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„Hier kennt die keiner“ - Sechs Tote in Berliner Wohnung

„Hier kennt die keiner“ - Sechs Tote in Berliner Wohnung

In der Puchanstraße Nr. 14 sind die weißen Holzrollläden in der Erdgeschosswohnung heruntergelassen. In der Vierzimmerwohnung in Berlin-Köpenick sichern Ermittler der Mordkommission am Montagabend Spuren, auch die Staatsanwaltschaft ist vor Ort.

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Beamte der Spurensicherung betreten das Haus in der Puchanstraße in Berlin, in dem sechs Leichen gefunden worden waren.

Quelle: dpa

Berlin. Wenige Stunden zuvor haben Feuerwehrleute dort sechs Tote entdeckt: eine 27 Jahre alte Mutter mit ihren vier kleinen Kindern. Außerdem wurde die Leiche eines 40-jährigen Mannes gefunden - er ist nicht der Vater der Kinder.

Informationen fließen zunächst nur spärlich. Einiges deutet auf ein Familiendrama hin. „Es kann auch ein Unglück sein. Möglich ist auch eine Vergiftung“, sagt Polizeisprecher Volker-Alexander Tönnies. Offensichtlich ist nichts, denn es gibt an den Leichen keine sichtbaren Spuren von Gewalteinwirkung. Ein Abschiedsbrief wird zunächst nicht entdeckt.

„Ein Angehöriger hatte sich Sorgen gemacht“, berichtet der Polizeisprecher. Daraufhin seien Beamte zu dem hellen, viergeschossigen Mehrfamilienhaus im Südosten Berlins gefahren und hätten an der Wohnungstür geklingelt. Geöffnet hat ihnen niemand. „Um 14.15 Uhr hat uns die Polizei informiert“, sagt später ein Feuerwehrsprecher. Denn um die Tür aufzubrechen, brauche es Spezialwerkzeug. Was die Feuerwehrleute dann in der Wohnung zu sehen bekommen, ist grausig. Die Kinder wurden nur ein, vier, fünf und sechs Jahre alt.

Schon wenig später flattert weiß-rotes Absperrband vor dem Altbau in dem bürgerlichen Stadtteil. Polizisten riegeln die Straße ab, der Notarzt rückt an, es folgen Mordkommission, Staatsanwaltschaft und Gerichtsmedizin. Etliche Journalisten stehen vor dem Haus. Aus vielen Fenstern der Nachbarhäuser schauen neugierige Anwohner, einige stehen auch auf der Straße.

„Die haben nie die Jalousien aufgemacht“, erzählt eine Rentnerin, die von ihrer Wohnung aus genau dorthin blicken kann, wo die Mutter mit ihren Kindern lebte. „Die waren immer zu, auch tagsüber.“ In der „Köpenicker Bierstube“ um die Ecke wollen die rauchenden Männer an der Theke zu den Toten nichts sagen. Die Kellnerin berichtet lediglich: „Hier kennt die keiner. Wir wissen nicht, wer das ist.“ Der Vater der Kinder wurde benachrichtigt. Zu seiner Person will sich die Polizei aber nicht weiter äußern.

Die Informationslage am Abend ist schwierig. Gerüchte machen die Runde, die Polizei will unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Details verraten. Unklar ist, wann die Menschen starben. „Es gibt noch keinerlei Anhaltspunkte, wie die Kinder und die Erwachsenen zu Tode gekommen sind“, sagt Tönnies. Auf die Frage, ob an den Leichen Gewaltspuren gefunden worden sind, sagt er: „Nach jetzigem Erkenntnisstand nicht.“ Die Toten sollen in den nächsten Tagen obduziert werden. „Es ist unwahrscheinlich, dass heute noch endgültige Ergebnisse vorliegen werden.“

Angelika Röpcke und Andreas Rabenstein, dpa

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