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Wie sich der Terror in unser Leben einnistet

Kommentar Wie sich der Terror in unser Leben einnistet

Der fürchterliche Anschlag von Manchester zeigt, wie schnell wir Unbeteiligten den Terror in unseren Alltag einsortieren. Diese Haltung ist nicht verwerflich. Im Gegenteil: Sie verhindert, dass die Mörder gewinnen.

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Ein Trauerschild am Manchester City Centre.
 

Quelle: AP

Hannover.  Mehr als 20 Tote, zwölf darunter unter 16 Jahren, ein Opfer war erst acht Jahre alt, rund 60 Schwerverletzte. Die nackten Zahlen beschreiben nur unzulänglich, welcher Horror sich in der Nacht zu Dienstag in der Manchester Arena ereignete und was er den Angehörigen, Freunden, Überlebenden antat. Diese jungen, nun verstorbenen Menschen hatten ihr Leben noch vor sich – bis ein blindwütiger und fanatisierter Täter sie mit in den Tod riss.

Wir Unbeteiligten registrieren einen weiteren Anschlag mutmaßlich muslimischer Terroristen in der westlichen Welt. Wir sind erschüttert, verstört ob ihrer Brutalität und Menschenverachtung, haben aber akzeptiert, dass Terror in unserem Leben dazugehört. Zu viele Attentate in den letzten Monaten haben unser Fassungsvermögen strapaziert: Paris, Nizza, London, Berlin, Istanbul und, und, und.

Der Bürgermeister von Manchester beschwor am Morgen, dass sich die Bewohner seiner Stadt nicht erschüttern lassen würden, dass sie zusammenhalten und angesichts des Terrors nicht klein beigeben – genauso wie zuvor seine Kollegen aus den anderen von Anschlägen betroffenen Städten. Und wir gehorchen – was ist die Alternative?

Unser Mitleidsreservoir entleert sich rasch

Aus aller Welt gab es Beileidsadressen. Manche lesen sich wie Copy- and-Paste-Versionen vergangener Bekundungen. Wie soll man auch seiner Anteilnahme und Trauer in inzwischen Dutzenden Fällen sonst Ausdruck geben?

Es ist gleichsam wie bei einem Verkehrsunfall. Wir wissen um die Gefahren auf den Straßen, aber nehmen trotzdem daran teil und hoffen, dass uns und den uns Nahestehenden nichts geschieht. Nachrichten darüber nehmen wir wahr, aber sie verändern unser Leben nicht. Unser Mitleidsreservoir, das merken wir bei solch schrecklichen Ereignissen, entleert sich rasch.

Gesunde Widerstandskraft gegen das Widerwärtige

Ist das verwerflich? Nein, es ist menschlich. Wir können nicht an aller Unglück von ganzem Herzen teilnehmen, das greift unsere Seele an – so wie die der Angehörigen und Verwundeten. Wie müssen sich Eltern fühlen, die ihr Kind am Abend vor der Konzerthalle abgaben und es in der Nacht nicht lebend wieder sehen oder noch immer nicht wissen, ob ihr Kind unter den Opfern ist? Nicht auszumalen.

Und genau das ist unsere große Stärke im Umgang mit dem Terror. Wir lassen uns in unserer Gesamtheit nicht unterkriegen. Wissenschaftler verwenden dafür den Begriff der Resilienz. Es beschreibt die Fähigkeit des Menschen, trotz fürchterlicher Erfahrungen und Ereignisse zur Normalität zurückzukehren. Das ist nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln, nichts, wofür man sich schämen müsste. Es ist die gesunde Widerstandskraft gegen das Widerwärtige – und genau das, was die Terroristen mit ihren Anschlägen wegbomben wollen. Es darf ihnen nicht gelingen.

Von Rüdiger Ditz

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