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Polizeiticker Weltweit Dutzende Tote bei Flugzeugabsturz auf Wohngebiet in Indonesien
Nachrichten Polizeiticker Weltweit Dutzende Tote bei Flugzeugabsturz auf Wohngebiet in Indonesien
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19:16 30.06.2015
In Indonesien ist am Dienstag ein Militärflugzeug abgestürzt. Quelle: dpa
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Jakarta

Beim Absturz eines alten Militärflugzeuges auf ein Wohngebiet in der indonesischen Millionenstadt Medan sind mindestens 72 Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte befürchteten am Dienstag jedoch weitaus mehr Todesopfer. An Bord der Maschine könnten mehr als 100 Menschen gewesen sein. Außerdem ist das Wohngebiet dicht bebaut.

Wie viele Menschen sich dort aufhielten, war zunächst unklar. Rettungskräfte konnten nicht ausschließen, dass noch Verletzte in eingestürzten Wohnhäusern eingeklemmt waren. Die Luftwaffe war auch Stunden nach dem Unglück außerstande zu sagen, wie viele Menschen in der Maschine saßen. Es habe keine Überlebenden gegeben, sagte Luftwaffe-Chef Agus Supriatna. „Der Pilot muss Probleme gehabt haben, er versuchte umzukehren“, sagte Agus. Anwohner der Siedlung berichteten im Fernsehen, was in der Mittagszeit passierte: „Es gab eine laute Explosion“, sagte Zani Nasution. Dann sei die Absturzstelle in Flammen aufgegangen.

Die Maschine war gerade erst gestartet und hatte volle Benzintanks. Fernsehsender zeigten rauchende Gebäudetrümmer und brennende Autowracks. Die Maschine riss Häuserwände ein. Wrackteile der Maschine ragten aus dem Trümmerfeld. Die Feuerwehr war mit zahlreichen Löschzügen im Einsatz. Das Transportflugzeug des Typs Hercules C-130 war am Morgen mit 113 Menschen an Bord gestartet. Darunter waren Soldaten und Angehörige. Es landete auf dem Weg nach Medan zweimal zwischen. Unklar blieb, ob Menschen ausgestiegen waren. Der Polizeichef von Nordsumatra berichtete von etwa 60 Insassen.

„Ich habe fünf Familienmitglieder an Bord“, berichtete ein Mann weinend dem Sender Metro TV. „Ich appelliere an die Behörden: Haltet uns über das Schicksal unserer Angehörigen auf dem Laufenden!“ Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich bestürzt über das Flugzeugunglück. In einem Kondolenzschreiben an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo betonte Gauck nach Angaben des Präsidialamts: „Ich möchte Ihnen und dem indonesischen Volk, auch im Namen meiner Landsleute, meine tief empfundene Anteilnahme aussprechen. Bitte übermitteln Sie unser Beileid den Angehörigen der Opfer, denen in diesen Tagen unser Mitgefühl gilt.“

Der Polonia-Flughafen liegt mitten in der Stadt. Er war bis 2013 der viertgrößter Flughafen des Landes. Mit Eröffnung eines neuen Flughafens außerhalb wurde der Flughafen der Luftwaffe übergeben und in Stützpunkt Soewondo umbenannt. In der Nähe war im September 2005 schon einmal eine Boeing der Mandala Airlines nach dem Start abgestürzt. 100 Menschen an Bord und 49 Anwohner kamen ums Leben. Die Lockheed C-130 ist ein propellergetriebenes Transportflugzeug, das seit Jahrzehnten auch bei Katastrophenhilfen eingesetzt wird. Direkt nach dem Absturz forderten Politiker neues Fluggerät für die Luftwaffe. Das Flugzeug war Baujahr 1964.

„Die Flotte besteht fast nur aus alten, qualitätsschwachen Maschinen“, sagte der Parlamentsabgeordnete Pramono Anung nach Angaben der „Jakarta Post“. „Es ist eine Schande, dass unsere Soldaten damit fliegen müssen.“ Die Luftwaffe betreibt 28 C-130. Indonesien ist ein riesiger Inselstaat und erstreckt sich am Äquator in Südostasien über mehr als 5000 Kilometer in Ost-West-Richtung. Die Luftfahrtindustrie hat einen schlechten Ruf. Seit 2000 gab es nach Angaben des Portals Aviation-safety.net 17 Flugunfälle mit jeweils mehr als zehn Toten, davon fünf Unfälle von Militärmaschinen.

2009 stürzte eine C-130-Militärmaschine in Ostjava ab. 98 Menschen kamen um. Zuletzt verunglückte Ende Dezember ein Zivilflugzeug: Das AirAsia-Flugzeug stürzte auf dem Weg nach Singapur in der Javasee ab. 162 Menschen kamen ums Leben. Nach ersten Untersuchungen könnte ein Pilotenfehler Auslöser gewesen sein.

(lvz)

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