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Germanwings-Unglück war kein Unfall: "Co-Pilot hat den Sinkflug bewusst eingeleitet"

Germanwings-Unglück war kein Unfall: "Co-Pilot hat den Sinkflug bewusst eingeleitet"

Seyne-les-Alpes. Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat den automatischen Sinkflug ausgelöst. "Das war eine bewusste Entscheidung", sagte der französische Staatsanwalt Brice Robin.

Versehntlich, etwa bei einer Ohnmacht, könne das Manöver nicht eingeleitet werden. Dafür müsse ein Drehschalter betätigt werden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr: „Nicht in unseren schlimmsten Alpträumen hatten wir uns das verstellen können.“ Der Vorstandschef sprach vom „furchtbarsten Ereignis in unserer Unternehmensgeschichte“.

Staatsanwalt Robin beruft sich bei seinen Erkentnissen auf die Auswertungen des Stimmrekorders. Zum Zeitpunkt seiner Handlung befand sich der Co-Pilot allein in der Kabine. Der Kapitän hatte kurz zuvor seinen Arbeitsplatz verlassen und war offenbar zur Toilette gegangen. Bei seiner Rückkehr sei die Tür zum Cockpit verschlossen gewesen. Der Kapitän habe, so Robin, versucht, die Tür von außen gewaltsam zu öffnen und habe dagegen gehämmert. Dies sei ihm aber nicht gelungen, weil es sich um einen gepanzerten Durchgang handelte. Der massive Verschluss sei internationaler Standard, um die Mannschaft vor Entführungen zu schützen. Sein Kollege habe sich bewusst geweigert, die Tür zu öffnen.

Für den Fall der Bewusstlosigkeit gebe es einen eigenen Code und dann ein Klingelzeichen, erklärte Spohr. Wenn dann auch keine Antwort komme, gehe die Tür auf. Der Kollege im Cockpit könne dies durch Umstellen des Schalters auf Lock verhindern. Dann sei die Tür für fünf Minuten verschlossen.

Es handele sich nicht um einen Unfall, so Staatsanwalt Robin. "Das war wie ein Landeanflug. In der Nähe gibt es gar keinen Flughafen auf dem ein Airbus landen könnte", erklärten die Ermittler. Der Tower in Marseille habe mehrfach versucht, mit der Maschine Kontakt aufzunehmen, aber keine Antworten erhalten.

Über die Beweggründe des eingeleiteten Sinkfluges machte Robin keine Angaben. "Ich weiß es nicht", so der Jurist. Auch Spohr hat keine Erklärung parat. "Wir können wenige Stunden nachher über das Motive nur spekulieren", so der Manager. Spohr räumte ein, das sein Mitarbeiter die Ausbildung für längere Zeit unterbrochen hatte. "Er war aber 100 Prozent flugtauglich. Ohne jede Auffälligkeit."

Der Co-Pilot, der Deutscher war und und nicht unter Terrorismusverdacht stand, habe bis zum Schluss normal geatmet, das bewiesen die Aufzeichnungen. Erst seit 2013 sei er mit der Erfahrung von einigen hundert Flugstunden bei der Airline angestellt gewesen. Robin nannte auch den Namen des Germanwings-Mitarbeiters. Demnach handelt es sich um den 28 Jahre alten Andreas L. aus Montabaur in Rheinland-Pfalz. Dort war er offenbar seit vielen Jahren Mitglied des Luftsportclubs (LSC) Westerwald. In einer Traueranzeige auf der Homepage heißt es: "Als Jugendlicher wurde Andreas Mitglied im Verein, er wollte seinen Traum, das Fliegen, verwirklicht sehen." Vom Segelflugschüler habe er es bis zum Airbuspiloten geschafft, berichten die LSC-Mitglieder in ihrem Nachruf.

Geredet habe der zweite Mann der Fliegercrew nicht. Im gesamten Cockpit sei in den letzten zehn Minuten des Fluges kein Wort mehr gefallen. Die französischen Beamten hoffen nun auf weitere Aufklärung, durch Informationen über das persönliche Umfeld des Mannes.

Die Passagiere hätten erst sehr spät die Situation begriffen. "Wir haben erst in den letzten Momenten die Schreie aus der Kabine gehört", so Robin. Die Angehörigen der Opfer seien über die Erkenntnisse bereits informiert worden. Auch die Familie des Co-Piloten sei vor Ort. "Aber wir haben sie nicht mit den anderen Familien zusammengebracht", berichtete der Staatsanwalt.

Am Mittwochnachmittag hat Robin zufolge die Bergung der Opfer begonnen. Jetzt beginne die Identifizierung mittels DNA-Abgleich.

In der Heimatstadt des Co-Piloten hat die Polizei in der Straße, die zum Elternhaus des Mannes führt, Einsatzfahrzeuge quergestellt, um Autos an der Durchfahrt zu hindern. In der Gegend sind mehrere Kamerateams unterwegs und versuchen, mit Nachbarn zu sprechen. Die Bewohner der Straße haben sich jedoch in ihre Häuser zurückgezogen. Einige schauten hinter Gardinen oder halb heruntergelassenen Läden nach draußen.

LVZ

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