Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Verheerender Brand im Flüchtlingslager auf Lesbos – Tausende fliehen

Vermutlich Brandstiftung Verheerender Brand im Flüchtlingslager auf Lesbos – Tausende fliehen

Ein Feuer auf Lesbos treibt Tausende wieder in die Flucht. Die Polizei geht von Brandstiftung aus und hat neun Menschen festgenommen. Der Bürgermeister der Insel warnt vor weiteren „schlimmen Vorfällen“.

Nur noch Schutt und Asche: Das Feuer hat große Teile des Flüchtlingslagers Moria zerstört. Bewohner suchen noch nach Verwertbarem.

Quelle: EPA

Athen. Ein Feuer im Flüchtlingslager „Moria“ hat die Lage auf Lesbos endgültig eskalieren lassen. Die mehr als 5000 Flüchtlinge und Migranten flohen. Ein Großteil der Zelte und Container fielen den Flammen zum Opfer, obwohl Helfer den Brand noch in den späten Abendstunden unter Kontrolle bringen konnten.

Schon in den vorhergehenden Tagen war die Situation auf Lesbos angespannt; mehr als 500 Bürger hatten am Wochenende gegen den überfüllten Hotspot protestiert, darunter auch Mitglieder der rechtsextremistischen griechischen Partei „Goldene Morgenröte“. Am Montag kam es dann in den Reihen der Flüchtlinge Krawalle und auch zu Brandstiftung, deren Ursache noch nicht endgültig feststehen.

Streit unter Flüchtlingen

Die griechische Agentur ANA berichtete, Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Migrantengruppen hätten dazu geführt; bei der Athener Tageszeitung „Kathimerini“ hieß es, im Lager habe es Gerüchte gegeben, nach denen erneut Abschiebungen von Migranten in die Türkei geplant seien, weshalb die Situation eskaliert sei.

Die Polizei hat neun Verdächtige gefasst, die sie als Urheber für die Eskalation vermuten. Die Flüchtlinge stammen aus Afghanistan, Irak, dem Senegal, Syrien und Kamerun.

Der Bürgermeister der griechischen Insel befürchtet weitere Eskalationen. „Ich weiß nicht, ob es heute sein wird oder in ein, zwei Tagen. Aber wenn die Situation nicht umgehend entschärft wird“, sagte Spyros Galinos, „werden wir sicher wieder neue, noch schlimmere Vorfälle erleben.“

Fest steht: Bereits im Laufe des Montags hatten mehrere Hundert Migranten gegen die angeblich drohende Abschiebung protestiert. Am Nachmittag sei dann an verschiedenen Stellen inner- und auch außerhalb des Lagers Feuer gelegt worden, berichtete die griechische Zeitung „To Vima“. Zunächst seien deshalb mehr als 100 Minderjährige aus dem Lager in Sicherheit gebracht worden.

Menschen bringen sich im Hafen in Sicherheit

Später sei die Lage dann außer Kontrolle geraten und die über 5000 Bewohner des Lagers seien geflohen. Viele machten sich demnach zu Fuß auf den Weg zur rund sechs Kilometer entfernten Inselhauptstadt Mytilini, in deren Hafen die Fähren Richtung Athen ablegen. Schon länger fordern die Flüchtlinge, aufs griechische Festland reisen zu dürfen, um den Zuständen im Hotspot zu entkommen, aber auch in der Hoffnung, sich von Athen aus weiter nach Mittel- und Nordeuropa durchschlagen zu können.

Die Situation auf den Inseln

In Griechenland halten sich aktuell etwas mehr als 60.000 Flüchtlinge und Migranten auf. Doch nur fünf der rund 40 bestehenden Auffanglager zählen zu den so genannten Hotspots. Sie wurden im Frühjahr auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos aufgebaut, um die damals täglich bis zu 2000 neu ankommenden Flüchtlinge zu registrieren.

Seit dem Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei im März dieses Jahres dienen die Hotspots dazu, illegal eintreffende Neuankömmlinge festzuhalten, um sie zurück in die Türkei zu schicken. Zuvor können die Menschen einen Asylantrag stellen – allerdings zieht sich die Prozedur mangels Personal in die Länge, so dass die Hotspots längst überfüllt sind. Insgesamt beläuft sich die Kapazität auf den fünf Inseln auf 7450 Plätze – tatsächlich leben dort derzeit 13.600 Menschen, und täglich werden es mehr.

Die Situation auf den Inseln

– Lesbos: Kapazität 3500, Flüchtlinge und Migranten 5708

– Chios: Kapazität 1100, Flüchtlinge und Migranten 3726

– Samos: Kapazität 850, Flüchtlinge und Migranten 1513

– Leros: Kapazität 1000, Flüchtlinge und Migranten 731

– Kos: Kapazität 1000, Flüchtlinge und Migranten 1714

Die Situation der Flüchtlinge auf den griechischen Ägäis-Inseln verschlechtert sich stetig. Die Auffanglager sind überfüllt, die Menschen fürchten ihre Abschiebung in die Türkei, die der europäisch-türkische Flüchtlingspakt seit März vorsieht. Immer wieder kommt es zu Krawallen und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Auch die Inselbewohner wollen die Situation nicht länger hinnehmen – auf Lesbos und auch auf der Insel Chios gab es wiederholt Demonstrationen gegen die Flüchtlingslager.

„Hotspot gleicht einem Schlachtfeld“

Am Morgen dem Brand im Flüchtlingslager der griechischen Insel Lesbos und der Flucht der Lagerbewohner fragen sich Inselbewohner und Migranten gleichermaßen, wie es weitergeht. „Der Hotspot von Moria gleicht einem Schlachtfeld“, sagte Inselreporter Giannis Sinanis und machte die Regierung für die Vorfälle verantwortlich. „Wir warnen schon lange davor, dass die Situation eskalieren wird. Nun ist es soweit.“

Die Polizei der Insel stehe von Dienstag an vor einem großen Problem: Wohin mit den vielen Tausend Menschen, die vor den Flammen im Hotspot flohen? „Es heißt, die Regierung will zusätzlich Bereitschaftspolizisten herschicken, aber das löst das Problem nicht“, ergänzte Sinanis. Auch Pläne, wonach eine Fähre im Hafen der Inselhauptstadt Mytilini als schwimmendes Ausweichlager eingesetzt werden soll, seien nicht umsetzbar. „Erstens ist die Inselbevölkerung dagegen, die schon lange unter der großen Zahl der Flüchtlinge leidet. Und zweitens wird sich nach den Vorfällen am Montagabend keine Fährgesellschaft finden, die eine Fähre bereitstellt.“

Von afp/dpa/cab

Lesbos 39.26451 26.277707
Lesbos
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • In Bewegung
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2017 wieder schöne Fotos

    Die Sparkasse Leipzig sucht für ihren Kalender 2017 die 12 besten Motive aus hunderten Einsendungen. Die Entscheidung fällt in einem Voting. Hier k... mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr