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Düsseldorfer Amok-Schütze muss in Psychiatrie

Düsseldorfer Amok-Schütze muss in Psychiatrie

Der Geiselnehmer vom Düsseldorfer Hauptbahnhof muss für unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychiatrie. Er sei wegen einer schweren psychischen Störung schuldunfähig und deswegen freizusprechen, befand am Mittwoch das Düsseldorfer Landgericht.

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Als ihn Polizisten ansprachen, drehte er inmitten hunderter Menschen durch und feuerte. Dann nahm der geistesgestörte Mann eine Studentin als Geisel und schoss ihr in den Hinterkopf. Nun (4.1.12) wurde er zwar freigesprochen, kommt aber nicht frei.

Quelle: dpa

Düsseldorf. Zugleich ordneten die Richter aber die Unterbringung des 48-Jährigen in einer Anstalt an.

Eine Gutachterin hatte zuvor ausgeführt, dass der Mann seit Jahrzehnten an paranoider Schizophrenie leide, unheilbar und gefährlich sei. Schon ein alltäglicher Zwischenfall wie die Polizeikontrolle könne den an Verfolgungswahn leidenden Mann zu einem unkontrollierbaren Risiko werden lassen. Der Bochumer war unter anderem wegen versuchten Mordes und Geiselnahme angeklagt. Er sei von Stalkern verfolgt und belästigt worden, hatte der Mann beim Prozessbeginn erklärt.

Er war am 31. Mai 2011 im Hauptbahnhof wegen seines wirren Auftretens von Polizisten angesprochen worden und hatte inmitten hunderter Menschen sofort das Feuer eröffnet. Als er einen Jungen auf dem Vorplatz greifen wollte, konnte eine mutige Passantin das Kind wegziehen. Doch dann nahm der schwer geistesgestörte Mann eine Studentin als Geisel, die mit einem Kopfhörer Musik gehört und von der ausbrechenden Panik um sie herum nichts mitbekommen hatte.

Sieben Polizisten hatten den Mann umzingelt, als der zum Entsetzen der zahlreichen Zeugen abdrückte und der 22-Jährigen in den Hinterkopf schoss. Die Frau überlebte mit viel Glück, weil die Kugel seiner altertümlichen Waffe ihren Schädel nicht durchschlug und in der Kopfhaut steckenblieb. Er habe nur einen Warnschuss durch ihre Haare abgeben wollen, behauptete der 48-Jährige vor Gericht.

Vor Gericht war die junge Frau bei ihrer Zeugenaussage von Weinkrämpfen geschüttelt. Psychisch leide sie sehr unter der Tat und habe ihr Studium bislang nicht fortsetzen können.

Der 48-Jährige trat uneinsichtig auf, sparte nicht mit Kritik am Gericht und seinem Anwalt. Der Einziehung des Waffenlagers, das er in seiner Wohnung hortete, stimmte er nicht zu und kündigte an, gegen das Urteil in Revision zu ziehen. Die Hauptschuld an dem dramatischen Geschehen trügen die Polizisten. Hätten die Beamten ihn nicht völlig grundlos angesprochen, wäre alles nicht passiert.

In seinem völlig verwahrlosten Appartement hatte Frank M. eine Vorrichtung gebaut, mit der er die Klinke und die Klingel seiner Wohnungstür unter Strom setzen konnte. Dort lagerten weitere Waffen. In Düsseldorf hatte er sechs Pistolen bei sich.

Möglicherweise hatte sich der Bochumer dafür rächen wollen, dass sein Hartz-4-Geld nicht rechtzeitig auf seinem Konto war. Er habe in Düsseldorf eine Behörde aufsuchen wollen, es sei um Sozialleistungen gegangen, hatte er im Polizeiverhör gesagt. Vor Gericht habe er behauptet, er habe in Düsseldorf nur einige defekte Waffen zu einem Büchsenmacher bringen wollen.

Der Mann hatte schon in den 90er Jahren als „Claudia-Sprayer“ Bekanntheit erlangt, als er Dortmund mit Dutzenden Liebesbezeugungen an eine Claudia besprühte. Es war die Sprechstundenhilfe seines Psychiaters. Später war er eingewiesen worden, weil er an Autos Reifen aufgestochen hatte.

Frank Christiansen, dpa

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