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15 Verletzte bei Bombenexplosion in Ansbach

Selbstmordattentat 15 Verletzte bei Bombenexplosion in Ansbach

Der syrische Flüchtling, der für die Bombenexplosion in Ansbach verantwortlich sein soll, sollte laut Bundesinnenministerium nach Bulgarien abgeschoben werden. Nach neuen Angaben der Polizei wurden bei dem Anschlag 15 Menschen verletzt, vier davon schwer.

Bei dem Anschlag wurden 15 Menschen verletzt.

Quelle: dpa

Ansbach. Bei der Bombenexplosion im fränkischen Ansbach sind nach neuen Angaben der Polizei 15 Menschen verletzt worden, vier von ihnen schwer. Das sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Demnach schwebt aber keiner der Verletzten in Lebensgefahr. Ein 27-jähriger Flüchtling aus Syrien soll am Sonntagabend nahe einem Open-Air-Konzert die Bombe gezündet haben. Der mutmaßliche Täter kam dabei ums Leben.

Das Bundesinnenministerium hat noch keine konkreten Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund des Täters. „Bisher ist es einfach so, dass wir dafür keinen belastbaren Hinweis haben“, sagte Innenministeriumssprecher Tobias Plate am Montag in Berlin.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte hingegen gesagt, er persönlich halte es für sehr naheliegend, dass es sich bei dem Flüchtling um einen islamistischen Selbstmordattentäter handele. Auch Justizminister Winfried Bausback schrieb auf seiner Facebook-Seite, er teile Herrmanns Einschätzung, „dass der islamistische Terror Deutschland erreicht hat“.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte eine rasche und lückenlose Aufklärung der Tat. „Nur so können wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen“, sagte der CSU-Chef nach Angaben eines Sprechers. Trotz dieser „Tage des Schreckens“ werde der Rechtsstaat nicht weichen. Von Dienstag an will die Staatsregierung bei einer Kabinettsklausur am Tegernsee über das Thema Sicherheit beraten.

Bisher keine konkreten Hinweise auf IS

Laut Herrmann wollte der 27-Jährige die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack bei einem Musikfestival mit etwa 2500 Besuchern zünden. Ihm wurde aber der Einlass verwehrt, weil er keine Karte hatte. Auf die Frage, ob der Täter im Zusammenhang mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stehe, sagte der Minister: „Es ist dies auf jeden Fall nicht auszuschließen.“ Konkrete Hinweise auf den IS gibt es bisher allerdings nicht.

Der 27-Jährige sei vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und habe einen Asylantrag gestellt, sagte Herrmann. Der Antrag wurde vor einem Jahr abgelehnt, der Flüchtling sei seitdem geduldet gewesen. Hintergrund sei, dass Deutschland im Moment niemanden nach Syrien in den Bürgerkrieg abschiebe.

Bei dem Bombenanschlag im fränkischen Ansbach gab es zwölf Verletzte, der mutmaßliche Attentäter starb. Fotos: dpa

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Der Grund für die Ablehnung des Asylantrags sollte im Laufe des Montags mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geklärt werden. Laut Bundesinnenministerium sollte der 27-Jährige nach Bulgarien abgeschoben werden. Dem Sozialamt der Stadt Ansbach war der mutmaßliche Täter als „freundlich, unauffällig und nett“ bekannt.

Der Mann wohnte in einer Unterkunft in Ansbach und war wiederholt strafrechtlich aufgefallen. Unter anderem hatte die Polizei wegen eines Drogendelikts mit ihm zu tun. Der Syrer habe sich auch schon zweimal das Leben nehmen wollen. Er sei deshalb in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Die Polizei stellte am Vormittag in einer Flüchtlingsunterkunft mehrere Gegenstände sicher. Ob es sich bei dem ehemaligen Hotel in Ansbach um die Unterkunft des mutmaßlichen Täters handelte, wollten die Ermittler zunächst nicht bestätigen. Mitarbeiter der Spurensicherung trugen Kisten, Säcke und Tüten aus dem Gebäude. „Im Umfeld des Verstorbenen sind Ermittlungen zugange, die wir aber derzeit noch nicht näher konkretisieren können“, sagte ein Polizeisprecher.

Unklar war auch, in welchem Umfeld sich der 27-Jährige bewegte und woher er den Sprengstoff hatte. Man müsse auch klären, woher genau die Metallteile stammten, sagte Polizeivizepräsident Roman Fertinger.

In Ansbach sorgte die Explosion für einen Großeinsatz der Polizei, die mit 200 Kräften anrückte. Feuerwehr und Rettungsdienste waren mit 350 Kräften im Einsatz. Die Polizei gründete eine Sonderkommission mit mehr als 30 Mitgliedern. Die Tatortarbeit begann noch in der Nacht.

De Maizière warnt vor generellem Verdacht

Es ist die dritte Bluttat in Bayern innerhalb einer Woche. Am Montag vergangener Woche hatte ein afghanischer Flüchtling in einer Regionalbahn in Würzburg Menschen mit einer Axt angegriffen. Am Freitag war ein junger Mann in München Amok gelaufen. Mehrere Menschen starben, viele wurden verletzt.

Herrmann sagte, es sei leider ein weiterer schlimmer Anschlag, der gerade die Besorgnis der Menschen weiter verstärken dürfte. Eine restlose Aufklärung der Tat sei wichtig, um das Vertrauen in den Rechtsstaat wieder herstellen zu können. „Wir müssen sehen, dass neben vielen Flüchtlingen mit schlimmen Schicksalen auch Leute in unser Land kommen oder gekommen sind, die eine echte Gefahr für die Sicherheit der Menschen in unserem Land darstellen“, sagte er. „Das können wir nicht hinnehmen.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnte dennoch davor, Asylbewerber generell unter Terrorverdacht zu stellen. „Wir sprechen aktuell von 59 Ermittlungsverfahren wegen eines Verdachts der Verwicklung in terroristische Strukturen, und das bei vielen Hunderttausend neu angekommenen Menschen“, sagte er den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. Die meisten Hinweise in diese Richtung hätten sich bisher als unwahr herausgestellt.

Die Ansbacher Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos) sah trotz des Anschlags kein Versagen der Stadt in der Flüchtlingsbetreuung. Der mutmaßliche Täter war längere Zeit von der Stadt betreut worden. Aus ihrer Sicht unternehme die Stadt alles, um „möglichst nah an den Menschen zu kommen“, sagte Seidel. In Ansbach leben nach ihren Angaben etwa 600 Asylbewerber.

LVZ

Ansbach 49.300425 10.571936
Ansbach
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