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"Halle blockt": Breiter Protest und Sitzblockaden bringen Neonazi-Aufmarsch aus der Bahn

"Halle blockt": Breiter Protest und Sitzblockaden bringen Neonazi-Aufmarsch aus der Bahn

Mehr als zweitausend Menschen haben am Sonntag in Halle gegen eine Neonazi-Demo protestiert. Auf zwei verschiedenen Routen zogen sie in die Nähe des Hauptbahnhofs der Stadt, wo eine Demonstration von Rechtsextremen beginnen sollte.

Halle. „Wir wollen heute ein Zeichen aus der Mitte der Gesellschaft setzen, dass wir keine Nazis wollen“, sagte Halles Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados.

Mehr als 600 Neonazis zogen von Mittag an durch die Stadt. Sie protestierten gegen die Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer aus Osteuropa am 1. Mai. Rund 1000 Polizisten trennten beide Demonstrationszüge voneinander. Allein rund 1000 Anhänger des Aktionsbündnisses "Halle blockt" versuchten, mit Aktionen die geplante Veranstaltung der Neonazis auszuhebeln. "An der Turmstraße und an der Merseburger Straße hat sich ein Teil unserer Demonstranten vom Zug abgekoppelt und Sitzblockaden eingerichtet", sagte Marcus Schlegelmilch gegenüber LVZ-Online. Schlegelmilch ist Sprecher des Bündnisses aus Parteien, Gewerkschaften, Studentenorganisationen, Vereinen und Einzelpersonen.

Zwar sei es dem Aktionsbündnis nicht geglückt, den Marsch der Neonazis komplett zu verhindern. "Aber wir haben erreicht, dass sie ihre Route ändern mussten." Statt durch Wohngebiete Halles hätten die Rechten durch den Osten der Stadt laufen müssen, der eher durch Industriegebiete gekennzeichnet ist. Als Erfolg verbucht Schlegelmilch auch, dass sich von der zentralen Kundgebung auf dem Marktplatz von Halle ebenfalls ein Demonstrationszug gegen Rechts in Bewegung setzte. Kurz vor Schluss eskalierte die Lage einige Minuten lang. Flaschen und Steine wurden geworfen, Pfefferspray und Schlagstöcke kamen zum Einsatz. Verletzte habe es aber nicht gegeben, sagte eine Polizeisprecherin.

Etwa 150 Neonazis waren am Sonntag von Halle nach Leipzig gekommen, teilte die Polizei gegenüber LVZ-Online mit. Sie hielten sich kurzzeitig auf dem Hauptbahnhof und dem Augustusplatz auf, hieß es. Die Beamten mussten aber nicht eingreifen.

Nach Polizeiangaben blieb die Lage in Leipzig auch nach dem "Courage zeigen"-Konzert gegen Rechts ruhig. Dagegen gab es in Berlin und Hamburg vereinzelt Ausschreitungen. In der Nacht zum 1. Mai blieben die großen Krawalle zwar aus. Am Sonntagabend lieferten sich jedoch Linksautonome bei der „Revolutionären 1. Mai-Demonstration“ in Berlin Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie attackierten zudem Banken und Geschäfte und warfen Scheiben mit Pflastersteinen ein. Vereinzelt flogen Flaschen und Feuerwerkskörper in Richtung der Polizei. Diese setzte ein massives Aufgebot von Beamten gegen die Störer ein und fuhr mit Wasserwerfern auf. Es habe mehrere Festnahmen gegeben, teilte die Polizei mit. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit beendete die Polizei die Demonstration.

Der Zug mit mehr als 9000 Teilnehmern war im Stadtteil Kreuzberg gestartet. Viele Demonstranten waren schwarz gekleidet und mit Kapuzen und Sonnenbrillen fast vermummt. Sprechchöre richteten sich gegen die Polizei sowie gegen Banken und Konzerne. Zu Beginn der Demo hatten Vermummte auf einem Hausdach Feuerwerkskörper gezündet. Die Polizei war mit rund 6000 Kräften im Einsatz.

In Hamburg kam es nach Angaben der Polizei in der Nacht zum Sonntag zu vereinzelten Ausschreitungen im Schanzenviertel. Rund um das alternative Kulturzentrum „Rote Flora“ seien Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen worden. Elf Beamte wurden verletzt, 17 Randalierer festgenommen. In Berlin-Prenzlauer Berg demonstrierten rund 1500 Anhänger der linken Szene gegen Mieterhöhungen und die Räumung besetzter Häuser. Auf einem Hausdach wurde ein Feuerwerk gezündet. Vermummte demonstrierten Solidarität mit den Hamburger Gleichgesinnten und forderten den Erhalt der „Rote Flora“.

Im Mauerpark in Berlin feierten etwa 1000 Leute die Walpurgisnacht. Möglicherweise verhinderten die relativ kühlen Temperaturen eine größere Feier. Bereits am Nachmittag hatten zahlreiche Polizisten Stellung bezogen. Zusätzliche Scheinwerfer und Absperrgitter standen bereit. Taschen wurden kontrolliert, Flaschen mussten abgegeben werden. Vor einigen Jahren war der Mauerpark oftmals der Startpunkt für die traditionellen Maikrawalle.

Im Stadtteil Friedrichshain versammelten sich etwa 1500 Menschen zu einem Straßenfest mit Punk-Konzert. Auch dort herrschte eine entspannte Stimmung. Nach dem Ende des Festes um 22 Uhr gab es einige Festnahmen, da etwa 100 Teilnehmer ein Feuer und Knallkörper entzündet hatten.

In Hamburg setzte die Polizei mehrfach Wasserwerfer gegen Autonome ein, die mit Feuerwerkskörpern auf die Beamten und die Einsatzfahrzeuge losgingen. Auch ein Hotel wurde attackiert. Ein Auto ging in Flammen auf. Ein Polizist musste mit einem Hörschaden im Krankenhaus behandelt werden. Neben den 17 Festnahmen wurden auch 50 Randalierer in Gewahrsam genommen.

Die Polizei war im Schanzenviertel mit einem Großaufgebot vertreten. Die Geschäfte in dem Stadtteil hatten sich auf eine krawallreiche Nacht eingestellt: Die Scheiben zweier Bankfilialen waren mit Rollläden gesichert, mehrere Schaufenster mit Sperrholzplatten abgedeckt.

dpa/lyn/maf

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