Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Trauer um Altkanzler Helmut Schmidt

Parteien Trauer um Altkanzler Helmut Schmidt

In seine Amtszeit fielen der RAF-Terror, die Ölkrise und die Nato-Nachrüstung - aber Helmut Schmidt bleibt nicht nur als wichtiger Kanzler in Erinnerung. Sein Rat war bis zuletzt im In- und Ausland gefragt. Am Dienstag starb er in seiner Heimatstadt Hamburg.

Voriger Artikel
NSU-Prozess unterbrochen - Zschäpe-Aussage verschoben
Nächster Artikel
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pegida-Frontfrau Festerling

Als Nachfolger des zurückgetretenen Willy Brandt wird Helmut Schmidt am 16.05.1974 von Bundestagspräsidentin Annemarie Renger als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland vereidigt. Foto:

Hamburg. Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt ist tot. Der Sozialdemokrat starb am Dienstag zu Hause in Hamburg mit 96 Jahren im Kreis seiner Familie. Führende deutsche und europäische Politiker würdigten ihn als eine der prägendsten Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte.

"In seinen öffentlichen Ämtern, ganz besonders als Bundeskanzler, hat Helmut Schmidt Großes geleistet", schrieb Bundespräsident Joachim Gauck an Schmidts Tochter Susanne Kennedy-Schmidt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte Schmidt, der Deutschland zwischen 1974 und 1982 regiert hatte, eine "politische Institution der Bundesrepublik".

"Er ist sehr, sehr friedlich gestorben", sagte Schmidts Leibarzt Prof. Heiner Greten der Deutschen Presse-Agentur. Der Altkanzler war Anfang September in Hamburg wegen eines Blutgerinnsels am Bein operiert worden. Nach gut zwei Wochen verließ er auf eigenen Wunsch das Krankenhaus und kehrte in sein Haus in Hamburg-Langenhorn zurück, wo er rund um die Uhr betreut wurde. In den vergangenen Tagen hatte sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert. Zuletzt war er Greten zufolge nicht mehr bei Bewusstsein.

Nach der Nachricht von seinem Tod legten Menschen am Nachmittag vor seinem Haus Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Zahlreiche Fernsehteams und Fotografen versammelten sich. Die Stadt ließ an den Fahnenmasten des Rathauses schwarze Bänder anbringen.

Schmidt folgte Willy Brandt nach dessen Rücktritt als Bundeskanzler nach. In der Großen Koalition führte er von 1967 bis 1969 die SPD-Bundestagsfraktion und war danach Verteidigungs- und Finanzminister. Den Hamburgern blieb Schmidt auch als tatkräftiger Innensenator während der Sturmflut von 1962 im Gedächtnis.

Bundespräsident Gauck würdigte Schmidt als "einen der bedeutendsten deutschen Politiker der Nachkriegszeit". Merkel sagte: "Er war auch für mich eine Instanz, dessen Rat und Urteil mir etwas bedeuteten." Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte: "Das jetzt ist eine Stunde, in der Deutschland innehält." Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, die Sozialdemokratie trauere um einen Menschen, der weit über die SPD hinaus als jemand im Gedächtnis bleibe, der mit Zuversicht, Realismus und Tatkraft "unser Land gestaltet hat".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nannte Schmidt einen "Freund, der mir, ebenso wie Europa, fehlen wird". Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem "großen Europäer". Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete den Gestorbenen als "herausragende Persönlichkeit Nachkriegsdeutschlands für die europäische und globale Politik".

Zu den größten Herausforderungen in Schmidts Kanzlerzeit gehörten die Ölkrise in den 70er Jahren und der Kampf gegen den Terrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF). Resultierend aus den Erfahrungen als Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg war dem Diplomvolkswirt die europäische Einigung ein Herzensanliegen. Der SPD trat Schmidt nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft bei.

Als einer der Ersten wies Schmidt auf die Gefahren für das Rüstungsgleichgewicht durch neue sowjetische Mittelstreckenraketen hin. Der Nato-Doppelbeschluss führte zu einer heftigen Konfrontation auch mit seiner eigenen Partei.

Im Herbst 1982 scheiterte Schmidt mit seiner sozialliberalen Koalition an Differenzen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Durch ein konstruktives Misstrauensvotum wurde Helmut Kohl (CDU) am 1. Oktober 1982 zu seinem Nachfolger gewählt.

Schmidt gehörte dem Bundestag noch bis 1987 an. Seit 1983 war er Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit". Er schrieb zahlreiche Bücher und reiste für Vorträge um die Welt. Auch im hohen Alter waren seine Meinung und sein Rat gefragt und geschätzt. Schmidt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, seine Bücher standen wochenlang auf den Bestseller-Listen.

Seine Frau Loki, mit der 68 Jahre verheiratet war und die er seit der Schulzeit kannte, war am 21. Oktober 2010 im Alter von 91 Jahren gestorben. Im August 2012 bekannte sich Schmidt zu Ruth Loah als neuer Gefährtin. Sie zählte schon seit Jahrzehnten zu seinen Vertrauten. Tochter Susanne, promovierte Volkswirtin und Finanzjournalistin, lebt mit ihrem Ehemann Brian Kennedy in England.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr