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Nachrichten Politik US-Senator John McCain ist tot
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17:34 26.08.2018
US-Senator John McCain ist tot. Quelle: imago/ZUMA Press
Washington

Über drei Jahrzehnte zählte John McCain zu den festen Größen der Washingtoner Politik. Noch vor wenigen Wochen, als sich US-Präsident Donald Trump mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin traf, mischte sich der schwerkranke Politiker in das Tagesgeschäft ein und warf dem US-Präsidenten vor, Sympathien für einen Autokraten zu zeigen.

Kurz vor seinem 82. Geburtstag verstarb John McCain. Einen Tag zuvor hatte der langjährige Senator die Behandlung seiner Krebserkrankung eingestellt.

In der Öffentlichkeit war der Mann, der aus einer angesehenen Offiziersfamilie stammte, für seine scharfen Worte bekannt. McCain folgte klaren Leitlinien – und hatte fest gefügte Feindbilder. So habe sich Russland unter dem Regime von Putin zu einer Bedrohung für seine Nachbarn entwickelt, und in den radikalislamischen Kämpfern des Mittleren Ostens sah er eine akute Gefährdung der freien Welt.

Auf den ersten Blick erschien er vielen politischen Gegnern so manches Mal als rückwärtsgewandt und als zu militärfreundlich. Nichtsdestotrotz genoss McCain auch unter den Demokraten Respekt. So spricht der demokratische Kongressabgeordnete Joe Kennedy III. von einem Krieger im wahrsten Sinne des Wortes. Über viele Jahre sei McCain seinen Überzeugungen treu geblieben und habe die Interessen seiner Partei erst an die zweite Stelle gesetzt. Auch Barack Obama, der sich im Präsidentschaftswahlkampf 2008 mit McCain eine erbitterte Auseinandersetzung geleistet hatte, fand später viele lobende Worte über den standfesten Republikaner.

Obama würdigt McCain

Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten hätten sie eine „Treue zu etwas Höherem“ geteilt – „die Ideale, für die Generationen von Amerikanern und Einwanderern gleichermaßen kämpften, marschierten und Opfer gaben“, erklärte Obama am Samstag (Ortszeit) in einer Stellungnahme beim Kurznachrichtendienst Twitter. McCain und er hätten „unsere politischen Schlachten sogar als ein Privileg betrachtet, etwas Nobles, eine Gelegenheit, in der Heimat als Hüter jener hohen Ideale zu dienen, und sie in der Welt voranzutreiben“.

Obama schrieb weiter, er und McCain „sehen dieses Land als einen Ort an, an dem alles möglich ist – und das Bürgerrecht als unsere patriotische Pflicht, sicherzustellen, dass es für immer so bleibt.“

Mit seiner Prinzipientreue machte McCain zuletzt vor allem dem amtierenden Präsidenten das Leben schwer. Trotz seiner Krebserkrankung entwickelte sich McCain zum schärfsten parteiinternen Kritiker des Regierungschefs. Für viele Landsleute stand er daher für das – im guten Sinne – alte Amerika.

So gilt es als Verdienst des Senators, die Zerschlagung des Krankenversicherungssystems „Obamacare“ quasi im letzten Moment verhindert zu haben. Obwohl das Weiße Haus über Monate hinweg großen Druck auf ihn ausübte, da die Abwicklung von „Obamacare“ zu Trumps zentralen Forderungen zählte, ließ sich der alte Mann nicht beirren.

McCain spricht CIA-Chefin Haspel Qualifikation ab

Den Zorn des altgedienten Politikers bekam in jüngster Zeit auch Gina Haspel zu spüren. Der neuen CIA-Chefin sprach McCain die Qualifikation für dieses Amt kategorisch ab, da sie sich im Nachgang zu den Terrorangriffen vom 11. September 2001 nicht aktiv gegen die Folter des Geheimdienstes zur Wehr gesetzt hatte, sondern die umstrittenen Praktiken sogar noch überwachte. Nach Meinung von McCain habe sich mit dem sogenannten Waterboarding ein Schatten auf die Geschichte Amerikas gelegt.

