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41-Jähriger erschießt laute Nachbarn - lebenslange Haft für Doppelmörder

41-Jähriger erschießt laute Nachbarn - lebenslange Haft für Doppelmörder

Tödliches Ende eines Streits Haus an Haus im südhessischen Babenhausen: Für einen Doppelmord an seinen Nachbarn, die auch nachts herumschrien, hat das Landgericht Darmstadt am Dienstag einen 41-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Quelle: dpa

Darmstadt. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen über den Lärm habe Andreas D. dem 62 Jahre alten Nachbarn am 17. April 2009 frühmorgens vor dem Reihenhaus aufgelauert und ihn erschossen. Dann jagte er nach Ansicht des Vorsitzenden Richters Volker Wagner dessen 58 Jahre alter Ehefrau, die im Haus schlief, zwei Kugeln in den Kopf.

Anschließend richtete er die Waffe auf die damals 37 Jahre alte behinderte Tochter, die knapp überlebte. In diesem Fall wurde Andreas D. wegen Mordversuchs verurteilt. Das Gericht stellte eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist keine vorzeitige Haftentlassung möglich.

„Die Tat wurde mit einem absoluten Vernichtungswillen begangen“, sagte Wagner am Ende des fünfmonatigen Indizienprozesses. „Ein unfassbares Geschehen.“ Der Angeklagte habe vor allem den Lärm der behinderten Tochter und die als markerschütternd beschriebenen Schreie der „psychisch auffälligen Mutter“ als unerträglich empfunden. „Die Nachbarsfamilie war nachtaktiv“, beschrieb der Richter die Situation. „Da kann man sich vorstellen, was da los war.“ Der Angeklagte habe in seiner Wut eine ganze Familie auslöschen wollen. Andreas D. habe seinen Lebensinhalt - ein harmonisches Familienleben - zerstört gesehen. „Er konnte in seinen eigenen vier Wänden nicht so leben, wie er wollte.“

Der Angeklagte hatte die Tat bestritten. Er nahm das Urteil äußerlich gefasst auf. Seiner Ehefrau im Zuschauerraum kamen die Tränen. Sie schüttelte während der eineinhalbstündigen Urteilsbegründung immer wieder den Kopf. Auch die Mutter des Angeklagten zeigte sich fassungslos: „Mein Sohn ist unschuldig.“

Die Indizien sprächen eindeutig gegen den Angeklagten, erläuterte Richter Wagner das Urteil. Andreas D. habe sich auf seinem Firmencomputer eine Anleitung zum Bau eines einfachen Schalldämpfers ausgedruckt und den PC später kaputtgemacht, um Spuren zu beseitigen. Der Vorgang sei aber trotzdem entdeckt worden. „Es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass Sie auf dieser Internetseite gewesen sind“, sagte Wagner zum Angeklagten. „Sie haben aber alle möglichen Anstrengungen unternommen, Spuren zu beseitigen.“ Ein wichtiger Bestandteil dieses Schalldämpfers, Bauschaum, sei auch am Tatort sichergestellt worden. Außerdem habe der 41-Jährige sich darüber informiert, wie Ermittler DNA-Beweise sichern und Spürhunde einsetzen.

An der Kleidung des Mannes seien Schmauchspuren gefunden worden, die zweifelsfrei zur Tat passten. Die Kleidung habe der Mann bei Schießübungen vor dem Verbrechen getragen - und vergessen, diese wegzuwerfen. Vor der Bluttat habe Andreas D. noch die Bewegungsmelder abgeklebt, um nicht auf sich aufmerksam zu machen. Der Angeklagte habe die Lebensgewohnheiten seiner Nachbarn genau gekannt: zum Beispiel, dass der 62-Jährige in aller Frühe den Müll rausbrachte.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte einen Freispruch verlangt, die Indizienkette sei lückenhaft. Sie will Revision einlegen.

Joachim Baier, dpa

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