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Entführer-Wohnung von Barmbek: „Ein dubioser Fall“

Entführer-Wohnung von Barmbek: „Ein dubioser Fall“

Es hätte eine Folterstätte von kaum vorstellbarem Ausmaß werden können: Eine schalldichte Telefonzelle im Zimmer, Handschellen, Granaten mit selbstgemischtem Sprengstoff und geladene Pistolen.

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Eine Telefonzelle wird am Dienstag (23.08.2011) im Hamburger Stadtteil Barmbek von Polizeibeamten aus der Wohnung eines Entführers abtransportiert.

Quelle: dpa

Hamburg. Dies alles fanden die Ermittler in einer Hamburger Wohnung mitten in einem großen Mehrfamilienhaus. Dort hatte ein 30-Jähriger am vergangenen Freitag eine junge Frau zwei Stunden lang gefangen gehalten. Dann gelang der 26-Jährigen die Flucht durch einen Sprung aus dem Fenster. Die Polizei konnte den Entführer kurz darauf fassen. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft und schweigt beharrlich. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Es sei ein „dubioser Fall“, sagt Mirko Streiber von der Hamburger Polizei. Am Dienstag hatten die Beamten seine Wohnung in Hamburg-Barmbek gründlich durchkämmt. In einem Zimmer entdeckten die Ermittler die schallisolierte gelbe Telefonzelle. Ein anderer Raum war vollgestopft mit Lebensmitteln, außerdem befanden sich darin rund 30 große Holzbalken. Im Keller fanden die Ermittler 113 Feuerlöscher.

Was der 30-Jährige mit all diesen Gegenständen vorhatte, ist auch Tage nach seiner Festnahme unklar. Auch, wie er die sperrigen Gegenstände in seine Wohnung schaffen konnte, ohne dass die Nachbarn Verdacht schöpften. Keiner weiß es. „Die Balken hat er sicherlich nicht alleine da rein gebracht“, sagte Streiber. „Es gibt aber keinerlei Hinweise darauf, dass jemand wusste, was er vorhat.“

Opfer und Täter hatten sich laut Polizei im Mai über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt, seitdem hatten sie unregelmäßig Kontakt. Am vergangenen Freitag schließlich zwang er die 26-jährige Israelin mit einer Pistole in seine Wohnung im Hochparterre eines Mehrfamilienhauses. Doch sie hatte Glück: In einem unbeachteten Moment konnte sie sich durch den Stacheldrahtvorhang vor dem Fenster zwängen und kam mit ein paar Schürfwunden davon. Nachbarn, die die Flucht beobachtet hatten, alarmierten die Polizei. Wenige Zeit später nahmen die Beamten den Mann in seiner Wohnung fest.

Das Opfer befindet sich laut Polizei inzwischen nicht mehr in Hamburg. Es sei unklar, wie sie die zwei Stunden in der Gewalt ihres Entführers verkraften werde. „Über den Grad der Traumatisierung können wir noch gar nichts sagen“, sagte der Sprecher.

Der 30-Jährige ist für die Polizei kein Unbekannter: Wegen Körperverletzung, Betrugs und Stalking ist er bereits einschlägig bekannt. Die Polizei sieht allerdings keinen Zusammenhang zwischen vorherigen Taten und der Entführung der jungen Frau.

Weil der mutmaßliche Täter schweigt, müssen die Ermittler jede Spur akribisch auswerten. Bei der Bergung der Feuerlöscher war größte Vorsicht geboten. An einigen der Löschgeräte waren Sprengstoffspuren festgestellt worden. Das Gebiet war am Montag weiträumig abgesperrt worden. Rund 130 Menschen aus neun Wohnblöcken konnten nach Stunden wieder in ihre Wohnungen. Erst nach gründlicher Untersuchung stand fest: Die Feuerlöscher enthielten keinen Sprengstoff.

Verena Bast, dpa

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