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Entführung mit Bombenattrappe - Mann bringt Flugzeug in seine Gewalt

Unblutiges Ende Entführung mit Bombenattrappe - Mann bringt Flugzeug in seine Gewalt

Als der Airbus in Zypern auf dem Rollfeld steht, befürchten viele das Schlimmste. Ein Mann in der Maschine droht mit der Zündung eines Sprengstoffgürtels. Doch ihm ging es offenbar nicht um Terror, sondern um eine Frau.

Flugzeugentführung von Alexandria nach Zypern.
 

Quelle: dpa

Nikosia. „Mit dem Schrecken davongekommen“, beschreibt es ein Mitarbeiter des zyprischen Verkehrsministeriums. Da ist auf der Mittelmeerinsel die Entführung eines Egyptair-Flugzeugs gerade ohne Tote oder Verletzte zu Ende gegangen. In den Stunden zuvor spielt sich auf dem Rollfeld Larnaka allerdings ein Nervenkrieg ab, der Erinnerungen wach werden ließ: Auch die 1977 entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ hatte Halt in der Hafenstadt gemacht.

Nach dem Start der Maschine im nordägyptischen Alexandria droht ein Mann an Bord plötzlich mit der Zündung eines Sprengstoffgürtels. Statt nach Kairo zwingt er die Piloten zum Flug nach Larnaka. Später stellt sich heraus, dass es nur eine Attrappe war.

Diesen Verdacht hegen die zyprischen Behörden am Dienstag von Anfang an, der Mann wirkt labil. „Wir wollten aber auf Nummer sicher gehen“, sagt Außenminister Ioannis Kassoulides, „und behandelten den Fall als hätte der Entführer eine echte Bombe bei sich gehabt“.

Geisel flieht durch Cockpitfenster

Nach Verhandlungen mit dem Mann, den das ägyptische Staatsfernsehen als Seif al-Din M. identifiziert, kommt nach und nach ein Großteil der Geiseln frei. Auch Amerikaner, Briten, Holländer und weitere Europäer befinden sich in der Maschine. Doch Befürchtungen, ein Terrorist könnte ein Blutbad anrichten, bewahrheiten sich nicht.

Die letzten Geiseln laufen am frühen Nachmittag aus dem weiß-blauen Airbus die Flugzeugtreppe hinunter auf das Rollfeld. Ein Insasse hangelt sich aus dem Cockpitfenster zu Boden. Am Ende verlässt der Entführer selbst die Maschine - und lässt sich widerstandslos festnehmen.

„Die Entführung hatte keinen terroristischen Hintergrund“, stellt Zyperns Präsident Nikos Anastasiades noch vor Ende der Geiselnahme fest. Das Motiv: Scheinbar eine Frau. Wie das Staatsfernsehen berichtet, hat der Täter nicht nur eine Sprengstoffgürtel-Attrappe dabei, sondern auch einen Brief. An seine Ex-Frau, die in Larnaka leben soll.

Bekannt ist nicht viel über den Täter. Dem ägyptischen Staatsfernsehen zufolge soll er in Kairo leben und einen Lieferdienst für Essen besitzen. Bis 1994 soll der 59-Jährige auf Zypern gelebt haben. Er war mit einer Zyprerin verheiratet, mit der er fünf Kinder gehabt haben soll. Eines davon sei bei einem Autounfall gestorben, berichten zyprische Medien. Dann sei die Scheidung gekommen.

Täter kommt offenbar durch Sicherheitscheck

Bilder von Überwachungskameras am Flughafen von Alexandria sollen ihn beim Sicherheitscheck zeigen. Eine Kontrolle, die ihren Zweck offenbar nicht erfüllte. Seitdem Ende Oktober vergangenen Jahres ein russischer Ferienflieger vom ägyptischen Badeort Scharm el Scheich kommend durch einen Bombenanschlag abstürzte und alle 224 Insasen starben, stehen die laxen Sicherheitsmaßnahmen an ägyptischen Flughäfen in der Kritik. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu der Tat.

Dieser Super-Gau - ein abermaliger Terroranschlag - tritt für die ägyptische Regierung am Dienstag nicht ein. Trotzdem aber bleibt die Frage offen, wie ein wohl verwirrter Mann eine Bombenattrappe an Bord eines Flugzeuges schmuggeln konnte.

Nach dem Terroranschlag im Oktober hatten viele Reisende über mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen in Ägypten berichtet. Experten sprachen davon, dass es ein Leichtes sei, unerlaubte Gegenstände an Bord zu schmuggeln. Die Regierung am Nil unternahm deshalb große Anstrengungen und beauftragte ausländische Experten damit, die Sicherheitsstandards an den Airports zu verbessern. Zum Wiederaufbau von Vertrauen in das Urlaubsland Ägypten dürfte die Entführung am Dienstag jedenfalls nicht beigetragen haben.

Von LVZ

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Nikosia

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