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21:45 07.03.2017
Auch müssen in der Berufswelt viele unsichtbaren Decken durchstoßen werden, die den Aufstieg von Frauen in die höchsten und allerhöchsten Ebenen noch immer behindern.   Quelle: dpa
Hannover

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz überbrachte eine frohe Botschaft. Am Vorabend des Weltfrauentages am Mittwoch versprach er den versammelten Frauen, die Hälfte aller Minister in Berlin sollten künftig Ministerinnen sein. „Für den SPD-Teil der künftigen Regierung kann ich sagen: gleiche Anzahl Frauen, gleiche Anzahl Männer“, sagte Schulz. Doch Hand aufs Herz: Ist das für Frauen ein Grund zu jubeln?

Wir sind schon längst weiter. Deutschland wird seit 2005 von einer Frau regiert, einer Kanzlerin aus der CDU. Und auf Ministerebene hat die SPD die Schulz-Quote längst übererfüllt. Zur sozialdemokratischen Ministerriege gehören derzeit vier Frauen – Barbara Hendricks (Umwelt), Manuela Schwesig (Familie), Brigitte Zypries (Wirtschaft) und Andrea Nahles (Arbeit) – und nur zwei Männer: Sigmar Gabriel (Außen) und Heiko Maas (Justiz).

Gedankenspiel: Schulz darf vom Herbst an regieren und seine Posten besetzen, für einen davon fehlt ihm am Ende noch jemand, klar ist nur, dass es eine Frau sein muss. Welche Frau will nun ernsthaft auf diese Art an den Start gehen? Das ist das grundsätzliche Problem mit den Quoten: Sie behalten den Beigeschmack des Gezwungenen, Unechten.

Heute muss Feminismus global definiert werden

Gewiss, die jüngeren Frauen von heute dürfen nicht naiv sein. Viele der Freiheiten, die sie heute haben, mussten erst mühsam erkämpft werden. Andererseits darf aber auch das Umwälzende nicht unterschätzt werden, das in den neuen Selbstverständlichkeiten liegt: Derzeit gibt es an Deutschlands Gymnasien mehr Schülerinnen als Schüler, an den Universitäten schreiben sich neuerdings mehr Studentinnen als Studenten ein. Frauen sind im Kommen, mit Macht. Kann man diese jungen Frauen nicht einfach mal machen lassen? Ihnen ganz selbstverständlich einen Vertrauensvorsprung geben, dass sie ihren eigenen Weg finden werden?

Ja, das Errungene muss bewahrt werden. Auch müssen in der Berufswelt viele unsichtbaren Decken durchstoßen werden, die den Aufstieg von Frauen in die höchsten und allerhöchsten Ebenen noch immer behindern. Mehr denn je aber muss Feminismus heute global definiert werden. Kleinkarierte nationale Quotendebatten wirken geradezu unanständig, wenn man etwa an die 41.000 Mädchen denkt, die täglich vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet werden.

 Die große neue Herausforderung dieser Zeit liegt in der weltweit immer populärer werdenden Politik des starken Mannes. Trump, Putin und Erdogan liefern sich vor unseren Augen einen Wettkampf darüber, wer der größere Macho ist. Was will man diesem besonders schwer zu ertragenden Typus Mann entgegensetzen? Eine gnädige Quotenregelung? „Neue Männer braucht das Land“, sang Ina Deter in den Achtzigerjahren. Heute muss das Motto lauten: Starke Frauen braucht die Welt.

Von Alev Dogan/RND

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