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Germanwings-Absturz: Peter Zehentner vom ASB München im Interview

Germanwings-Absturz: Peter Zehentner vom ASB München im Interview

Vier Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams des ASB München sind nach dem Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine an den Unglücksort nach Frankreich gereist.

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Quelle: Rolf Vennenbernd/Archiv

München. Leiter Peter Zehentner berichtet im Interview davon, wie die Angehörigen der Opfer vor Ort betreut werden und was Helfer in Notsituationen unbedingt vermeiden sollten.

LVZ:

Vier Mitarbeiter Ihres Kriseninterventionsteams sind zur Betreuung von Angehörigen der deutschen Passagiere zur Unglücksstelle gereist. Was erwartet Ihre Kollegen dort?

Zehentner:

 Wir rechnen mit einer Chaos-Situation. Da kommen Leute hin und suchen nach Antworten, machen sich womöglich selbst auf die Suche nach Opfern. Unsere Aufgabe ist es zunächst, Strukturen zu schaffen, um den Menschen verlässliche Informationen geben zu können.

Was für Informationen werden das sein?

Erstens müssen wir den Angehörigen vermitteln, dass ihre Kinder, Geschwister, Eltern tot sind. Zweitens müssen sie wissen, dass die Leichen anders aussehen, als sie vielleicht denken. Der geliebte Mensch ist nicht ohne Weiteres identifizierbar, das erschwert das Abschiednehmen umso mehr. Wir werden den Angehörigen vermitteln müssen, welche Methoden es zur Identifizierung gibt, wie eine Bestattung möglich ist.

Was befähigt Ihre Kollegen dazu?

Unser Team ist seit 20 Jahren im Einsatz. Das Auswärtige Amt und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe schätzen unsere Erfahrung, daher sind sie jetzt wieder auf uns zugekommen. Einer der vier Kollegen, die jetzt in Frankreich sind, war auch nach dem Tsunami in Thailand vor zehn Jahren im Einsatz, ein anderer betreute Angehörige nach dem Fährunglück der „Costa Concordia“. Die Mitarbeiter – darunter ein Arzt und ein Diakon – haben eine zweijährige Ausbildung hinter sich, etliche Prüfungen und Supervisionen. Sie sind ehrenamtlich im Einsatz, ihre Arbeitgeber haben sie freigestellt.

Was sollten Helfer in Notsituationen unbedingt vermeiden?

Auf keinen Fall sollten sie Sätze äußern wie: „Ich weiß genau, wie es Ihnen geht.“ Sie wissen es nicht, niemand weiß das. Und sie sollten Betroffene nicht anlügen. Wenn sie keine Antworten auf Fragen haben, müssen sie dies zugeben, so schwer dies auch zu ertragen ist.

Wie lange bleiben Ihre Kollegen vor Ort?

Das erste Team wird 48 Stunden in Digne-les-Bains sein, das Nachfolgeteam bereitet sich schon auf seinen Einsatz vor. Eine weitere Mitarbeiterin vor Ort ist mit nichts anderem als dem Rückzug unserer Leute beschäftigt. Auch sie müssen nach solch einem Einsatz betreut werden.

Marina Kormbaki

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