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Politik Vom Pegida-Redner zum mutmaßlichen Bombenleger
Nachrichten Politik Vom Pegida-Redner zum mutmaßlichen Bombenleger
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15:18 09.12.2016
Eine Woche vor den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit wurde in Dresden eine Moschee attackiert. Quelle: epd
Dresden

Nach den Sprengstoffanschlägen gegen eine Moschee und das Kongresszentrum in Dresden hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Die Ermittler nahmen einen 30 Jahre alten Mann aus der Elbestadt fest, wie das Operative Abwehrzentrum (OAZ) und die Generalstaatsanwaltschaft am Freitag mitteilten.

Bei Durchsuchungen seien diverse Gegenstände gesichert worden, die mutmaßlich zur Herstellung von Spreng- und Brandvorrichtungen genutzt werden können, erklärten die Ermittler. “Im Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchung stimmen die an verschiedenen Tatmitteln gesicherten DNA-Spuren mit der DNA des Beschuldigten überein.“ Ein Haftrichter erließ noch am Vormittag Haftbefehl. Der Mann wurde in die Justizvollzugsanstalt Dresden gebracht.

Vom Pegida-Redner zum mutmaßlichen Bombenleger

Wie das OAZ bestätigte, trat der 30-Jährige als Redner beim fremden- und islamfeindlichen Pegida-Bündnis in Dresden auf. „Wir haben davon auch Kenntnis“, sagte Behördenchef Bernd Merbitz, ohne weitere Details zu nennen.

Im Internet ist ein Video zu finden, das den Tatverdächtigen zeigen soll. Während einer Rede im Sommer 2015 verlas er bei einer Pegida-Kundgebung einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und äußerte sich dabei auch abfällig über Ausländer.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft erfolgte die Festnahme des Mannes am Donnerstag auf einer Baustelle in Hessen, wo er auf Montage tätig war. Hinweise auf Komplizen gebe es bisher nicht.

Anschläge auf Moschee und Kongresszentrum

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden muss sich der 30-Jährige, der allein in Dresden lebt, wegen der Anschläge auf die Fatih Camii Moschee und das Kongresszentrum am 26. September in der Stadt verantworten. Bei den Angriffen entstand Sachschaden, Menschen wurden nicht verletzt.

Die Sprengsätze waren kurz hintereinander explodiert. Der Imam und seine Familie, die sich zum Tatzeitpunkt in der Wohnung aufhielten, kamen mit dem Schrecken davon. Der 30-jährige Beschuldigte steht auch im Verdacht, drei Tage später eine aus Gläsern und Drähten bestehende Bombenattrappe an der Dresdner Marienbrücke platziert zu haben.

Erleichterung in Sachsen über die Festnahme

Die Anschläge wenige Tage vor den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden hatten bundesweit Entsetzen ausgelöst. Im Kongresszentrum war ein Empfang von Bundespräsident Joachim Gauck geplant, der auch nach dem Anschlag wie vorgesehen stattfand.

Die Polizei erhielt aus der Bevölkerung etliche Hinweise zu dem Fall – vor allem zum Geschehen an der Moschee und einem Video, das den mutmaßlichen Täter zeigt. Eine heiße Spur ergab sich daraus aber lange Zeit nicht.

In der sächsischen Landespolitik sorgte die Festnahme des Mannes für Erleichterung. Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) wertete die Ergreifung des Verdächtigen als „weiteren Erfolg der sächsischen Sicherheitsbehörden gegen den Rechtsextremismus“.

AfD warnt vor „Kollektivhaftung“

„Damit ist erneut deutlich geworden, dass solche Straftaten in Sachsen nicht unbestraft bleiben“, sagte Tillich. Innenminister Markus Ulbig (CDU) betonte, mit dieser Konsequenz werde Sachsen auch weiterhin gegen jegliche Form der politischen Kriminalität vorgehen.

Die AfD verlangte eine harte Bestrafung für Bombenleger, warnte aber davor, Pegida-Demonstranten in „Kollektivhaftung“ zu nehmen.

Von RND/dpa/Martin Fischer/Sebastian Kahnert

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