Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Selbstzerstörerische Partei Deutschlands

Leitartikel Selbstzerstörerische Partei Deutschlands

Die Chaostage in der SPD haben zu einem besonders verheerenden Phänomen geführt: Die Bevölkerung leidet mehrheitlich nicht mehr mit der Partei. Andrea Nahles muss das dringend ernst nehmen – und den Schrei der Basis nach Veränderung, meint Gordon Repinski.

Social Democratic Party, SPD, parliament faction leader and designated party's chairwoman Andrea Nahles attends a news conference at the party's headquarters in Berlin, Tuesday, Feb. 13, 2018. (AP Photo/Markus Schreiber)

Quelle: AP

Berlin. In Berlin hat sich die SPD mal wieder selbst zerlegt. Moment? Den Satz kennt man doch! Richtig, erst vor einer Woche hat Parteichef Martin Schulz seinen Rückzug aus der Führungsriege angekündigt. Einen Tag später folgte ein einmalig brutaler Angriff eines Politikers auf einen Parteifreund, als Sigmar Gabriel seine Tochter die Äußerlichkeiten von Schulz bewerten ließ. Weitere 24 Stunden später fegte es Schulz vollkommen davon, und er musste auch seine Ansprüche auf das Außenministerium aufgeben. Chaostage in der SPD, dachte man. Aber wer danach mit Ruhe rechnete, der kennt die SPD schlecht.

Nun hat es auch die designierte Parteivorsitzende Andrea Nahles erwischt. Die Übergabe an sie sei eine Hinterzimmerkungelei gewesen, kritisierte mancher. Prompt sortierte sich auch gegen die Neue Widerstand. Um es vorwegzunehmen: Nahles wird trotzdem Parteichefin werden und irgendwann wird auch wieder Ruhe einkehren. Aber die letzten Tage sollten der SPD zu denken geben. Umgang und Stil, ohnehin nie eine Stärke der Partei, haben einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Noch schlimmer für die Partei aber ist: Die Bevölkerung leidet mehrheitlich nicht mehr mit der SPD. Sie nimmt die immer neuen Querelen nur noch mit mitleidiger Distanz zur Kenntnis. Parallel zu den Streitereien rauschte die Zustimmung mit der SPD weiter in den Keller. Noch zwei, drei Wochen wie die vergangene – und die SPD fällt hinter AfD oder Grüne oder gleich hinter beide zurück.

Andrea Nahles muss die neue Unruhe in der Partei ernst nehmen. Denn dass es einer neuen Chefin, dem nahezu letzten Aufgebot, zu Anfang so schwer gemacht wird, ist auch ein Schrei der Basis nach echter Veränderung. Am vergangenen Wochenende sagte Parteivize Olaf Scholz, er wolle Erneuerung, doch die Wahl des Parteivorsitzenden durch einen Parteitag habe sich bewährt. Tatsache ist aber, dass es vielleicht genau diese scheinbar bewährten Prozesse sind, die eine Parteiführung infrage stellen muss, wenn es um echten Wandel gehen soll. Erneuerung bei der SPD, das ist bisher vor allem ein bisschen mehr Digitales plus einige Sprechblasen, ansonsten sollen aber keine Privilegien angetastet werden. Aber wenn diese Partei attraktiver werden soll, dann muss sie den Mut haben, alles zu hinterfragen. Und die Parteispitze muss dabei vorangehen. Auch und gerade mit den Dingen, die sich angeblich bewährt haben.

Mit Andrea Nahles und Olaf Scholz sind zwei gut vernetzte Politmanager die beiden neuen starken Kräfte in der SPD. Sie folgen auf emotionale Typen (Gabriel, Schulz), denen sie bisweilen etwas mitleidig über die Schulter geblickt haben, weil sie stets dachten, sie können es besser. Nahles und Scholz müssen es jetzt beweisen. Eine Probezeit haben sie nicht. Das ist seit gestern klar.

Von Gordon Repinski/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr