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Polizeiticker Weltweit Keine Gnade: Leipziger Graffiti-Sprayer bekommen Prügelstrafe in Singapur
Nachrichten Polizeiticker Weltweit Keine Gnade: Leipziger Graffiti-Sprayer bekommen Prügelstrafe in Singapur
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08:03 05.03.2015
Keine Gnade: Die beiden Graffiti-Sprayer aus Leipzig erhalten in Singapur die Prügelstrafe. Quelle: dpa
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Singapur

Die beiden waren im November in ein U-Bahn-Depot eingedrungen und hatten einen Waggon mit Graffiti besprüht. Die Strafe sei auch als Abschreckung für andere gedacht, sagte Richter Liew Thiam Leng.

Verteidiger Christopher Bridges hatte auf fünf Monate Haft und drei Stockschläge plädiert. Ob er in Berufung geht, war zunächst offen. Die 21 und 22 Jahre alten Männer zeigten vergeblich Reue: „Dies ist die dunkelste Episode in meinem Leben“, sagte der Ältere vor Gericht. „Ich ärgere wegen dieser dummen Tat über mich selbst.“ Der Jüngere meinte: „Ich verspreche, nie wieder so etwas zu tun. Ich muss mich nicht nur bei Ihnen, sondern auch bei meiner Familie entschuldigen, die ich so beschämt habe.“ Die Prügelstrafe wird mit einem Rohrstock auf den nackten Po vollstreckt. 

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Singapur. Zwei Männer aus Leipzig müssen sich in Singapur der Prügelstrafe unterziehen. Ein Richter verurteilte sie am Donnerstag wegen Vandalismus zu neun Monaten Haft und drei Stockschlägen. Die beiden waren im November in ein U-Bahn-Depot eingedrungen und hatten einen Waggon mit Graffiti besprüht. Die 21 und 22 Jahre alten Männer zeigten vergeblich Reue.

"Sie bereuen ihre Tat zutiefst"

Die beiden stellten die Angaben, die die Staatsanwaltschaft vortrug, nicht in Frage: Sie waren am 7. und 8. November in das U-Bahn-Depot Bishan eingedrungen und hatten den Waggon besprüht. Der Richter sprach von einer vorsätzlichen Tat, weil sie den Tatort zunächst ausgespäht hatten. Die beiden waren anschließend geflohen. Sie wurden zwei Wochen später in Malaysia festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Diese Zeit soll auf die Strafe anerkannt werden. Sie kämen demnach im August frei. Die beiden kamen laut Anklage aus Australien. Sie sollen dort gearbeitet haben.

Ihr Anwalt Christopher Bridges plädierte vor dem Richter auf Milde:„Seit ich die beiden das erste Mal gesprochen habe, habe ich einen deutlichen Wandel in ihnen gesehen: Ich glaube, sie bereuen (ihre Tat) zutiefst“, sagte er.  Die beiden waren in Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden. Sie trugen weiße T-Shirts mit der Aufschrift „Gefangener“ auf dem Rücken. Vor dem Richter waren die zwölf Sprühdosen als Beweismaterial aufgestellt, die die Polizei in dem Depot gefunden hatte.

Eine Woche höllische Schmnerzen

So berichten die Medien in Singapur über den Prozess. Die beiden Leipzger stehen dort vor Gericht, weil sie eine U-Bahn mit Graffiti besprüht haben sollen. Quelle: Screenshot

Was den beiden nun blüht, hat der Bangladescher Forhad Mridha vor kurzem so geschildert: Mit einem Stock aus Peddigrohr haut der Vollstrecker auf den nackten Po. Vor Mitgefangenen und Gefängnispersonal müssen die Verurteilten dafür die Hose runterlassen. „Eine Woche hat es höllisch weg getan“, sagte der Mann, der bestraft wurde, weil er nach Ablauf seines Visums in Singapur geblieben war.

Von Rauschgifthandel bis Unruhestiftung: Singapur hält die Prügelstrafe bis heute für eine angemessene Abschreckung für alle Art von Vergehen.Umfragen, wie die Singapurer die Prügelstrafe sehen, gibt es nicht. Das ganze ist kein Thema in dem reichen Stadtstaat. Es gehört zum Alltag. Eliteschulen wie die Ango-Chinese School brüsten sich mit ihren harten Strafen: „Schwere Strafe für Schulschwänzer oder aufmüpfige Missetäter: etwa Stockschläge“, steht auf ihrer Webseite. „Disziplin ist das Wichtigste“, beschied 2010 der für Schulen zuständige Direktor im Bildungsministerium, Wong Siew Hoong. „Wo nötig, wird körperliche Züchtigung angewendet.“  

Der reiche Unternehmer Ho Kwon Ping findet, Singapur könne die Zügel mal langsam locker lassen. „Das war vielleicht im letzten Jahrhundert die Norm, aber in der Ersten Welt, in der wir ja wohl angekommen sind und zu der wir weiter gehören wollen, gilt (die Prügelstrafe) als grausame und unverhältnismäßige Strafe“, schreibt er in der „Straits Times“ zum bevorstehenden 50. Jahrestag der Unabhängigkeit. Er ist dafür, die Strafe auszusetzen. „An diesem Meilenstein unserer nationalen Reise sollten wir den moralischen Mut haben, die Nachhaltigkeit alter Ideen in Frage zu stellen und nach einer höheren Ebene der menschlichen Entwicklung streben.“

Kirsten Han / Christiane Oelrich

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