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Politik Türkische Gemeinde appelliert an Bundesregierung
Nachrichten Politik Türkische Gemeinde appelliert an Bundesregierung
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03:50 14.03.2018
«Wir verurteilen den Brandanschlag auf ein Gotteshaus» steht auf dem Plakat vor einer Moschee in Reinickendorf. Unbekannte Täter hatten in der Nacht zum Sonntag mindestens einen Raum der Moschee in Brand gesetzt. Quelle: dpa
Berlin

Die Türkische Gemeinde Deutschland fordert nach einer Reihe von Anschlägen auf türkische und muslimische Einrichtungen mehr Unterstützung von der Bundesregierung. „Wir erwarten mehr Schutz für türkische Einrichtungen und eine zügige Aufklärung der Attentate“, sagte ihr Vorsitzender Gökay Sofuoglu dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Dienstag. „Der neue Bundesinnenminister Seehofer sollte dieselbe Energie, die er gegen kriminelle Flüchtlinge zu zeigen bereit ist, auch gegen rechte Gewalt aufbringen“, betonte Sofuoglu.

Die Türkische Gemeinde beobachtet schon seit einiger Zeit eine zunehmend feindselige Haltung gegenüber Deutschtürken. „Die Häufung von Anschlägen auf türkische Einrichtungen ist nicht überraschend. Seitdem wir Anzeige erstattet haben gegen den AfD-Politiker André Poggenburg, nehmen Anfeindungen aus dem rechten Lager zu“, sagte Sofuoglu dem RND. „Zudem werden wir als Türkische Gemeinde für die militärische Eskalation im syrischen Afrin verantwortlich gemacht. Mitunter sind gegen uns gerichtete Drohungen beides in einem: rassistisch und prokurdisch“, beklagte der Vertreter der Deutschtürken. „In einer Mail hieß es zum Beispiel: ,Raus aus Afrin, raus aus Deutschland.“

In der Region Afrin geht die türkische Armee seit dem 20. Januar mit einer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die Türkei stuft die YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein.

Anschlag auf Berliner Moschee als Terror eingestuft

Kritik äußerte Sofuoglu auch gegenüber nationalistisch gesinnten türkischen Gruppierungen in Deutschland. „Türkische Nationalisten wie die rockerähnliche Gruppe Osmanen Germania warnen im Netz vor angeblich bevorstehenden Anschlägen und fachen die ohnehin große Verunsicherung unter Deutschtürken weiter an“, sagte Sofuoglu.

Der Berliner Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen wertete den Anschlag auf eine Moschee im Berliner Bezirk Reinickendorf und ähnliche Attacken als Terror. „Es ist nicht wichtig, welchen politischen Hintergrund die Taten haben. Wer Gotteshäuser anzündet, dem geht es nur um ein Ziel: Angst und Einschüchterung zu verbreiten. Dem geht es darum, eine Bevölkerungsgruppe zu terrorisieren“, erklärte Germeshausen.

Verantwortliche aufspüren und bestrafen

Womöglich stehe der Berliner Angriff in der Nacht zum Sonntag in Zusammenhang mit dem Angriff türkischer Truppen auf das kurdische Afrin in Syrien. „Wer versucht, die Konflikte in den Herkunftsländern vieler Berlinerinnen und Berliner zu instrumentalisieren und hier auszutragen, wendet sich direkt gegen das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Genau wie die Rassisten“, sagte Germershausen.

Die türkische Regierung reagierte. „Wir beobachten mit Sorge, dass Angriffe auf türkische Moscheen in Deutschland durch rassistische und anti-islamische Gruppen sowie die Terrororganisation PKK zuletzt zugenommen haben“, teilte das Außenministerium in Ankara mit. „Wir erwarten von den deutschen Behörden, dass sie die Verantwortlichen für diese Angriffe sobald wie möglich aufspüren und bestrafen und dass sie alle Maßnahmen ergreifen, damit keine ähnlichen Angriffe stattfinden.“

Die Ditib-Moscheen waren zuletzt wegen ihrer engen Beziehungen zur türkischen Regierung in die Kritik geraten. Kurdische Gruppen hatten den Gemeinden vorgeworfen, sie betrieben in den Gotteshäusern „Kriegspropaganda“.

Von RND/dpa

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