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Polizeiticker Weltweit Alptraum in der Adria - Hunderte sitzen auf brennender Fähre fest
Nachrichten Polizeiticker Weltweit Alptraum in der Adria - Hunderte sitzen auf brennender Fähre fest
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21:14 28.12.2014
Das brennende Schiff "Norman Atlantic" in der Adria von Bord eines italienischen Militärhubschraubers. Quelle: dpa
Athen/Rom

Ein Mann aus Griechenland starb beim Sprung über Bord, mehrere Menschen wurden verletzt. Bis zum Abend konnten rund 165 Menschen gerettet werden, darunter eine Schwangere und Kinder. Stürmischer Wind, Wellen und Qualm erschwerten die Rettung. An Bord sollen 18 Deutsche gewesen sein. Die griechische Regierung teilte am Abend mit, es gebe keine Vermissten.

Zwei gerettete Frauen, eine davon schwanger, und drei Kinder kamen in ein Krankenhaus in der süditalienischen Region Apulien. Die Kinder seien halbnackt im Wasser gewesen und litten an Unterkühlung, es gehe ihnen allen aber den Umständen entsprechend gut, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Eltern von zwei anderen geretteten Kindern seien noch auf der „Norman Atlantic“.  

Athen/Rom. Mehr als 300 Menschen haben auf einer brennenden Fähre in der Adria stundenlang verzweifelt auf Hilfe gewartet. Das Schiff „Norman Atlantic“ mit 478 Menschen an Bord hatte am Sonntagmorgen vor der griechischen Insel Korfu Feuer gefangen. Ein Mann aus Griechenland starb beim Sprung über Bord, mehrere Menschen wurden verletzt. Bis zum Abend konnten rund 165 Menschen gerettet werden.

Auf dem Schiff der griechischen Anek Lines waren nach Medieninformationen wenige Tage zuvor Mängel festgestellt worden. Das Schiff war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien. Zuletzt trieb es vor der albanischen Küste. Vermutlich entzündete sich das Feuer am Sonntag im Morgengrauen im Autodeck. 

Das Feuer breitete sich schnell über das Schiff aus, Passagiere schilderten im griechischen Rundfunk die Hitze und die Verzweiflung an Bord. „Der Boden brannte, als wir zum Rettungsboot gingen“, sagte Athina, die gerettet wurde, im Sender Skai. „Wir stehen draußen an Deck, sind durchfroren und ersticken im Qualm“, sagte Giorgos Styliaras dem Sender Mega Channel. „Das Schiff brennt, die Decks glühen, einige zittern vor Kälte, andere husten vom Rauch“, fügte er hinzu. „Die Frage ist, ob wir es durchhalten.“ Der griechische Verteidigungsminister, Nikos Dendias, sagte, das Schiff habe wegen des Löschwassers sieben Grad Schlagseite. 

Das Schiff - gechartert von einer italienischen Reederei - befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 44 Seemeilen nordwestlich von Korfu. Eine andere Adria-Fähre und mehrere Frachter, die in der Nähe waren, eilten zur Hilfe. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie Menschen mit Hubschraubern gerettet wurden. Auch Schiffe der Marine sollten helfen. Am Abend konnte ein Schlepper an Bord des immer noch qualmenden Schiffs festmachen. Das Schiff sollte später nach Brindisi in Süditalien geschleppt werden.

Das griechische Ministerium für Handelsschifffahrt teilte mit, die Menschen würden mit Hubschraubern ausgeflogen. Die meisten Passagiere stammten aus Griechenland, aber auch Italiener, Schweizer, und Österreicher seien dabei. Das Auswärtige Amt in Berlin war wegen deutscher Passagiere im Kontakt mit den Botschaften in Rom und Athen.

Ansa berichtete unter Berufung auf den italienischen Kapitän, die brennende Fähre treibe in Richtung Albanien. Das Schiff sei manövrierunfähig.  „Niemand kann etwas machen“, sagte ein Mann dem griechischen Radiosender Skai. Weitere griechische Medien berichteten, Rettungsboote seien abgetrieben worden, bevor Menschen hätten einsteigen können. „Die Leute sind verzweifelt und schreien“, sagte ein weiterer Zeuge im Fernsehen. Auf dem Schiff sollen kurz vor dem Unglück Mängel festgestellt worden sein.

Bei einer Inspektion am 19. Dezember seien unter anderem unzureichende Rettungsmittel, undichte Sicherheitstüren und der Zustand der Notbeleuchtung moniert worden, gehe aus einem Bericht der Hafen-Kontrollorganisation Paris Mou hervor. Der Reederei wurde laut griechischen Medien eine Frist eingeräumt, die Mängel zu beheben. Diese Frist war noch nicht verstrichen. Der Reeder Carlo Visentini sagte, das Schiff sei fahrtüchtig gewesen, es habe sich nur um geringere Mängel gehandelt.

lvz

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