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Fall Bradley Manning: Mutmaßlicher Wikileaks-Maulwurf ein homosexueller Einzelgänger?

Fall Bradley Manning: Mutmaßlicher Wikileaks-Maulwurf ein homosexueller Einzelgänger?

Im spektakulären Verfahren gegen den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning wird es jetzt ernst: Nach juristischem Vorgeplänkel haben Zeugenbefragungen und Beweisprüfung begonnen.

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Bradley Manning droht im schlimmsten Fall eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Quelle: Shawn Thew

Fort Meade. Zum Auftakt versuchten die Verteidiger am Samstag (Ortszeit), das Militärgericht auf dem Stützpunkt Fort Meade (US-Bundesstaat Maryland) davon zu überzeugen, dass der 24-Jährige von starken emotionalen Problemen zerrissen war.

Der US-Soldat sei in seiner Einheit als homosexueller Einzelgänger bekanntgewesen und habe keine Freunde gehabt, sagte sein Militäranwalt Matthew Kemkes bei der Anhörung. Zeugen bestätigten das: „Er hat sich von den Anderen abgeschottet. Die Leute haben Witze über ihn gemacht“, sagte ein mit Manning im Irak stationierter Soldat am Sonntag aus. Die besonderen Umstände seien für eine Beurteilung des Falles bedeutend, so Kemkes, zumal der instabile Gemütszustand des Soldaten bei der Armee lange bekanntgewesen sei, ohne dass darauf reagiert worden sei.

Die Ankläger ihrerseits machten geltend, dass auf Mannings Computer entlarvende Chat-Protokolle gefunden worden seien. Wie die „Washington Post“ am Sonntag schrieb, entsprechen sie Protokollen auf dem Laptop eines inzwischen verurteilten Hackers, der jetzt ein Informant der Behörden sei. In diesen Protokollen sage Manning, dass er in militärische Netzwerke eingedrungen sei.

Manning ist angeklagt, während seines Einsatzes als Analyst der US-Armee im Irak klassifizierte Dokumente aus Computern kopiert und sie der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt zu haben. Die Veröffentlichung umfangreicher Aufzeichnungen zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie hunderttausender Diplomatendepeschen im Internet hatten die USA und Regierungen in aller Welt bloßgestellt.

Die Anhörung soll klären, ob die Beweise für die Eröffnung eines Militärprozesses ausreichen. Kommt es dazu, droht dem Soldaten im Fall eines Schuldspruches eine lebenslange Gefängnisstrafe. Insgesamt gibt es 22 Anklagepunkte, Hauptpunkt ist „Unterstützung des Feindes“. Darauf könnte normalerweise sogar die Todesstrafe verhängt werden, aber nach bisherigen Erkenntnissen wollen die Ankläger sie nicht beantragen.

Das Hearing ist auf eine Woche veranschlagt. Es könnte sich aber nach Angaben eines Militärsprechers wegen der zahlreichen Zeugen in die Länge ziehen, so dass es nach den Weihnachtstagen fortgesetzt werden müsste. Ob es zu einem Prozess komme, werde erst in mehreren Wochen, vielleicht sogar Monaten entschieden.

Nach Einschätzung von Militärjuristen hat die Verteidigung bei ihrer Strategie, Mannings Probleme aufzuzeigen, bereits das mögliche Strafmaß im Fall eines Prozesses im Blick. Sie zielten offensichtlich auf die Berücksichtigung mildernder Umstände ab, zitierte die „Washington Post“ am Sonntag David Velloney von der Regent University School of Law. Die Argumente würden aber wahrscheinlich nicht für einen Freispruch ausreichen.

Die Verteidiger versuchten aber zugleich auch, Zweifel daran zu streuen, dass Manning die ihm zur Last gelegten Taten auch tatsächlich begangen habe. So sei der junge Obergefreite nicht der einzige mit Zugang zu seinem Computer gewesen, von dem aus der riesige Datenklau unternommen worden sein soll.

Außerdem deuteten die Anwälte an, dass es in dem Analysezentrum auf der Basis im Irak allenthalben zu schweren Regelverstößen gekommen sei. So bestätigte die Leiterin der Einheit am Sonntag in ihrer Befragung, dass die Soldaten an ihren Arbeitscomputern Musik gehört, Spiele gespielt und Filme geschaut haben. Die Daten - darunter auch illegale Raubkopien - seien in einem Netzwerk gespeichtert gewesen, dass nur zum Austausch geheimer Informationen vorgesehen war.

dpa

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