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Politik Zwölfjähriger soll Anschlag auf Weihnachtsmarkt geplant haben
Nachrichten Politik Zwölfjähriger soll Anschlag auf Weihnachtsmarkt geplant haben
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23:52 16.12.2016
Ein Kameramann filmt den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen – in unmittelbarer Nähe hatte der Zwölfjährige den Sprengstoff platziert.  Quelle: dpa
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Ludwigshafen/Karlsruhe

 Ein zwölf Jahre alter Junge soll einen Bombenanschlag auf einem Weihnachtsmarkt in Rheinland-Pfalz versucht haben. Der Sprengsatz ging aber nicht hoch und wurde wenige Tage später in der Nähe das Rathauses der Stadt gefunden. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte am Freitag Ermittlungen wegen des Bombenfundes, machte aber keine näheren Angaben. Nach dem ersten Anlauf am 26. November auf dem Weihnachtsmarkt soll er laut „Focus“ am 5. Dezember die Tasche nahe dem Rathaus abgelegt haben.

„Islamischer Staat“ könnte verantwortlich sein

Das Magazin „Focus“ berichtete, nach Erkenntnissen der Ermittler sei der Junge stark religiös radikalisiert und könnte von einem unbekannten Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angestiftet oder angeleitet worden sein. Der Südwestrundfunk schrieb, der Junge sei über den Messengerdienst Telegram angeleitet worden, die Spur führe zur Terrormiliz „Islamischer Staat“. Der strafunmündige Zwölfjährige ist nach Angaben der Stadt Ludwigshafen inzwischen in einer geschützten Einrichtung.

Der Zwölfjährige wurde in Ludwigshafen geboren und wohnte dort auch während der Vorfälle, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Hubert Ströber, sagte. Wegen des Umfeldes des Kindes habe er die Bundesanwaltschaft informiert.

Streetworker: „Junge Leute sind Kanonenfutter“ für IS

Schon Zwölfjährige werden laut einem Experten gezielt von Extremisten angesprochen. „Wenn wir uns die Propaganda-Videos anschauen, merken wir, dass sie sehr jugendlich gestaltet sind, den Flair von Computerspielen ausstrahlen“, so Streetworker Mimoun Berrissoun. Er ist einer der Gründer der Hilfsinitiative 180-Grad-Wende. Sie arbeitet im Raum Köln-Bonn mit Jugendlichen, die sich radikalisiert haben oder extremistischen Ideologien folgen. „Die Radikalisierenden wissen, dass junge Leute leicht manipulierbar sind, dass sie nicht hinterfragen, dass sie Kanonenfutter sind.“

 Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, hält die Bezeichnung „Terrorist“ für den zwölfjährigen Verdächtigen für unangemessen. „Ich habe Schwierigkeiten damit, einen Zwölfjährigen als Terroristen anzusehen“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Samstag). „Das macht Sinn, wenn Leute anfangen, sich für Politik zu interessieren, mit 15 oder 16. Aber wie politisch kann jemand sein mit 12 Jahren? Da stellt sich eher die Frage: Was ist im Umfeld los? Denn das kann ja nicht seine Idee gewesen sein.“

Kind vermutlich im Netz radikalisiert

Nach Auffassung des Terrorismusexperten Peter Neumann vom King's College in London wurde der Zwölfjährige vermutlich im Internet radikalisiert. „Dort könnte der Junge mit einem Rekruteur in Syrien in Kontakt gekommen sein, der ihn gewissermaßen über Messengerdienste in Echtzeit ferngesteuert hat“, so Neumann.

Die Bundesregierung zeigte sich alarmiert. „Das ist natürlich eine Meldung, die jeden aufschrecken lässt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums sagte, nur weil jemand nicht strafmündig sei, bedeute dies noch lange nicht, „dass keine Strafbarkeit vorliegt“.

Die Polizei hatte über den Fund am 5. Dezember informiert und dabei auch mitgeteilt, dass ein Zwölfjähriger im Verdacht stehe, den Stoff in der Nähe des Rathaus-Centers abgelegt zu haben. Experten des Landeskriminalamtes fanden heraus, dass das Material, das sich in dem Glas befand, aus Feuerwerkskörpern und Wunderkerzen gewonnen wurde. Nach damaligen Polizeiangaben war es zwar brennbar, konnte aber nicht explodieren. Der „Focus“ schreibt nun von einem Rucksack mit einer selbst gebauten Zündvorrichtung.

Von RND/dpa

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