Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Städtetag: Kommunen brauchen mehr Milliarden für Flüchtlinge
Nachrichten Politik Städtetag: Kommunen brauchen mehr Milliarden für Flüchtlinge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:03 29.10.2015
Flüchtlinge vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Berlin. Quelle: Michael Kappeler
Anzeige
Berlin

Ländern und Kommunen könnte im nächsten Jahr bei der Flüchtlingsversorgung nach Berechnungen des Deutschen Städtetages ein Milliardenloch drohen.

In dem heute veröffentlichen neuen Gemeindefinanzbericht werden die Gesamtkosten der Flüchtlingskrise von 7 Milliarden Euro (bei 500 000 Asylbewerbern und Flüchtlingen) bis zu 16 Milliarden Euro (1,2 Millionen Flüchtlinge) geschätzt.

Berücksichtige man die vom Bund bereits zugesagten Mittel (inklusive Spitzabrechnung und Betreuungsgeld), ergebe sich ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf zwischen 3 und 5,5 Milliarden Euro für Länder und Kommunen, sagte der Finanzdezernent des Städtetages, Helmut Dedy, am Donnerstag in Berlin.

Die Bundesregierung hatte sich im September mit den Ländern darauf geeinigt, dass diese ab 2016 pro Flüchtling monatlich eine Kostenpauschale von 670 Euro erhalten. Es wurde aber nicht vorgeschrieben, wie viel von dem Geld die Länder an die Kommunen durchreichen müssen, die vor Ort die Migranten versorgen.

Der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Stephan Articus, betonte, die Länder müssten die vereinbarten Bundesmittel vollständig an die Kommunen weitergeben, und zwar "in einem transparenten bundeseinheitlichen Verfahren." Zusätzlich sollten die Länder noch knapp 300 Euro drauflegen, weil pro Flüchtling Kosten von 1000 Euro realistisch seien.

Allgemein habe sich die Finanzlage der Kommunen trotz des Wirtschaftsaufschwungs und hoher Steuereinnahmen nicht grundlegend verbessert. So stiegen die Kassenkredite aller Kommunen im vergangenen Jahr von 48 Milliarden auf 49,2 Milliarden Euro an. Die regionale Kluft ist gewaltig. So mussten vor allem Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sich zusätzlich verschulden, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Für Investitionen haben arme Kommunen kaum noch Geld. Das verstärkt das Gefälle, weil reiche Städte und Gemeinden mehr ausgeben können und so Investoren und neue Bürger anlocken. An der Spitze liegen Bayern und Baden-Württemberg: "Im Ergebnis lag zum Beispiel das Investitionsvolumen bayrischer Kommunen mit 494 Euro je Einwohner um praktisch 200 Euro über dem Durchschnitt der Kommunen insgesamt", heißt es im Gemeindefinanzbericht.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Überstunden ohne Ende an der Grenze, Personallücken anderswo: Die Bundespolizei ist nach Einschätzung von Gewerkschaftern durch die Flüchtlingskrise am Rande ihrer Kräfte. Und die Grenzkontrollen sollen noch einige Zeit weiterlaufen. Wie soll das gehen?

29.10.2015

Die Lagerung von Atommüll gehört für die Deutschen zwar zu den wichtigsten Umweltproblemen der kommenden Jahre. Laut einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Atomforums wollen 56 Prozent der Menschen hierzulande aber auch dann kein Atommüll-Endlager vor der eigenen Haustür haben, wenn in ihrer Heimatregion ein besonders geeigneter Ort für ein solches Lager gefunden werden sollte.

29.10.2015

Angesichts des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen will das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge möglichst schnell mehr Lehrer für Integrationskurse gewinnen. Bis zum Jahresende will das BAMF bis zu 3000 weitere Lehrkräfte zulassen.

28.10.2015
Anzeige