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05:02 26.04.2018
Die Rente ist eine der brisantesten Fragen, vor allem wenn es um die Generationengerechtigkeit geht. Quelle: dpa
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Berlin

Die Rente ist sicher.“ Als Norbert Blüm seinen inzwischen berühmten Satz vor gut 30 Jahren zum ersten Mal sagte, lag das Rentenniveau noch bei gut 56 Prozent. Konkret: Wer 45 Jahre von einem mittleren Arbeitseinkommen Beiträge abgeführt hatte, bekam Mitte der Achtzigerjahre im Alter 56 Prozent eines Durchschnittslohns. Heute liegt dieser Wert bei 48,0 Prozent.

Trotzdem ist die Rente noch sicher. Jedenfalls ist Altersarmut in Deutschland bislang zu keinem flächendeckenden Problem geworden. Der Anteil der Männer und Frauen, die auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sind, liegt bei etwa 2,7 Prozent. Von den mehr als 20 Millionen Rentnern sind rund 550 000 betroffen.

Zudem bedeutet ein zurückgehendes Rentenniveau keinesfalls, dass die Renten nicht mehr steigen – 2018 liefert dafür einen weiteren Beleg. Die Altersrenten steigen um 3,2 Prozent im Westen und 3,37 Prozent im Osten, was sich sehen lassen kann. Glaubt man den Regierungsprognosen, die meist konservativ gerechnet sind, ist bis 2030 jedes Jahr ein Plus von im Schnitt zwei Prozent möglich.

Eine Lösung ohne die Rente mit 70 oder mit 71,72 oder 73 ist durchaus möglich, sie hätte aber ihren Preis

Die Frage ist jedoch, wie sicher die Rente in Zukunft noch sein wird – vor allem angesichts der Tatsache, dass zum Ende des Jahrzehnts die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden. Dafür gilt es, einen klugen Plan zu entwerfen und vor allem die Rentenkasse nicht mit dauerhaften neuen Ausgaben zu überfrachten.

Das könnte etwa geschehen, wenn die geplante Ausweitung der Mütterrente aus Beiträgen finanziert würde. Geblendet von der aktuell hervorragenden Kassenlage stehen Union und SPD kurz davor, einen verhängnisvollen Fehler zu machen. Es ist allerdings gut, dass die Große Koalition jetzt rasch eine Rentenkommission einsetzen will, die einen langfristigen Masterplan entwerfen soll. Sie wird ihre Arbeit mit der Erkenntnis starten müssen, dass insbesondere die private Vorsorge – Stichwort Riester – die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt hat. Und sie wird darzulegen haben, wie das Ziel einer sicheren Rente auf heutigem Niveau auch in Zukunft zu finanzieren wäre.

Anders als manche Experten den Anschein erwecken, gibt es durchaus Alternativen zu einer weiteren Erhöhung der Lebensarbeitszeit, die für Millionen Menschen de facto eine Rentenkürzung wäre. Eine Lösung ohne die Rente mit 70 oder mit 71,72 oder 73 ist durchaus möglich, sie hätte aber ihren Preis. Wie viel sie uns wert ist und ob wir bereit wären, dafür steigende Beiträge oder eine moderate Steuererhöhung in Kauf zu nehmen, darum muss jetzt gerungen werden – und zwar ohne Tabus.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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