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Nachrichten Politik Tote bei Demonstrationen in Venezuela
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10:10 13.04.2017
In Venezuela sind zwei weitere Demonstranten bei den seit zwei Wochen anhaltenden Protesten getötet worden. Quelle: imago stock&people
Caracas

In Venezuela sind zwei weitere Demonstranten bei den seit zwei Wochen anhaltenden Protesten getötet worden. Ein 36-jähriger Mann und ein 14-jähriger Jugendlicher wurden in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) während einer Demonstration gegen die Regierung in der Stadt Barquisimeto im Osten des südamerikanischen Landes erschossen.

Laut einem Bericht der lokalen Zeitung „El Impulso“ waren die Opfer von bewaffneten Regierungsanhängern angegriffen worden. Die so genannten Colectivos attackieren immer wieder Regierungsgegner.

Der Gouverneur des Bundesstaates Lara, Henri Falcón, machte paramilitärische Gruppen für die tödlichen Schüsse vom Mittwoch verantwortlich. Die Unbekannten hätten sich unter die Demonstranten gemischt, Chaos gestiftet und auf Zivilisten geschossen, erklärte Falcón. Zwölf Menschen wurden demnach während der Protestaktion verletzt.

Polizei setzt Tränengas und Gummigeschosse ein

Damit stieg die Zahl der Todesopfer bei den seit einer Woche andauernden Protesten auf fünf. Hunderte Menschen wurden verletzt und festgenommen. Zuletzt gingen im ganzen Land Tausende auf die Straße, um die Freilassung der politischen Gefangenen und Neuwahlen zu fordern. Präsident Nicolás Maduro wittert hinter den Protesten eine Verschwörung konservativer Kreise und des Auslandes. Die Polizei setzt Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein.

Seit Monaten liefert sich die sozialistische Regierung einen harten Machtkampf mit dem von der Opposition dominierten Parlament. Zuletzt hatte der regierungstreue Oberste Gerichtshof die Nationalversammlung entmachtet. Wenig später wurde die Entscheidung wieder zurückgenommen. Dem einflussreichen Oppositionsführer Henrique Capriles wurde für 15 Jahre das passive Wahlrecht entzogen.

Venezuela leidet zudem unter hoher Kriminalität und einer schweren Wirtschaftskrise. Das ölreichste Land der Welt steht vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden. Wegen der schlechten Versorgungslage nimmt der Unmut der Bevölkerung immer mehr zu.

„Wir erleben einen Staatsstreich“

Tausende Regierungsanhänger erinnerten am Mittwoch in Caracas an den gescheiterten Putsch gegen den früheren Präsidenten Hugo Chávez vor 15 Jahren. „In diesen Momenten erleben wir einen Staatsstreich gegen das Vaterland“, sagte der Minister für soziale Bewegungen, Aristóbulo Istúriz, mit Blick auf die Proteste. „Aber die Rechte wird scheitern wegen der Einigkeit des Volkes.“

Von dpa/epd/RND/zys