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Castor-Transport länger unterwegs als je zuvor - Atom-Gegner blockieren Strecke nach Gorleben

Castor-Transport länger unterwegs als je zuvor - Atom-Gegner blockieren Strecke nach Gorleben

Gorleben. Der Castor-Transport hat seine Fahrt nach einem 18-stündigen Halt in Maschen bei Hamburg Richtung Gorleben fortgesetzt.

Die Polizei teilte am Sonntag in Lüneburg mit, dass der Zug wieder rolle. Atomkraftgegner versuchen im niedersächsischen Wendland aber nach wie vor, mit Gleisblockaden die Schienenstrecke zu blockieren und den Zug so lange wie möglich aufzuhalten. Die Polizei ist im Dauereinsatz.

Der Atommüll-Zug wird länger unterwegs sein als je zuvor. Nach dem Start am Mittwochnachmittag in Frankreich hat der 13. Castor-Transport bis zum Sonntagmittag bereits fast 93 Stunden gedauert. Im vergangenen Jahr war er nach rund 92 Stunden Fahrt im Zwischenlager Gorleben angekommen. Die elf Atommüll-Behälter müssen noch rund 100 Kilometer bis ins Zwischenlager Gorleben zurücklegen.

Mehrere tausend Polizisten sind pausenlos im Einsatz, um tausende Demonstranten von den Schienen abzudrängen. Dennoch ketteten sich mehrere Atomkraftgegner am Sonntagmorgen an zwei verschiedenen Orten an den Gleisen fest, teils steckten sie in einer Betonpyramide fest. Die Polizei hat große Mühe, die Castor-Gegner von den Schienen zu entfernen.

Der Atommüll-Zug, der am Mittwoch in Frankreich gestartet war, stand seit Samstagabend in Maschen bei Hamburg. Die rund 90 Kilometer lange Etappe bis zum Verladebahnhof in Dannenberg sollte er erst antreten, wenn die Route wieder frei ist. In Dannenberg werden die elf Castoren auf Speziallastwagen umgeladen, um die letzte Etappe ins Zwischenlager Gorleben auf der Straße zurückzulegen.

Aus Protest gegen den Castor-Transport hatten sich am Sonntagmorgen vier Atomkraftgegner in Hitzacker an einer Betonpyramide auf der Bahnstrecke angekettet. Spezialisten der Polizei rückten an, um sie mit schwerem Gerät von den Schienen zu lösen. Die Atomkraftgegner versuchten aber immer wieder, die Beamten mit komplizierten Konstruktionen auszutricksen.

Erstmals in der Geschichte könnte auch starker Wind das Umladen der Castor-Behälter von der Schiene auf Lastwagen in Dannenberg verzögern. Meteorologen sagten heftige Windböen voraus. Der Kran, mit dem die Castorbehälter auf Lastwagen umgeladen werden, wird nur bis Windstärke 6 eingesetzt. Sollte diese Stärke überschritten werden, werde das Verladen der rund sechs Meter langen und rund 120 Tonnen schweren Behälter eingestellt, teilte der Zwischenlagerbetreiber, die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), mit.

Auch zwischen Lüneburg und Dannenberg machten sich am frühen Sonntagmorgen vier Atomkraftgegner mit einer Rohrvorrichtung an den Gleisen fest. Je ein Arm stecke in einem Betonblock, der unter den Gleisen verankert ist, hieß es von den Castor-Gegnern. Mit einem Presslufthammer versuche die Polizei, sie zu loszubekommen. „Das wird uns noch länger beschäftigen“, sagte ein Polizeisprecher.

In den vergangenen Jahren hatte die Polizei viele Stunden gebraucht, um die Demonstranten aus ihren Verankerungen zu lösen. Wann der Castor das Zwischenlager erreichen wird, war unklar. Im vergangenen Jahr hatte die Fahrt rund 92 Stunden gedauert. Es war der bislang längste und teuerste Atommülltransport nach Gorleben.

In einem unübersichtlichen Waldstück nahe Harlingen mussten nach einer rund 15-stündigen Sitzblockade von rund 3000 Atomgegnern rund 1300 Personen von der Polizei vom Gleis getragen werden. Sie befinden sich seither in einer Sammelstelle unter freiem Himmel. Die Demonstranten kündigten wie im Vorjahr Klagen gegen den Einsatz an.

Auch abseits der Bahngleise rund um das von Polizeihundertschaften weitgehend von der Außenwelt abgeschnittene Gorleben müssen die Beamten seit Samstagabend pausenlos ausrücken. Immer wieder gelingt es den Atomgegnern, Straßen mit Bäumen, Reifen, Sand, Strohballen und Kartoffelkisten zu verbarrikadieren oder mit Landmaschinen zu sperren.

dpa

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