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Auch Christian Klar schweigt zum Mord an Buback

Auch Christian Klar schweigt zum Mord an Buback

„Wir hätten es uns auch leichter machen können“, sagt der Vorsitzende Richter gleich zu Beginn der Vernehmung. Doch Hermann Wieland scheint entschlossen, es weder sich noch dem Zeugen Christian Klar allzu einfach zu machen.

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Der damalige Generalbundesanwalt Siegfried Buback, aufgenommen im September 1976 in Bonn.

Quelle: dpa

Stuttgart. Der ehemalige RAF-Terrorist ist vielleicht so etwas wie die letzte Hoffnung im Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback: Er wurde als Mittäter des Attentats verurteilt, er könnte wohl das Rätsel lösen, wer am 7. April 1977 die tödlichen Schüsse abfeuerte.

20 Minuten lang redet Wieland dem Zeugen an diesem Donnerstag ins Gewissen, bevor er auch nur die erste Frage stellt. Er erinnert an ein Fernsehinterview, in dem Klar von seinen Eltern gesprochen hatte: „Wenn heute Ihre Eltern hier ständen, so wie Sie sie geschildert hatten, dann würden sie sagen: Christian Klar, sprich!“

Doch Christian Klar schweigt - wie vor ihm schon die anderen früheren RAF-Mitglieder, die die Wahrheit über den Buback-Mord kennen müssten: wie Brigitte Mohnhaupt, Günter Sonnenberg und Stefan Wisniewksi. Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass die Ex-Terroristen ein umfassendes Recht zur Aussageverweigerung über die Taten der RAF haben, weil sie ansonsten Gefahr liefen, sich selbst zu belasten.

Der Vorsitzende Richter betet trotzdem die Fragen aus seinem Katalog herunter - und immer wieder sagt Klar, völlig ungerührt, aber mit weichem südbadischem Akzent: „Ich mach’ keine Angaben.“ Lediglich zu seinen persönlichen Verhältnissen muss er sich äußern. „Ich hab’ Arbeit als Kraftfahrer“, sagt er. Ob er damit seinen Lebensunterhalt verdiene, fragt Wieland. „Ja, es muss reichen.“

26 Jahre lang saß Klar im Gefängnis, fast die Hälfte seines Lebens. Im Vergleich zu anderen Ex-Terroristen scheint er die Haft zumindest körperlich ganz gut überstanden zu haben: Breitbeinig sitzt der 59-Jährige auf seinem Zeugenstuhl, fast sprungbereit, vor sich die grüne Schiebermütze und die Pilotenbrille, die er außerhalb des Gerichtssaals aufsetzt. Das grau melierte Haar trägt er kurz geschnitten, die Jeans sitzt, das Jackett auch, das Gesicht ist gut gebräunt - nur der Blick ist noch immer so stechend wie auf den Fahndungsplakaten.

Keine drei Meter entfernt sitzt der Sohn des Ermordeten, der Nebenkläger Michael Buback, dessen Hoffnung, in diesem Prozess die Wahrheit über den Tod seines Vaters zu erfahren, mit jedem Verhandlungstag geringer werden dürfte. Zwischendurch seufzt er hörbar auf, als Klar wieder eine Frage unbeantwortet lässt; einmal unterbricht er sogar den Richter: Ob er seine Fragen nicht langsamer vorlesen könnte, um Klar eine Chance zur Antwort zu geben - als hätte dieser nicht deutlich gesagt, nichts sagen zu wollen.

Er habe kein Verständnis dafür, dass der frühere Terrorist die Aussage verweigern dürfe, sagt Buback. Schließlich sei er wegen des Attentats schon verurteilt, ihm drohe also keine neue Strafe. „Das deckt sich nicht mit meinem Rechtsempfinden.“ Buback glaubt nach wie vor, dass die angeklagte Verena Becker seinen Vater erschoss - während die Bundesanwaltschaft sie für eine Mittäterin hält, wegen ihrer Rolle bei der Organisation des Verbrechens. Für beide Thesen hat der seit fast einem Jahr dauernde Prozess bislang kaum brauchbare Anhaltspunkte ergeben.

Buback - der einen großen Teil seiner Zeit in das Verfahren investiert und meist besser vorbereitet wirkt als sein Anwalt, der seit Jahren fast unermüdlich um die Aufklärung des Mordes an seinem Vater kämpft - er wirkt nach der Vernehmung Klars ziemlich erschöpft: „Wie lange wir das noch mitmachen werden, weiß ich auch nicht.“

Jochen Neumeyer, dpa

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