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Nachrichten Politik Trump twittert blutige Legende über US-General
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08:37 18.08.2017
US-Präsident Donald Trump  Quelle: AP
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Washington

 Nach dem Anschlag von Barcelona hat US-Präsident Donald Trump nahegelegt, für den Kampf gegen Terrorismus die Methoden von General John Pershing zu studieren. Der – unbewiesenen und falschen – Legende nach soll Pershing auf den Philippinen 50 muslimische Gefangene mit Projektilen exekutiert haben, die er zuvor in Schweineblut getaucht hatte. Mit dem Blut der für gläubige Moslems unreinen Tiere sei ihnen der Weg ins Paradies versperrt gewesen. Trump: „Danach gab es 35 Jahre keinen islamistischen Terror mehr!“

General John Pershing Quelle: AP

Trump begann diese Legende im Wahlkampf 2016 mit großer Begeisterung zu zitieren, als er nach Siegen in ersten Bundesstaaten im Aufwind war. Laut Historikern gibt es nicht den geringsten Anlass, die Geschichte um Pershing für wahr zu halten, die sich in den Jahren der Moro-Rebellion (1899-1913) zugetragen haben soll.

In zahlreichen Reaktionen auf Trumps Tweet hieß es in US-Medien am Donnerstag, während die Welt noch um die Toten trauere, verweise der Präsident der Vereinigten Staaten auf eine Lüge, in der die Exekution Gefangener glorifiziert werde.

Pershing und die Philippinen

General John „Black Jack“ Pershing, der während des Ersten Weltkriegs bekannt wurde, war ein Befehlshaber der US-Armee und zwischen 1909 und 1913 Gouverneur der südlichen Philippinen. Seine Amtszeit begann als die USA ihre Kontrolle über die Philippinen ausbaute, die sie im Spanisch-Amerikanischen Krieg gewonnen hatten. Pershing wurde mit einem Aufstand der Moro, einer muslimischen Bevölkerungsgruppe, konfrontiert, den er bis Juni 1913 weitgehend niederschlug. Dabei wurden rund 500 Moro-Kämpfer getötet.

Trump und Taktiken gegen Terrorismus

Trump verwies in seinem Tweet auf keine spezielle Taktik des Generals, um Terrorismus zu bekämpfen. Doch während seines Wahlkampfes im vergangenen Jahr berichtete Trump von einem nahezu allseits abgelehnten Vorgehen, das Pershing zugeschrieben wird: Er soll weitere muslimische Aufstände verhindert haben, indem er befahl, auf muslimische Rebellen mit in Schweineblut getränkten Kugeln zu schießen. Das Schwein gilt im Islam als unreines Tier. Die Geschichte über Pershing wurde von Historikern als unbegründet oder übertrieben bezeichnet. Politifact, eine Organisation, die Aussagen von Politikern überprüft, wertete Trumps Behauptung über Pershing als falsch.

Pershing schrieb nach Angaben Politifacts in seinen Memoiren jedoch von einem Fall eines anderen US-Befehlshabers auf den Philippinen, der mindestens einmal die Leichen muslimischer Rebellen mit toten Schweinen als Warnung begraben lassen haben soll. „Es war nicht angenehm, solche Maßnahmen zu ergreifen, aber die Aussicht, in die Hölle anstatt in den Himmel zu kommen, schreckte mögliche Attentäter manchmal ab“, schrieb Pershing.

Trumps halbentlarvender Tweet

Einige kritische Kommentatoren erklärten, Trump griff mit seinem Tweet die Geschichte über die in Schweineblut getränkten Kugeln wieder auf, die er bereits während des Wahlkampfs benutzte. Da er diese in seinem Tweet aber nicht explizit erwähnte, lässt sich das auch nicht nachweisen. Trump könnte sich auch auf die Bestattungsmethoden in Pershings Memoiren berufen. In jedem Fall wird jedoch Trumps Behauptung, dass Pershings Umgang mit den Muslimen der Hauptgrund für ein Ende des Aufstands war, nicht von historischen Fakten unterstützt.

Von RND/AP

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