Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Von Morden nichts gewusst: Zschäpe bleibt bei ihrer Version
Nachrichten Politik Von Morden nichts gewusst: Zschäpe bleibt bei ihrer Version
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:53 22.01.2016
Beate Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios. Quelle: Peter Kneffel/Archiv
Anzeige
München

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe bleibt auch in ihrer zweiten Aussage vor Gericht bei ihrer Version: Mit den Morden der rechtsextremen Terrorzelle NSU will sie nichts zu tun gehabt haben.

 Zwar habe sie in ihrer Jugend durchaus rechtsextreme Hetzlieder gesungen. Aber: "Ich sehe einen großen Unterschied zwischen dem Singen solcher Lieder im jugendlichen Alter einerseits und dem Töten von Menschen andererseits." Das ließ sie von ihrem Anwalt Hermann Borchert vor dem Oberlandesgericht München verlesen.

 Die wegen Mordes angeklagte Zschäpe hatte erstmals im Dezember ihr jahrelanges Schweigen im NSU-Prozess gebrochen und ihren Anwalt Mathias Grasel eine lange Erklärung verlesen lassen. Die Nachfragen von Richter Götzl beantwortete sie schriftlich.

 In den Antworten heißt es erneut, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten die zehn Morde an Migranten und einer Polizistin, die dem "Nationalsozialistischen Untergrund" zur Last gelegt werden, ohne Zschäpes Wissen und ohne ihre Zustimmung verübt. Sie will davon - wie auch von dem Bombenanschlag in Köln - immer erst im Nachhinein erfahren haben.

 Den Kummer darüber habe sie sogar in Alkohol ertränken müssen: "Wenn ich alleine zu Hause war, trank ich mehr - ebenso, wenn ich wieder von Straftaten der beiden erfahren hatte." Zeitweise habe sie zwei bis drei Flaschen Sekt am Tag getrunken.

 Anders als bei ihrer ersten Einlassung äußerte Zschäpe sich aber detaillierter zu Mitgliedern der Neonazi-Szene, die dem Trio im Untergrund geholfen hätten. So habe Böhnhardt ihr erzählt, der Anführer der Chemnitzer "Blood & Honour"-Gruppe, Jan W., habe eine Waffe beschafft. 

 Sie nannte die Namen weiterer Helfer, die das Trio bei sich versteckten, Wohnungen mieteten, Papiere oder Krankenkassenkarten zur Verfügung stellten oder ein Konto eröffneten. Davon waren die meisten allerdings bereits bekannt und teilweise im Prozess als Zeugen gehört worden.

 Zschäpe schilderte nun aber die enge Freundschaft zu dem Mitangeklagten André E. und seiner Frau. Mit der Frau und den Kindern der Familie sei sie oft auf Spielplätze gegangen. "Diese Treffen mit den Kindern taten mir gut, weil ich selbst keine eigenen Kinder bekommen kann."

 Die politische Einstellung Böhnhardts zum Zeitpunkt ihres Kennenlernen schilderte Zschäpe so: "Er war dagegen, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben und dadurch eine Überfremdung stattfindet." Im Untergrund sei Politik zuletzt aber kaum noch Thema gewesen, hieß es in Zschäpes Erklärung: "In den letzten Jahren haben wir praktisch gar nicht mehr über politische Themen oder Ausländer geredet." Dafür seien sie häufig in Restaurants "mit ausländischer Küche" essen gegangen.

 Böhnhardt sei ihr gegenüber handgreiflich geworden, ließ Zschäpe verlauten. Er sei sehr reizbar und cholerisch gewesen - und von Waffen besessen: "Uwe Böhnhardt war ein Waffennarr." Sie selbst habe keinen Einfluss auf Böhnhardt und Mundlos gehabt, betonte Zschäpe erneut. "Ich kannte Uwe Böhnhardt seit meinem 19. Geburtstag. Er hat immer das gemacht, und nur das, was er wollte."

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nicht nur in Köln, auch in anderen NRW-Großstädten gab es an Silvester Übergriffe auf Frauen. Die Opposition sorgt sich um die Sicherheit im Land und will den Innenminister unter Druck setzen. Der verteidigt sich erneut im Landtag.

21.01.2016

Im Streit um geplante Neuregelungen für Werkverträge und Leiharbeit warnen die Arbeitgeber vor gravierenden Folgen für viele Firmen. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte in Berlin, Betriebe nahezu aller Handwerksbranchen würden für andere Unternehmen Aufträge erledigen.

21.01.2016

Gut sieben Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg müssen CDU und SPD in einer neuen Umfrage mit deutlichen Stimmenverlusten rechnen. In der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-"Politbarometer" büßt die CDU einen Teil ihres Vorsprungs vor den Grünen ein, bleibt aber stärkste Kraft.

21.01.2016
Anzeige