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„Erschöpft und unendlich traurig“ - Suche nach Katharina eingestellt

„Erschöpft und unendlich traurig“ - Suche nach Katharina eingestellt

Der Gang über die Steilufertreppe am Kap Arkona auf der Insel Rügen war für die Einsatzkräfte am Sonntagnachmittag besonders schwer. Der größte Wunsch der Männer war es, die verschüttete Katharina zu finden.

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Strand an der Steilküste auf Rügen: Fast zwei Wochen lang haben Einsatzkräfte erfolglos nach der verschütteten Katharina gesucht.

Quelle: dpa

Kap Arkona. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen sollte.

„Wir sehen keine Chance, Katharina zu finden“, erklärte Markus Zimmermann, Leiter des Amtes für Katastrophenschutz im Landkreis Vorpommern-Rügen, nach einem weiteren anstrengenden Tag ergebnisloser Suche. „Niemand kann sagen, wo sie sich befindet.“ Dies, so fügte er mit brüchiger Stimme hinzu, sei eine besonders schwere Nachricht für die Angehörigen.

Bereits eine Stunde zuvor hatten sich Polizeiseelsorger Andreas Schorlemmer und Einsatzleiter Daniel Hartlieb auf den Weg ins 100 Kilometer entfernte Greifswalder Klinikum gemacht, um der Mutter die traurige Nachricht zu überbringen. Sie und Katharinas größere Schwester hatten den Küstenabbruch am zweiten Weihnachtsfeiertag, als sich mehrere tausend Tonnen Kreide und Mergel urplötzlich aus dem Hang lösten, verletzt überlebt.

Fast zwei Wochen lang hatten die Helfer von Feuerwehr und THW - in Spitzenzeiten mehr als 180 Einsatzkräfte - unterhalb des Küstenkliffs nach dem vermissten Mädchen aus Brandenburg gesucht. Immer wieder mussten die Arbeiten unterbrochen werden. Erst weil es regnete und stürmte, dann wegen eines erneuten Küstenabbruchs. Am Samstag konnte ein neuer Bergungsversuch mit einem 30-Tonnen-Bagger gestartet werden, der auf einer Fläche von 700 Quadratmetern Erdschicht für Erdschicht zum Teil bis in sieben Meter Tiefe abtrug.

Noch am Sonntagmittag hatte sich Einsatzleiter Hartlieb zuversichtlich gegeben. Erneut hatten Leichenspürhunde angeschlagen. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt räumte er ein: „Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“ Die Erschöpfung war den Männern ins Gesicht geschrieben. Stunde um Stunde, mit jeder Baggerschaufel Kreideschlamm, die an der Unglücksstelle unterhalb des 35 Meter hohen Kliffs abgetragen und durchsucht wurde, schwand die Hoffnung, das Mädchen unter den Geröllmassen zu finden.

Polizeiseelsorger Andreas Schorlemmer wich den 15 Einsatzkräften nicht von der Seite. „Wir sind alle erschöpft und unendlich traurig“, sagte er am Nachmittag, kurz bevor er zur Mutter fuhr.

Am Steiluferabgang erinnern Blumen und Grablichter an das Unglück. Urlauber gehen schweigend am Kliffhang entlang. Auch in der 276 Einwohner zählenden Gemeinde Putgarten, zu der Kap Arkona gehört, ist es ruhiger als sonst im Januar. „Ich denke nur an die Mutter, für die der Verlust ihres Kindes ganz schlimm sein muss“, sagte Viktoria Schweigert vom Hotel „Zum Kap Arkona“. Vielen Gästen seien die Gefahren an der Steilküste nicht bewusst. Doch sie ist überzeugt: Verbote nützen nichts. „Man kann nur reden, reden, reden.“

Seit 1936 starben drei Menschen bei Steilküstenabbrüchen auf der Insel Rügen. An der Unfallstelle habe es seit rund 100 Jahren keinen Abbruch mehr gegeben, sagte Bürgermeister Ernst Heinemann. Die kleine Katharina ist die erste Tote bei einem Küstenabbruch an der Nordspitze Rügens. Nach dem Erdrutsch hat die Gemeinde Putgarten erste Konsequenzen gezogen: Zusammen mit Fachleuten wird das Gefahrenpotenzial am Hang neu analysiert.

Am schlimmsten ist für alle die Ungewissheit, wie die kleine Katharina zu Tode kam. „Für die Mutter muss das ganz schrecklich sein“, sagte Peter Schmidt, der am Unglückstag als erster die Rettungskräfte alarmierte. Er schließt nicht aus, dass das Mädchen unter dem Druck der tonnenschweren Gerölllawine ins Wasser gedrückt worden sein könnte. Katastrophenschützer Zimmermann sagte, nach dem Abbruch der Suche werde weiter regelmäßig der Strand kontrolliert. Die Unglücksstelle bleibt für die nächsten Wochen gesperrt. Sie soll ein Ort der Ruhe sein.

Martina Rathke, dpa

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