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Nachrichten Politik Sportfunktionäre wollen Hymne verlängern
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17:17 22.04.2018
Zu kurze Ehre? Olympiasiegerin Ester Ledecka aus Tschechien musste in Pyeongchang bei der Siegerehrung mit der kurzen Hymne vorlieb nehmen. Quelle: Foto: dpa
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Prag

Nur wenige Wochen ist es her, dass die Gleichstellungsbeauftragte des SPD-geführten Bundesfamilienministeriums Kristin Rose-Möhring eine Diskussion um die deutsche Nationalhymne auslöste. Sie schlug vor, den Text in eine geschlechterneutrale Fassung zu ändern.

Seit einigen Wochen führen nun auch die Tschechen eine Debatte um ihre Hymne – allerdings wegen ihrer Länge. Nach Auffassung führender Sportfunktionäre ist sie mit einer Dauer von unter einer Minute viel zu kurz: „Wir haben in Europa vermutlich die zweitkürzeste Hymne. Der Durchschnitt liegt bei rund 80 Sekunden“, beklagt sich der Vorsitzende des tschechischen Olympischen Komitees (COV) Jiri Kejval, der die Sportler dadurch um wertvolle Augenblicke auf dem Treppchen beraubt sieht.

Polnische Hymne dauert nur 40 Sekunden

Tatsächlich übersteigen die meisten anderen Hymnen, darunter auch die deutsche und die russische, die Marke von einer Minute deutlich. Eine Ausnahme bilden die sonst sehr nationalbewussten Polen. Die erste Strophe ihrer Hymne, die bei offiziellen Anlässen gespielt wird, dauert nur etwa 40 Sekunden.

Als tschechische Nationalhymne fungiert seit 1918 die erste Strophe des Liedes „Wo ist meine Heimat“ aus dem Theaterstück „Das Schusterfest“ von Josef Kajetan Tyl (1808-1856). Obwohl das Lied aus zwei Strophen besteht, ist nur die erste Strophe offizielle Nationalhymne.

Neue Hymne soll patriotischer klingen

Bis zur Trennung Tschechiens und der Slowakei 1993 war die Nationalhymne „Wo ist meine Heimat?“ um einiges länger. Auf die erste Strophe in tschechischer Sprache folgte auf Slowakisch die zweite Strophe „Über der Tatra blitzt es“, die heute die Hymne der Slowakei bildet.

Kejval hat nun eine Neufassung der Hymne ausarbeiten lassen und Ende März der Öffentlichkeit präsentiert. Sie soll patriotischer und selbstbewusster klingen. Vermutlich war die Mühe vergebens. Der geschäftsführende tschechische Ministerpräsident Andrej Babis lehnt das Lied ab: „Wir haben eine schöne Hymne und sollten sie nicht ändern.“

Von Jan Sommerfeld

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