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Nachrichten Politik Schwere Vorwürfe gegen Zschäpe
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14:48 26.07.2017
Vor Gericht in München: Beate Zschäpe mit ihrem Verteidiger Mathias Grasel. Quelle: dpa
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München

Für die Bundesanwaltschaft ist der Fall klar: Beate Zschäpe war Mitgründerin und gleichberechtigtes Mitglied der rechtsradikalen Terrororganisation NSU. Das wurde schon am Dienstag deutlich, als Bundesanwalt Herbert Diemer eine Verurteilung der 42-Jährigen als Mittäterin an allen Morden, Anschlägen und Überfällen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ forderte – auch wenn sie bei keinem Mord selbst geschossen habe.

Am Mittwoch hat die Bundesanwaltschaft ihre massiven Anklagevorwürfe nun detailliert untermauert. Am zweiten Tag des Plädoyers legte Oberstaatsanwältin Anette Greger anhand vieler Beispiele dar, dass Zschäpe bei der Tarnung des NSU eine zentrale Rolle gespielt habe und auch an der Beschaffung von Waffen beteiligt gewesen sei. Nur weil Zschäpe und ihre Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt so eng zusammengearbeitet hätten, hätten sie so lange unentdeckt Anschläge begehen können.

Zwölf Waffen und 2,5 Kilo Schwarzpulver

Greger sagte am Mittwoch in ihrem Schlussvortrag, alle drei hätten die Beschaffung von Waffen zu ihrem gemeinsamen Anliegen gemacht. Zschäpe selbst habe schon früh eine Gaspistole besessen, was sie in ihren Aussagen aber verschwiegen habe. Über die Jahre hinweg habe sich die Gruppe dann eine Vielzahl von Waffen, Unmengen an Munition und Sprengstoff besorgt. Allein in der letzten Wohnung des Trios fand man demnach zwölf Waffen, teils geladen und griffbereit, sowie 2,5 Kilogramm Schwarzpulver. Bei der Beschaffung einer Waffe, die der Mitangeklagte Holger G. dem Trio übergeben habe, sei Zschäpe „nicht unmaßgeblich eingebunden“ gewesen, sagte die Oberstaatsanwältin.

Zur Tarnung des Trios sagte Greger, sei es Zschäpe darum gegangen, ihre Freunde „sorgfältigst abzusichern“. Sogar untereinander hätten sich die drei mit ihren Tarnnamen angeredet. Auch bei der Beschaffung zahlreicher Ausweise war Zschäpe demnach maßgeblich beteiligt.

14 Jahre im Untergrund

Die Anklage sieht das NSU-Trio als eingeschworene Gemeinschaft: „Alle drei schweißte ein unbedingtes Vertrauen zusammen“, sagte Greger und sprach von einer „sehr engen, vertrauensvollen Bindung“. Das enge Zusammenspiel von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt leitete Greger beispielsweise davon ab, dass der „Hauptcomputer“ im Zimmer Zschäpes stand. Auch das „Haupthandy“ und ein Laptop hätten ihr gehört.

Den Ermittlungen zufolge lebte Zschäpe fast 14 Jahre mit Mundlos und Böhnhardt im Untergrund. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit die zehn vorwiegend rassistisch motivierten Morde, Anschläge und Überfälle verübt haben. Die beiden brachten sich nach ihrem letzten Banküberfall um, um einer Festnahme durch die Polizei zu entgehen. Neben Zschäpe sitzen vier mutmaßliche Terrorhelfer auf der Anklagebank. Das Verfahren hatte am 6. Mai 2013 begonnen.

Von RND/dpa

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