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Nachrichten Politik Streiks blockieren Frankreich
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17:02 07.05.2018
Sie fürchten die Privatisierung ihres Arbeitgebers: Angestellte der französischen Bahn streiken seit Wochen immer wieder. Quelle: imago
Paris

Manche Franzosen denken bereits daran, ihren Urlaub auf dem heimischen Balkon zu verbringen. Sie verschieben Reisen, bei denen sie auf die Bahn oder ein Flugzeug angewiesen sind, lieber auf später – auf irgendwann, wenn Reisen im Land wieder einfacher wird. Ihre Planungen erschwert nicht allein der zermürbende Arbeitskampf bei der nationalen Bahngesellschaft SNCF.

Hinzu kommt der Ausstand bei Air France, der heute zum 15. Mal in den vergangenen drei Monaten zu Ausfällen von 15 Prozent der Flüge führen wird. Auch Frankreich-Reisende aus Deutschland sind betroffen. Beide Streiks haben nichts miteinander gemeinsam, außer dass sie den Alltag für Pendler und Reisende erheblich erschweren.

Bahn soll fit für den Wettbewerb gemacht werden

Die Eisenbahner streiken seit Anfang April an zwei Tagen pro Woche; sie wehren sich gegen die anstehende SNCF-Reform, die den Umbau des hoch verschuldeten Unternehmens vorsieht und es auf die von der EU vorgeschriebene Öffnung für den Wettbewerb vorbereiten soll. Es soll in eine Aktiengesellschaft mit staatlichem Kapital umgewandelt werden.

Die Gewerkschaften befürchten, dass die SNCF künftig nach privatwirtschaftlicher Logik handelt, dass viele Bahnmitarbeiter ihren Sonderstatus verlieren, Vorteile wie Jobgarantie und ein früherer Renteneintritt zugunsten von Neueinstellungen abgeschafft werden. Bis jetzt profitieren davon mehr als 90 Prozent der knapp 150.000 SNCF-Angestellten.

Regierung will hart bleiben

Bevor Premierminister Édouard Philippe am Montag die Arbeitnehmervertreter empfing, ließ sein Umfeld wissen, seine Hand sei „ausgestreckt, aber hart“: An den großen Linien werde nicht gerüttelt. Allerdings versprach die Regierung inzwischen, dass der Staat einen Teil der Schulden des Schienennetz-Betreibers SNCF-Réseau in Höhe von 46,6 Milliarden Euro ab 2020 nach und nach übernehmen werde. Laurent Brun vom linken Gewerkschaftsbund CGT erklärte jedoch, man werde „bis zum Ende gehen“. „Es gibt keine Debatte“, sagte er.

Andere Gewerkschafter äußerten sich im Gegensatz zu Brun zuversichtlich: Luc Berille von der UNSA sagte, die Bedenken seiner Gewerkschaft seien gehört worden. Die Streiks sollten am Montagabend fortgesetzt werden. Laut Plan sollen sie bis Juni weitergehen. 44 Prozent der Franzosen halten den Eisenbahnerstreik für gerechtfertigt.

Erbitterter Kampf bei Air France-KLM

Die Fluggesellschaft Air France-KLM steckt nach der Eskalation des Tarifkonflikts in einer dramatischen Krise. Die Belegschaft der Airline, an der der französische Staat gut 14 Prozent hält, befindet sich seit Februar in einem erbitterten Tarifstreit mit der Unternehmensführung.

Der französisch-niederländische Konzern ist in eine Führungskrise geraten: Nach nur knapp zwei Jahren an der Spitze trat der Vorstandsvorsitzende Jean-Marc Janaillac am Freitag zurück, nachdem 55,4 Prozent der knapp 47.000 französischen Mitarbeiter sein Kompromissangebot abgelehnt hatten. Es sah eine stufenweise Gehaltserhöhung von sieben Prozent innerhalb von vier Jahren vor, während die Gewerkschaften eine sofortige Anhebung von 5,1 Prozent forderten.

Es geht auch um den Ruf des Landes

Zwar konnte Air France im vergangenen Jahr seinen Gewinn kräftig steigern, blieb aber nach Worten Janaillacs „deutlich weniger rentabel“ als die großen europäischen Konkurrenten Lufthansa und British Airways. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire mischte sich nun mit der Warnung ein, die Zukunft von Air France sei gefährdet angesichts des Ausstands, der allein im ersten Quartal 75 Millionen Euro kostete. „Wenn man weiß, dass ein Unternehmen in Gefahr ist, stellt man nicht solche hohen Forderungen“, mahnte Le Maire.

Auf dem Spiel steht auch der Ruf eines Landes, das sich reformieren will – und das mehr Touristen anzieht als jedes andere. Doch für sie braucht es funktionierende Züge und Flugzeuge.

Von Birgit Holzer / RND

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