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Nachrichten Politik Separatisten rufen „Herbst der Proteste“ aus
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20:17 11.09.2018
„Schaffen wir die katalanische Republik“: In den Farben Rot und Gelb demonstrieren die Separatisten am Montag in Barcelona. Quelle: Foto: Daniel Cole/AP
Barcelona

Die Grüppchen, die am Dienstag über die Diagonalallee in Barcelona schlendern, ähneln auf den ersten Blick Junggesellenabschieden in den Ausgehvierteln deutscher Großstädte: Sie sind gut gelaunt und tragen Strohhüte, Sonnenbrillen und einheitliche T-Shirts, bevorzugt in Gelb und Neonrot. Darauf zu lesen ist allerdings kein Partymotto, sondern eine politische Forderung. „Fem la república Catalana“ – was so viel bedeutet wie „Schaffen wir die katalanische Republik“.

Am 11. September, dem katalanischen Nationalfeiertag „La Diada“, zieht es traditionell viele Katalanen nach Barcelona. Der Tag dient dem Gedenken an die Kapitulation Barcelonas im Spanischen Erbefolgekrieg 1714. Seit 2012 nutzen ihn die Separatisten, um die Unabhängigkeit Kataloniens zu fordern. Gestern, rund einem Jahr nach dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum, demonstrierten Hunderttausende Katalanen zudem auch für die Freilassung der „politischen Gefangenen“ – die führenden Separatisten, die in Untersuchungshaft sitzen und gegen die bald die Prozesse wegen Rebellion beginnen sollen.

Hunderttausende demonstrieren für die Unabhängigkeit Kataloniens. Quelle: AP

Was nach Straßenschlacht auf dem abgesperrten Boulevard klingt, gleicht eher einem Straßenfest mit Musik und Getränken. Viele Demonstranten reisen schon am Vormittag an, treffen Freunde und trinken miteinander ein Bier. Andere kommen als Familie, haben die Großeltern dabei, das Baby im Kinderwagen oder den Hund. An Ständen am Straßenrand verkaufen die Organisatoren, die Bürgerbewegung „Katalanische Nationalversammlung“ und die Kulturorganisation Òmnium Cultural, die katalanische Flagge, bedruckte T-Shirts und gelbe Schleifen zum Anstecken. Mit den Einnahmen decken sie die Veranstaltungskosten und unterstützen die inhaftierten Separatisten. Abends sollte eine Art Laola durch die Stadt gehen mit dem gemeinsamen Ruf der Demonstranten nach „Freiheit“ – für die Inhaftierten und für ganz Katalonien.

Organisatoren rufen zum „Herbst der Proteste“ auf

Nachdem im vergangenen Jahr rund eine Million Menschen protestierten, hofften die Organisatoren in diesem Jahr auf mehr. Registriert hatten sich nach Veranstalterangaben bis zum Montagabend allerdings nur rund 460 000 Menschen. Die Organisatoren riefen am Abend bei der Abschlusskundgebung zu einem „Herbst der Proteste“ auf.

In den vergangenen Monaten sah es so aus, als habe sich der Streit um die Unabhängigkeit etwas beruhigt. Die sozialistische Minderheitsregierung um den Ministerpräsidenten Pedro Sánchez versuchte, die Beziehungen nach Barcelona zu entspannen. In Katalonien allerdings gab es zuletzt Anzeichen für eine neue Konfrontation: Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra forderte von der Zentralregierung in Madrid, ein neues Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens zuzulassen. Dies unterstrich er am Montag in Barcelona. Vorrangiges Ziel der Proteste sei neben der Forderung nach Unabhängigkeit Unterstützung für die inhaftierten Separatisten, deren Prozesse Ende des Jahres beginnen sollen, sagte Torra. „Ich werde keine (Schuld-) Urteile akzeptieren und ich appelliere an alle freigeistigen Bürger, sie auch nicht zu akzeptieren.“ Torra betonte aber auch, dass seine Regierung eine offene Konfrontation mit der spanischen Justiz abgelehnt habe, indem sie die in Katalonien in ihr unterstehenden Gefängnissen einsitzenden Separatisten nicht einfach freilasse.

Vordenker aud dem belgischen Exil: Demonstrant mit Puigdemont--Maske. Quelle: AP

Die politische Richtung gibt vom belgischen Exil aus der einstige Regionalpräsident Carles Puigdemont vor. Er fordert die Gründung einer separatistischen Sammlungsbewegung, der sich alle Parteien anschließen sollen, die für eine unabhängige Republik sind. Die Separatisten könnten aber erneut an ihrer Uneinigkeit in den eigenen Reihen scheitern – denn die Linksrepublikaner und die linksradikale CUP-Partei wollen Puigdemont nicht folgen. Vor gut einem Jahr verhinderte die Zentralregierung die in einer als illegal abgelehnten Volksabstimmung befürwortete Sezession Kataloniens.

Von Sarah Kempf

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