der IOM. Nach Einschätzung der IOM waren die Flüchtlinge auf dem Boot im Schnitt 16 Jahre alt. Unter den Toten und Vermissten seien viele Kinder.

Überlebende der Todesfahrt vom Mittwoch berichteten, dass der Schlepper sie ins Wasser gestoßen habe, als er an der Küste Behördenmitarbeiter entdeckte. Er habe sich dann auf den Rückweg nach Somalia gemacht, um auf derselben Route mehr Migranten an die jemenitische Küste zu bringen. Die Tat sei „schockierend und unmenschlich“, sagte Laurent de Boeck, Leiter der IOM-Mission im Jemen.

Flucht von einem in den nächsten Bürgerkrieg

Tatsächlich zeigen die tödlichen Vorfälle im Golf von Aden, mit welcher Grausamkeit das Geschäft mit den Flüchtlingen betrieben wird. Um aus dem von Bürgerkrieg und Hungersnot geplagten Land zu fliehen, nutzen immer mehr Menschen aus Somalia ihr letztes Hab und Gut, um aus dem Land zu fliehen.

Die Notlage ist derart groß und der Weg durch die Wüste in Richtung Mittelmeer derart unsicher und beschwerlich, dass immer mehr Flüchtlinge sich ins Nahe Jemen retten wollen – obwohl sie dort von einem Bürgerkrieg mit Hungersnot in einen anderen Bürgerkrieg mit Hungersnot kommen. Im Jemen kämpfen seit Jahren schiitische Huthi-Rebellen gegen Truppen der sunnitischen Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt werden. Der Krieg und die Hungersnot haben zum Ausbruch der Cholera geführt. Mehr als 400.000 Cholerafälle sind derzeit registriert, 7000 Neuinfektionen kommen täglich hinzu.

Dennoch kamen nach IOM-Schätzungen bisher rund 55 000 Migranten vom Horn von Afrika über das Rote Meer und den Golf von Aden. Trotz geschlossener Grenzen hoffen die Migranten, über Jemen die reichen Golfstaaten am Persischen Golf zu erreichen. Dort wollen sie Arbeit finden.

Von Dirk Schmaler und Andreas Schwitzer/RND

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