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Nachrichten Politik Skandal-Video bringt Trump in Bedrängnis
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10:14 08.10.2016
Wegen der vulgären Äußerungen über Frauen sah sich Donald Trump zu einer Entschuldigung bei seinen Landsleuten genötigt Quelle: EPA
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Washington

Die Washington Post veröffentlichte am Freitag ein Video aus dem Jahr 2005, in dem sich Trump äußerst vulgär über Frauen äußert. Unter anderem fallen folgende Sätze: „Ich fühle mich automatisch zu schönen Frauen hingezogen ... Ich fange einfach an, sie zu küssen ... Ich warte nicht einmal ... Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Dann kannst du alles mit ihnen machen.“ Zudem beschrieb er mit drastischen Worten, wie er versuchte, eine verheiratete Frau zu verführen.

Das sagt Donald Trump in dem Video

Die Aufzeichnung wurde von der „Washington Post“ veröffentlicht und stammt aus dem Jahr 2005, Donald Trump war damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratet. Er beschreibt in dem Video drastisch, wie er versuchte, eine andere, verheiratete Frau zu verführen:

„Ich habe mich an sie rangemacht, bin aber gescheitert“, sagt er. Er habe versucht, „sie zu ficken. Sie war verheiratet.“ Er habe sich hemmungslos („like a bitch“) an sie rangemacht, aber ohne Erfolg. Inzwischen habe die – nicht näher identifizierte – Frau „ihr Aussehen total verändert“. Trumps Beschreibung: „Sie hat jetzt große künstliche Titten und alles.“

Der Immobilienmogul fährt dann fort, dass er sich „automatisch“ zu schönen Frauen hingezogen fühle. „Ich fange einfach an, sie zu küssen (...). Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen.“ Er könne sogar Frauen zwischen den Beinen begrapschen (und sie ließen es geschehen). „Pack sie an der Muschi“, fügte er hinzu. „Du kannst alles machen.“

Die Sätze stammen aus einem Privatgespräch Trumps mit dem damaligen Moderator der Infotainment-Fernsehsendung „Access Hollywood“, Billy Bush. Sie führten die Unterhaltung während einer Busfahrt.

Die Echtheit der Aufnahmen wird vom Wahlkampfteam des Republikaners nicht in Zweifel gezogen. Die Trump-Manager heben allerdings hervor, dass es sich um ein Privatgespräch zwischen dem Geschäftsmann und dem Fernsehmoderator Billy Bush handelte, das im übrigen schon elf Jahre zurückliege.

Donald Trump entschuldigt sich

Der Kandidat selbst sprach in einer schriftlichen Erklärung von Äußerungen, wie sie seiner Meinung nach Männer unter sich machten: „Das war ein Scherz in der Umkleidekabine, ein privates Gespräch, das vor vielen Jahren stattfand. Bill Clinton hat mir auf dem Golfplatz viel Schlimmeres erzählt.“ Er entschuldige sich, sollte sich jemand beleidigt fühlen.

So reagiert Trump auf das Skandal-Video

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Donald Trump folgende Stellungnahme. Darin schreibt er: „Ich habe nie gesagt, dass ich ein perfekter Mensch bin. Ich habe auch nie vorgegeben, jemand anderes zu sein, als ich bin. Ich sagte und tat Dinge, die ich bereue. Dazu gehören die Sätze in dem zehn Jahre alten Video, das heute veröffentlicht wurde. Jeder, der mich kennt, weiß, dass diese Sätze nicht zeigen, wer ich bin. Es war falsch und ich entschuldige mich dafür. Ich bin durch das Land gereist und habe darüber gesprochen, wie ich die USA ändern will. Aber diese Reisen änderten auch mich. (...) Ich verspreche, in der Zukunft ein besserer Mensch zu sein.“ (...)

Ob diese Reaktion ausreicht, um den verheerenden Eindruck wieder wett zu machen?

Zweifel sind angebracht: Tommy Vietor, früherer Berater von Amtsinhaber Barack Obama, sagt zu dem Vorfall: „Game over. Das Spiel ist aus für Trump.“ Wer über sexuelle Übergriffe diskutiere, sei endgültig aus dem Rennen. Sogar Reince Priebus, Parteichef der Republikaner, gibt am Freitagabend ein Presseerklärung heraus, die einer Ohrfeige für den Kandidaten gleichkommt: „Niemals darf eine Frau so beschrieben oder so über sie gesprochen werden. Niemals.“

Bemerkenswerte politische Wende

Andere Parteifreunde zeigen sich unbeeindruckt. So sagt Trumps früherer Kampagnenmanager Corey Lewandowski: „Wir wählen den Anführer der freien Welt und nicht den Lehrer einer Sonntagsschule.“

Zum Ende der Woche macht Trump aber nicht allein mit seinen persönlichen Eskapaden von sich reden, sondern auch mit einer bemerkenswerten politischen Kehrtwende: Der 70-Jährige will den russischen Präsident nicht länger in den höchsten Tönen loben. Angesichts der Grausamkeiten, die russische und syrische Streitkräfte zurzeit in Aleppo verüben, äußert sich der Spitzenkandidat zurückhaltend: „Ich weiß nicht, wie sich unsere Arbeitsbeziehung entwickeln wird. Vielleicht wird sie gut, vielleicht aber auch schrecklich.“

Die neuen Töne könnten nicht zuletzt auf Trumps Vizekandidat zurückgehen. Mike Pence hatte in der TV-Debatte mit Tim Kaine vor wenigen Tagen Putin als „kleinen Rüpel“ beschrieben. Im übrigen sei das russische System korrupt. Damit schwenken Trump und Pence zumindest teilweise wieder auf die Linie ihrer Partei ein, die in dem außenpolitischen Kurs des Kremls eine Gefahr für den gesamten Westen sieht.

All die Turbulenzen spiegeln sich in den Umfragen jedoch kaum wider: Zumindest in der jüngsten Reuters/Ipsos-Umfrage führt die frühere First Lady mit fünf Prozentpunkten vor dem einstigen Reality-TV-Star. Der Abstand zwischen den Kandidaten ist seit Anfang September quasi unverändert.

Von Stefan Koch

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