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Politik Syrische Armee in volle Alarmbereitschaft versetzt
Nachrichten Politik Syrische Armee in volle Alarmbereitschaft versetzt
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12:23 10.04.2018
US-Präsident Donald Trump hat mit Konsequenzen nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien gedroht. Quelle: dpa
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Washington

Nach Angriffsdrohungen aus den USA sind die syrische Armee und ihre Verbündeten im Land in der Nacht zum Dienstag in volle Alarmbereitschaft versetzt worden. Mehrere Stützpunkte in verschiedenen Landesteilen seien zudem angesichts möglicher Angriffe vorsorglich geräumt worden, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

„Die syrische Armee ist in voller Bereitschaft an allen Militärflughäfen, großen Stützpunkten in Damaskus und Außenbezirken, in Homs sowie in den Küstenregionen von Latakia und Tartus, aus Angst vor möglichen Angriffen der USA und anderer Staaten“, sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der Beobachtungsstelle, der Deutschen Presse-Agentur.

Nach einer mutmaßlichen Giftgasattacke syrischer Truppen auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta, bei der über 150 Menschen ums Leben gekommen sein sollen, hatten die USA militärische Schritte nicht ausgeschlossen. US-Präsident Donald Trump kam dazu am Montagabend in Washington mit seinen militärischen Beratern zusammen.

Donald Trump droht Konsequenzen an

Präsident Donald Trump hat am Montag eine schnelle Entscheidung seiner Regierung angekündigt. Er wolle mit seinen militärischen Beratern über mögliche militärische Schritte gegen die syrische Regierung sprechen. Alle Optionen würden in Betracht gezogen. Trump sprach von einem „barbarischen“ Angriff. „Wir können solche Gräueltaten nicht zulassen“, fügte er hinzu.

Die USA machen die Regierung von Syriens Präsident Baschar al-Assad für den Angriff am Samstag verantwortlich. In der Rebellenhochburg Duma in Ost-Ghuta wurden Aktivisten zufolge mehr als 150 Menschen getötet und rund 1000 verletzt. Wie bei früheren Angriffen ist möglicherweise Chlorgas eingesetzt worden.

Auch die Bundesregierung vermutet, dass die syrische Armee hinter dem Angriff steht. Die Umstände deuteten auf „die Verantwortlichkeit des Assad-Regimes“ hin, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: Ein so schwerwiegender Verstoß gegen das Völkerrecht dürfe „nicht ungesühnt bleiben“.

Russland bezweifel Chemiewaffeneinsatz

Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja stellte die Echtheit des mutmaßlichen Angriffs in Frage. Russische Ermittler hätten keine Belege für einen solchen Angriff gefunden, sagte er in einer Sitzung des Weltsicherheitsrats in New York. Rebellen hätten den Angriff lediglich inszeniert, es handele sich um „Fake News“.

Seine US-Amtskollegin Nikki Haley warnte, dass der Einsatz von Chemiewaffen zur Normalität werden könnte, und bezeichnete die für den mutmaßlichen Angriff Verantwortlichen als „Monster“. Unabhängig von der Reaktion der Weltgemeinschaft würden die USA handeln.

Unklarheit über Angriff auf Militärstützpunkt

Nach dem Angriff in Duma kam es in der Nacht zu Montag zu einem Raketenangriff auf einen syrischen Militärflugplatz. Bei der Bombardierung wurden laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 14 Angehörige der syrischen Armee und Verbündeter getötet. Bisher ist noch unklar, ob der Militärschlag mit dem Giftgasangriff in Zusammenhang steht und wer dafür verantwortlich ist.

Syrien, Russland und der Iran machen Israel für den Beschuss verantwortlich. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, zwei israelische Kampfjets hätten vom Libanon aus acht Raketen auf den Stützpunkt nahe der Stadt Homs abgefeuert. Bewohner im Libanon hörten nahe der Grenze zu Syrien das Dröhnen von Jets. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, das es sich um einen israelischen Raketenangriff handelte. Der Iran verurteilte den Angriff als „klaren Verstoß gegen alle internationalen Vorschriften“.

Die israelische Armee wollte sich wie bereits in früheren Fällen nicht zu den Vorwürfen äußern. Die USA und Frankreich dementierten jede Beteiligung an der Bombardierung.

Ähnlicher Schritt im vergangenen Jahr

Bereits vor einem Jahr hatte das US-Militär die syrische Luftwaffenbasis Schairat beschossen - als Reaktion auf den verheerenden Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun, für den UN-Experten ebenfalls die Assad-Regierung verantwortlich machten. Das Eingreifen der USA galt aber als symbolisch. Denkbar ist, dass die US-Regierung erneut einen ähnlichen Schritt unternimmt, um ein Signal an Assad zu senden, ohne aber eine tiefere Verstrickung in den Bürgerkrieg zu suchen. Denn eigentlich will Trump das US-Engagement in Syrien beenden.

Von RND/dpa

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