Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Entsetzen nach Silvesterangriffen auf Frauen in Köln – Reaktionen im Netz

Sexuelle Übergriffe Entsetzen nach Silvesterangriffen auf Frauen in Köln – Reaktionen im Netz

In der Silvesternacht sind vor dem Kölner Hauptbahnhof mehrere Frauen sexuell belästigt und angegriffen worden. Oberbürgermeisterin Henriette Reker kündigte ein entschiedenes Vorgehen gegen die Täter an. Politik und soziale Netzwerke reagierten mit Entsetzen.

Blick auf den Kölner Hauptbahnhof am 4. Januar 2016.
 

Quelle: dpa

Köln/Leipzig.  Nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker angekündigt, entschieden zu handeln. Für diesen Dienstag wurde ein Krisentreffen mit Polizei und kommunalen Vertretern in der Domstadt angesetzt. „Die Oberbürgermeisterin kann und wird nicht akzeptieren, dass sich hier ein rechtsfreier Raum bildet“, sagte Stadtsprecher Gregor Timmer. Polizei und Bundespolizei seien „dringend gefordert“. Es müssten Schritte unternommen werden, um „insbesondere Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen“, so Reker zuvor im Kölner Express. Möglicherweise müsse man auch die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausweiten.

Am Silvesterabend hatten sich auf dem Bahnhofsvorplatz laut Polizei etwa 1000 Männer versammelt, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen. Aus der Menge heraus bildeten sich demnach Gruppen von mehreren Männern, die Frauen umzingelt, sexuell belästigt und anschließend ausgeraubt haben sollen. Die Größe der Tätergruppen habe von zwei bis drei bis zu 20 Personen variiert. „Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken – dem Diebstahl von Wertgegenständen. Insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone wurden entwendet. In einigen Fällen gingen die Männer jedoch weiter und berührten die meist von auswärts kommenden Frauen unsittlich“, hieß es dazu im Bericht der Beamten. Polizeipräsident Wolfgang Albers sprach am Montag von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung. Bis Montag lagen der Polizei 60 Anzeigen vor.

Nach Behördenangaben sollen alle Einsatzkräfte, die zur Verfügung waren, in der Silvesternacht direkt vor Ort gewesen sein. Doch die Beamten hatten anscheinend nichts von den sexuellen Übergriffen und Diebstählen gemerkt. Als zwischen 1 und 1.30 Uhr bei der Kölner Polizei und Bundespolizei die ersten Anzeigen erstattet wurden, habe die Polizei von dem „massiven Vorgehen“ erfahren, sagte der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert.

Reaktionen in der Politik und im Internet

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) reagierte am Dienstag scharf auf die Ereignisse. „Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen“, zitierten Kölner „Express“ und „Stadt-Anzeiger“ den Minister. „Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt.“ Die FDP-Landtagsfraktion forderte am Montag, dass Minister Jäger im Innenausschuss Ende Januar Rede und Antwort zu den Übergriffen stehen müsse. „Wenn es selbst mit einem aufgrund der Silvesternacht bereits verstärkten Aufgebot an Einsatzkräften der Polizei nicht mehr gelingt, Straftaten mit Nachdruck zu unterbinden und Täter unverzüglich festzusetzen, gerät unser Rechtsstaat ins Wanken“, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Marc Lürbke, laut Mitteilung.

Auch in den sozialen Netzwerken und auf Online-Portalen gibt es seit dem ersten Bekanntwerden der Übergriffe am Samstag zahlreiche geschockte Reaktionen. Während sich Zuwanderungsgegner in ihrer Ablehnung von Flüchtlingen bestätigt sehen und beispielsweise wie das Portal metropolico.org über Flüchtlinge als Täter in Köln spekulieren, warnen andere vor politischer Instrumentalisierung. So schrieb die Bloggerin Antje Schrupp in einem viel geteilten Beitrag auf fischundfleisch.com: „Es kotzt mich an, dass die Sicherheit von uns Frauen immer und immer wieder instrumentalisiert wird. Ich hasse diese Scheinheiligkeit, mit der unser potenzielles Leid und unsere Gefährdung für die kleinen oder großen Ränkespiele irgendwelcher Idioten herhalten müssen.“

Ähnliche Übergriffe auch in Hamburg – keine Anzeigen in Leipzig

Ähnliche Übergriffe wie in Köln soll es in der Silvesternacht auch in Hamburg gegeben haben. Die Opfer seien jeweils von mehreren Männern an der Reeperbahn umringt und an der Brust oder im Intimbereich angefasst worden, sagte Polizeisprecher Holger Vehren am Dienstag. Zugleich hätten ihnen die Täter Handys, Papiere und Geld weggenommen. Es gehe um neun Fälle von sexueller Beleidigung, Raub und räuberischem Diebstahl. Die Täter sollen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren gewesen sein. Die Polizei sucht nun Zeugen.

In der Leipziger Silvesternacht hat es nach Polizeiangaben keine sexuellen Angriffe gegeben. „Nach bisherigen Kenntnisstand sind uns keine Anzeigen bekannt“, sagte Behördensprecher Uwe Voigt am Dienstag gegenüber LVZ.de. (mit dpa)

Von Matthias Puppe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Weltweit

Jede Woche im LVZ-Tippspiel zur Saison 2016/17 regionale Partien tippen und tolle Preise gewinnen! mehr