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Kapitän der „Costa Concordia“ änderte Route eigenmächtig - Zwölf Deutsche noch vermisst

Kapitän der „Costa Concordia“ änderte Route eigenmächtig - Zwölf Deutsche noch vermisst

Rom. Von zwölf deutschen Passagieren des gekenterten Kreuzfahrtriesen „Costa Concordia“ fehlte am Montag nach der Schiffskatastrophe noch jede Spur.

Insgesamt werden nach Angaben des Chefs der italienischen Küstenwache, Admiral Marco Brusco, noch 25 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder vermisst. Die Zahl der Toten stieg am Montag auf sechs. Starker Seegang erschwerte zeitweise die Suche nach Überlebenden im Wrack vor der italienischen Insel Giglio. Der Kapitän habe die Route eigenmächtig geändert, sagte der Geschäftsführer des Unternehmens Costa Kreuzfahrten, Heiko Jensen, in Hamburg. Falsche Seekarten seien nicht Schuld an dem Unglück gewesen.

Der toskanische Staatsanwalt Francesco Verusio bestätigte, dass der von dem Unglücksschiff gerammt Felsen eindeutig auf Karten vermerkt sei, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Der Kommandant der „Costa Concordia“, Francesco Schettino, hatte behauptet, die Felsen seien nicht eingezeichnet. Er war festgenommen worden und soll am Dienstag vernommen werden.

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Leipzig. Er sitzt an der Bar und will sich gerade einen Cocktail bestellen, als das Unglück passiert. „Alle Gläser fielen herunter und das Schiff begann plötzlich zu kippen“, beschreibt Matthias Hanke den Moment, als die Costa Concordia vor der Insel Giglio einen Felsen rammt. Der 38-Jährige aus Markranstädt bei Leipzig überlebt die Tragödie nur knapp. „Ich musste um mein Leben kämpfen", sagt Hanke im Gespräch mit LVZ-Online.

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Schettino soll das Schiff zu dicht an die Insel gelenkt und schon während der Evakuierung verlassen haben. Es war am Freitagabend mit mehr als 4200 Menschen an Bord gegen einen Felsen gelaufen, leckgeschlagen und dann auf die Seite gekippt. Jensen erklärte: „Der Kapitän war zum Zeitpunkt des Unfalls auf der Brücke und hat das Schiff manuell gesteuert.“

Unter den zwölf deutschen Vermissten sind fünf Passagiere aus Hessen, je zwei aus Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie eine Frau aus Bayern. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) versicherte: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Schicksale der noch vermissten deutschen Staatsangehörigen aufgeklärt werden.“ Zahlen nannte der Außenminister nicht. „Ich kann aber leider zur Stunde nicht ausschließen, dass wir uns auf andere, traurigere Nachrichten einstellen müssen.“ Costa Kreuzfahrten erklärte, 566 Menschen aus ganz Deutschland seien an Bord gewesen. Die meisten sind wieder in Deutschland.

„Die Schiffsführung hat total versagt“

Der Deutschland-Geschäftsführer von Costa-Kreuzfahrten, Jensen, sagte, die Einschätzung des Kapitäns bei dem Unglück habe nicht „den von Costa vorgegebenen Standards“ in einem solchen Notfall entsprochen. Die Crew dagegen habe sehr umsichtig gehandelt. Viele Passagiere allerdings sprachen von einem großen Durcheinander und klagten über unzureichende Sicherheitsausrüstung. Das bestreitet Costa. „Die Schiffsführung hat total versagt“, sagte Passagier Herbert Rohwedder aus Schleswig-Holstein der Nachrichtenagentur dpa. „Es herrschte nur Chaos.“

Kurz nachdem die Feuerwehr den sechsten Toten entdeckt hatte, musste die Suche am Montag für einige Stunden unterbrochen werden. Offensichtlich hatten die Wellen den havarierten Riesen in Bewegung versetzt. Die Taucher hätten das Wrack vorübergehend verlassen, nachdem es sich um neun Zentimeter bewegt habe, erklärte der Sprecher der Rettungsmannschaften, Luca Cari. Auch für die Nacht wurde die Suche aus Sicherheitsgründen wieder eingestellt. Schlechteres Wetter könnte auch die Sicherung des Kraftstoffs in den Tanks erschweren. Das italienische Umweltministerium schließt eine größere Verschmutzung nicht aus.

Ein „menschlicher Fehler“ ist bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffes nach Auffassung des Chefs von Costa Crociere, Pierluigi Foschi, nicht zu bestreiten. Zwar werde die Kreuzfahrtgesellschaft dem Kapitän nach der Havarie juristische Unterstützung geben, sagte Foschi in Genua, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. „Das Unternehmen hat jedoch auch die Pflicht, seine 24.000 Beschäftigten zu schützen“, fügte er an. Zuvor waren die Eigner des Kreuzfahrtschiffes auf Distanz zu ihrem Kapitän gegangen.

„Es scheint, dass der Kommandant Beurteilungsfehler gemacht hat, die schwerste Folgen gehabt haben“, hieß es in einer Erklärung der Kreuzfahrtgesellschaft am Sonntagabend. „Die Route des Schiffs führte offenbar zu nahe an der Küste vorbei (...).“ Der Kapitän sei 2002 als Sicherheitsoffizier zu Costa gekommen und 2006 zum Kapitän ernannt worden. „Wie alle Costa-Schiffsführer absolvierte er regelmäßige Trainings.“

Kapitän weigerte sich, die Evakuierung zu koordinieren

Der Kapitän soll Medienberichten zufolge mehrfach von der Küstenwache aufgefordert worden sein, wieder an Bord zu gehen, um die Evakuierung des Schiffs zu koordinieren. Dies habe er jedoch nicht getan. Auch einen „SOS“-Ruf soll es zunächst nicht gegeben haben. Hunderte von Zeugenaussagen - Passagiere, Crewmitglieder und Retter - seien zum Hergang bereits aufgenommen worden, sagte Staatsanwalt Verusio. Mehr Details zum Hergang des Unglücks erhofft man sich von der Auswertung der Blackbox des Schiffs, die ähnlich wie in Flugzeugen die Kommunikation auf der Brücke und Steuerbefehle aufzeichnet.

Noch vor dem Abschluss der Such- und Bergungsaktion tritt auch die Frage nach möglichen Umweltbelastungen durch die knapp 2400 Tonnen Treibstoff in den Tanks der „Costa Concordia“ in den Vordergrund.  Spezialisten sind bereits auf Giglio. Es gebe sehr hohe Umweltrisiken für die Insel, sagte der italienische Umweltminister Corrado Clini. Die Tanks zu leeren, sei gefährlich. Von der Strömung werde es abhängen, ob bei einer Wasserverschmutzung womöglich das gesamte Archipel und auch die Festlandküste betroffen sein könnten.

Costa-Kreuzfahrten sicherte den Opfern der Schiffshavarie Entschädigung zu. „Wir nehmen mit jedem einzelnen Gast Kontakt auf“, sagte Jensen. Die Bergung des Wracks wird nach Einschätzung von Hans Hopman, Professor für Schiffsbau an der Technischen Universität Delft, möglicherweise Monate dauern.

dpa

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