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18:00 12.04.2018
Im Zwielicht: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg muss sich den Fragen der US-Senatoren stellen. Einige Kritiker verlangen die Zerschlagung des sozialen Netzwerks. Quelle: imago/Xinhua
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Berlin

Das Geschäftsmodell von Facebook: kostenlos für den Nutzer, Einnahmen durch Werbung. Dass man auf der größten sozialen Plattform der Welt mit seinen Daten bezahlt, sollte jedem Menschen klar sein. Mit seinen über zwei Milliarden Nutzern hat Facebook eine Monopolstellung. Nun wird der Ruf nach der Zerschlagung des Unternehmens laut. Immerhin gibt es in den USA eine lange Tradition der Entflechtungen großer Monopole. Berühmtestes Beispiel ist die Aufspaltung des Erdölraffinerie-Unternehmens Standard Oil Company in mehr als 30 einzelne Unternehmen im Jahr 1911.

Ein solches Vorgehen macht bei Facebook keinen Sinn. Nehmen wir mal einen Moment an, das Netzwerk würde wegen seiner Vormachtstellung von einem Tag auf den anderen in zwei gleich große Plattformen A und B aufgeteilt. Zuerst einmal stellt sich die Frage, wie die Nutzer verteilt würden. Nach Alphabet? Alter? Herkunft? Wohnort? Frau oder Mann? Single oder Paar? Klein oder groß? Eine Aufteilung, egal in welcher Form, kann bei einem sozialen Medium schon allein deswegen nicht funktionieren, weil sich die Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen weltweit vernetzen. Zwangsläufig würden sie versuchen, wieder zueinander zu finden. So wurde auch das einst in Deutschland erfolgreiche lokalisten.de von der Karte geputzt und 2016 abgeschaltet. Die Konsequenz: Über kurz oder lang käme es wieder zu einer Monopolstellung.

Facebook ist für viele Jugendliche schon wieder out

Es sei denn, der Zugang würde beschränkt. Zum Beispiel könnte die regulierende Behörde Nutzern der Plattform A verbieten, sich auf Plattform B anzumelden. Ein ziemlich hoher Preis, den man für eine Aufspaltung Facebooks zahlen müsste.

In der Konsequenz bedeutet das: In Zeiten der weltweiten Vernetzung, in der Menschen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt sich miteinander verbinden, muss dies zwangsweise auf derselben Plattform stattfinden.

Es sei denn, Facebook würde alt. Diskutiert man mit Schülerinnen und Schülern, welche Apps sie nutzen, nennt nur noch eine kleine Minderheit Zuckerbergs Unternehmen. Viel beliebter sind Snapchat und Instagram. Wobei letzteres ein schlechtes Beispiel ist, da Instagram zum Facebook-Konzern gehört. Kinder wollen nicht in den gleichen Netzwerken wie ihre Eltern und Großeltern unterwegs sein.

Europa macht es sich zu einfach, wenn es nur auf Zuckerberg schimpft

Viel wichtiger als eine unrealistische Zerschlagung sollte also die Frage sein, wie Facebook streng reguliert werden kann. Auch wenn der Konzern garantiert hat, sein Dienst würde immer kostenlos bleiben, wäre eine alternative Bezahlversion sinnvoll. Wenn Werbeinhalte dadurch verbannt würden.

Außerdem müssen deutsche und europäische Politiker neben dem Datenschutz klären, weshalb kein einziges Unternehmen auf unserem Kontinent dem großen Player aus den USA auch nur in Ansätzen Konkurrenz macht. Gerne sicherer und transparenter. Diese Form des Wettbewerbs wäre mutiger. Und erst dann würde Facebook die Interessen der Europäer ernst nehmen.

Von Jean-Marie Magro

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