Sein Widerstand gegen die gegenwärtige Administration kam aus dem Innersten: Der Admiralssohn war der festen Überzeugung, dass Slogans wie „America First“ gegen uramerikanische Werte verstoßen würden. Die Autorität von Institutionen wie dem FBI und den Justizbehörden zu untergraben, die unabhängige Berichterstattung in Misskredit zu ziehen und gegen Zuwanderer zu hetzen, war seine Sache nicht. Stattdessen warnte er vor einer gefährlichen Entwicklung, da auch Autokraten in aller Welt die freie Presse diskreditieren und kontrollieren wollen.

Trump macht sich über McCain lustig

Die beiden mächtigen Männer hätten kaum unterschiedlicher sein können. Während McCain im Vietnam-Krieg als Marineflieger an vorderster Front kämpfte und sein Vater die gesamten Pazifiktruppen kommandierte, genoss Trump in New York das Studentenleben und wurde unter seltsamen Umständen vom Militärdienst freigestellt. McCain wurde 1967 bei einem Angriff abgeschossen, geriet in Gefangenschaft und kam erst fünf Jahre später wieder frei. Da er mehrfach gefoltert wurde, litt er sein gesamtes weiteres Leben unter körperlichen Behinderungen. Eine traumatische Erfahrung, über die er auch in seinen Memoiren „The Restless Wave“ (Die ruhelose Welle), die erst kürzlich auf den Markt kamen, berichtete.

Dass sich Trump während seiner Wahlkampagne ausgerechnet über McCains Gefangennahme lustig machte (“Ich mag Helden, die sich nicht schnappen lassen“), soll ihm der Kriegsveteran nie verziehen haben. Anders als viele seiner Parteifreunde scheute er sich daher nicht, den mächtigsten Mann im Staat frontal anzugehen. Die unzähligen Erfahrungen aus seinem langen Politikerleben dürften ihm dabei geholfen haben, diese Auseinandersetzung trotz seiner Krankheit durchzustehen.

Der Familie des verstorbenen Senators kondolierte Trump dennoch. Den Angehörigen gelte sein „tiefstes Mitgefühl und Respekt“, teilte Trump am Samstag (Ortszeit) mit.

Unmittelbar nach seiner Militärlaufbahn hatte sich McCain für die Politik entschieden. Dank seiner vermögenden zweiten Ehefrau Cindy Hensley konnte er direkt in den Wahlkampf für einen Sitz im Repräsentantenhaus ziehen und gewann erstmals im November 1982. Schon vier Jahre später gelang ihm der Sprung in den US-Senat, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Gleich zweimal strebte McCain die Präsidentschaft an. Beim ersten Mal unterlag er in den Vorwahlen im Jahr 2000 dem damaligen Mitbewerber George W. Bush. Beim zweiten Mal errang er die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, unterlag aber gegen Barack Obama. Bei den Wählerstimmen kam McCain immerhin auf 46 Prozent, während Obama 53 Prozent erzielte. Kurz nach seiner Niederlage zeigte sich der frühere Soldat aber überaus versöhnlich und rief zu einer parteiübergreifenden Zusammenarbeit auf.

Trump soll nicht zur Beerdigung kommen

Tatsächlich verstand McCain Politik zuallererst als Auftrag, Kompromisse zu schmieden und Lösungen zu finden. Der überzeugte Transatlantiker, der Stammgast auf der Münchner Sicherheitskonferenz war, betonte regelmäßig die gemeinsame Basis aller Demokraten.

Dass dieses Fundament zurzeit schweren Belastungen ausgesetzt ist, signalisierte McCain mit seiner letzten Bitte: Zu seiner Beerdigung in Washington seien alle Persönlichkeiten herzlich eingeladen. Nur einer soll bitte nicht an der Zeremonie teilnehmen – Donald Trump.

Von Stefan Koch/RND

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