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Polizeiticker Weltweit 120 verletzte Polizisten und Demonstranten bei Krawallen in Kiew
Nachrichten Polizeiticker Weltweit 120 verletzte Polizisten und Demonstranten bei Krawallen in Kiew
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18:32 01.12.2013
Am Rande von Protesten gegen den ukrainischen Regirungschef Viktor Janukowirtsch kam es zu Ausschreittungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Quelle: dpa
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Kiew

„Gruppen von Provokateuren warfen Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit, Steine und Feuerwerkskörper“, teilte die ukrainische Polizei am Sonntag mit.

Ungeachtet eines gerichtlichen Verbots protestierte die Menge am Sonntag auch auf dem symbolisch bedeutenden Unabhängigkeitsplatz (Maidan) im Zentrum der Hauptstadt. Dort blieb es friedlich. Der regierungskritische Fernsehsender 5. Kanal sprach von rund 700 000 Demonstranten bei der größten Kundgebung in der Ukraine seit der prowestlichen Orangenen Revolution 2004 um die derzeit inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko.

„Unser Ziel heute ist der vollständige Regierungswechsel in der Ukraine“, rief Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko den Demonstranten zu. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden und wir werden bis zum Ende stehen“, sagte er.

Die Demonstranten riefen in Sprechchören immer wieder „Revolution“ und schwenkten EU-Fahnen als Forderung für einen Westkurs ihres Landes. Auch in anderen Städten des zweitgrößten Flächenstaats Europas gab es Proteste.

Allerdings kam es im nahen Regierungsviertel zu massiven Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und zumeist jungen Menschen. Dabei wurden nach offiziellen Angaben etwa 100 Polizisten verletzt. Auch mehrere Demonstranten mussten wegen Kopfwunden oder Beinverletzungen behandelt werden, nachdem die Sicherheitskräfte massiv Tränengas und Blendgranaten eingesetzt hatten. Dabei erlitten nach Berichten von Ärzten knapp zwei Dutzend Protestierer Knochenbrüche und Augenreizungen.

Die Opposition distanzierte sich von den Krawallen und gab Provokateuren die Schuld an der Eskalation. „Der Sturm des Präsidentensitzes ist eine Provokation der Regierung, um die friedliche Aktion auf dem Unabhängigkeitsplatz zu diskreditieren“, sagte Klitschko.

Kiew. Bei gewaltsamen Zusammenstößen nahe des Präsidentensitzes in Kiew sind nach offiziellen Angaben etwa 100 Polizisten sowie mindestens 22 Demonstranten verletzt worden. „Gruppen von Provokateuren warfen Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit, Steine und Feuerwerkskörper“, teilte die ukrainische Polizei am Sonntag mit.

Die Regierung arbeite wie geplant weiter, kündigte ein Sprecher des Ministerpräsidenten Nikolai Asarow an. Unbestätigten Berichten zufolge beriet Janukowitsch die Lage mit dem Sicherheitsrat. In einer Mitteilung versprach er, alles für eine schnelle Annäherung an die EU zu tun. Es gehe aber darum, wirtschaftliche Verluste zu vermeiden. Der Präsident hatte auf dem EU-Gipfel zur Östlichen Partnerschaft in Vilnius nach starkem Druck des Nachbarlands Russland die Unterschrift unter ein Abkommen über engere Zusammenarbeit und freien Handel mit der EU verweigert.

Die Opposition fordere auch den Rücktritt von Asarow, „der den europäischen Traum der Ukraine zerstört hat“, sagte Arseni Jazenjuk von Timoschenkos Vaterlandspartei. Er verlangte vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen. Mitglieder der ultranationalistischen Partei Swoboda (Freiheit) besetzten das Kiewer Stadtparlament und richteten dort ein Hauptquartier ein. Die Polizei verhandelte mit den Aktivisten über einen Rückzug.

Der amtierende Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte die Ukraine mit Nachdruck auf, „die Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und die friedlich Demonstrierenden vor jeder Art von Einschüchterung und Gewalt zu schützen“.

Nach einer Gerichtsentscheidung vom Morgen waren Proteste auf dem Maidan genannten Unabhängigkeitsplatz eigentlich verboten. Allerdings räumten Demonstranten die aufgestellten Metallgitter weg, die Sicherheitskräfte zogen sich zurück. Der Maidan ist seit der Orangenen Revolution der bedeutendste Platz des Landes.

Auf Plakaten gaben die Demonstranten der Regierung die Schuld an einem brutalen Polizeieinsatz gegen EU-Anhänger am Vortag. Dabei waren Dutzende Menschen verletzt worden. Innenminister Witali Sachartschenko entschuldigte sich für das Vorgehen der Sondereinheit „Berkut“ (Steinadler). Der Kiewer Polizeichef Waleri Korjak bot seinen Rücktritt an. Vor dem berühmten Höhlenkloster protestierte eine Femen-Aktivistin barbusig gegen Janukowitsch. „Tod der Diktatur“ stand auf ihrem Oberkörper.

Asarow kündigte eine baldige Reise Janukowitschs nach Russland an. Dort wolle der Staatschef eine engere Zusammenarbeit des finanziell stark angeschlagenen Landes mit Moskau vereinbaren. Der Chef der russischen Außenhandelsbank, Wladimir Dmitrijew, sagte dem Moskauer TV-Sender Rossija-24, es gehe unter andere um den Einstieg russischen Kapitals in finanzschwache ukrainische Geldhäuser.

dpa

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