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Politik McCains letzte Botschaft: Zusammenhalt trotz aller Differenzen
Nachrichten Politik McCains letzte Botschaft: Zusammenhalt trotz aller Differenzen
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06:46 31.08.2018
Militärisches Geleit für der verstorbenen John McCain Quelle: AP
Washington

Trauerfeiern dieser Größenordnung hat Amerika in seiner langjährigen Geschichte nicht oft gesehen. Als wäre ein überaus populärer Präsident gestorben, scheint das Land in dieser Woche still zu stehen, um einem seiner ganz Großen das letzte Geleit zu geben. Unzählige Menschen säumten bereits in Arizona die Highways, über die der Trauerzug seinen Weg in Richtung Flughafen nahm. Tausende kamen zu den beiden Trauerfeiern im Heimatbundesstaat von John McCain. Und das ist erst der Anfang: Am Wochenende werden diverse Bereiche im Zentrum der US-Hauptstadt für den Autoverkehr weiträumig abgesperrt, um den Abschied von dem Mann zu zelebrieren, an dem sich so viele Amerikaner in diesen turbulenten Zeiten aufgerichtet haben.

Es ist ein spektakuläres Ereignis, da ausgerechnet der Mächtigste im Land von den Zeremonien ausgeschlossen ist: Es zählte zu den letzten Entscheidungen des streitbaren Senators, Donald Trump von seiner eigenen Beerdigung auszuladen. McCains Witwe Cindy setzte nun noch einen drauf - und ergänzte die Liste der Unerwünschten um Sarah Palin.

Trauerfeier gleicht einer Demonstration

Die Politikerin, die McCain 2008 als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten an seine Seite nahm, um die fundamentalistische Tea-Party-Bewegung zu befrieden, spielte in seinem Leben eine unrühmliche Rolle. Später, nach seiner Niederlage gegen Barack Obama, gestand McCain ein, mit der Wahl Palins letztlich den Radikalen Auftrieb gegeben zu haben, die Trump den Weg ins Weiße Haus ebneten.

So kommt die Trauerfeier einer Demonstration gegen all die Fehlentwicklungen gleich, unter denen die amerikanische Politik in jüngster Zeit leidet. Es geht eben nicht allein um Trump, sondern vielmehr um all die Misstände, die zur Wahl eines Politikers führten, der sich ausdrücklich nicht als Politiker sieht, der sich nicht der Wahrheit verpflichtet fühlt, und der wenig Verständnis für die uramerikanischen Werte mitbringt.

In seinen letzten Lebensmonaten wurde McCain trotz seiner schweren Erkrankung nicht müde, seine Landsleute an ihr gemeinsames Fundament zu erinnern. Oder, wie es der frühere Vizepräsident Joe Biden am Donnerstag formulierte: „John verstand, dass Amerika vor allem eine Idee war. Verwegen und riskant. Organisiert nicht um Stämme herum, sondern um Ideale.“

Zusammenhalt trotz aller Differenzen

McCains Mahnungen fanden durchaus Gehör: Die extreme Polarisierung im Kongress, die nicht zuletzt von Medien verstärkt werde, die sich nur einer politischen Ausrichtung verpflichtet fühlten, gefährde auf lange Sicht das gesamte System. Oberste Pflicht der Volksvertreter sei es eben nicht, ausschließlich der eigenen Agenda zu folgen, sondern nach tragfähigen Kompromissen zu suchen - und auch Positionen des politischen Gegners zu integrieren.

Der nachsichtige Blick auf den Verstorbenen gebietet es in dieser Woche für viele Trauergäste, McCains eigene Poltereien und Blockadehaltungen nicht allzu sehr hervorzuheben. Tatsächlich fand der Republikaner aber immer wieder die Kraft, sich selbst zu korrigieren und die Gemeinsamkeiten der demokratisch Gesinnten zu betonen. Das dürfte sich ganz besonders am Auftritt von Obama zeigen, der am Sonnabend - ebenso wie George W. Bush - in der Nationalen Kathedrale in Washington zu der großen Trauergemeinde spricht.

Weder zu Obama noch zu Bush pflegte McCain einen engeren Draht. Gegen diese beiden Persönlichkeiten hatte er in leidenschaftlichen Wahlkämpfen kandidiert - und verloren. Ihr Auftritt neben dem Sarg soll aber den Amerikanern - und insbesondere dem amtierenden Präsidenten - vor Augen halten, dass die Parlamentarier trotz aller Differenzen zusammenstehen. Das ist McCains eigentliche und letze Botschaft.

Von Stefan Koch/RND

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