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Kenia unter Schock: Islamisten-Massaker im Einkaufsparadies - Dutzende Tote, 175 Verletzte

Kenia unter Schock: Islamisten-Massaker im Einkaufsparadies - Dutzende Tote, 175 Verletzte

Es ist ein Samstag wie so viele andere in Kenias betriebsamer Hauptstadt Nairobi. Die Parkplätze vor dem Westgate-Einkaufszentrum sind voll besetzt: Viele Ausländer, Diplomaten und wohlhabende Kenianer sind gekommen, um im Mega-Supermarkt einzukaufen und sich in Cafés und hübschen Geschäften zu vergnügen.

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Ein verletzter kenianischer Soldat erhält erste Hilfe nachdem er bei der Befreiungsaktion für die Geiseln angeschossen wurde.

Quelle: dpa

Addis Abeba/Nairobi. Plötzlich stürmen rund ein Dutzend maskierter Männer in das Gebäude, steuern auf ein beliebtes Restaurant zu und beginnen, wahllos um sich zu schießen. Dann rennen sie in die oberen Geschosse und nehmen dort zahlreiche Geiseln. Die Bilanz des Blutbades: Dutzende von Toten und mindestens 175 Verletzte.

Der Angriff, zu dem sich die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz bekannt hat, zeigt vor allem eines: Auch die ausgeklügelten Sicherheitssysteme mit Metalldetektoren, die mittlerweile am Eingang vieler Luxushotels und Einkaufszentren Afrikas eingerichtet wurden, können gegen blutrünstige Extremisten nicht viel ausrichten. Berichten zufolge warfen sie einfach Granaten und schossen sich gleichzeitig den Weg ins Innere von Westgate frei.

Auch Prominente wie der ghanaische Dichter Kofi Awoonor und ein Neffe von Präsident Uhuru Kenyatta zählen zu den Opfern. Der Politiker Ben Mulwa, der erst im März bei den Präsidentschaftswahlen angetreten war, überlebte hingegen. Eine Kugel raste zentimeternah an seinem Kopf vorbei und schlug in einer Wand ein.

„Die Angreifer hatten schwere Gewehre dabei. Sie trugen Kopfbedeckungen, wie (Palästinenserführer) Jassir Arafat sie früher anhatte, und sprachen einen Mix aus verschiedenen Sprachen“, erinnert sich Mulwa an die grauenhaften Momente der Angst. „Ich habe gesehen, wie sie einem Wächter in den Kopf geschossen haben.“ Er selbst habe sich hinter Blumen versteckt und sei deshalb mit dem Leben davongekommen.

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Der Ort der Geiselnahme: Das Einkaufszentrum in Nairobi von außen.

Quelle: dpa

Ein anderer Überlebender erklärte: „Überall flogen Kugeln, es gab keinen sicheren Ort mehr.“ Der Mann suchte Schutz hinter Einkaufswagen des Supermarktes Nakumatt und schaffte es, sich in ein Büro zu retten. Dort schloss er sich über Nacht ein und nahm Kontakt mit der Polizei auf, „Sie haben gesagt, sie würden mich retten, und jetzt bin ich in Sicherheit.“

Wie viele andere steht er jedoch unter Schock. Die Behörden suchten bereits am Morgen Sozialarbeiter und Psychologen, die den Betroffenen bei der Verarbeitung des Traumas helfen können. Auch ein dringender Aufruf des Roten Kreuzes zur Blutspende wurde von zahlreichen Freiwilligen beantwortet. Dennoch gebe es immer noch nicht genügend Blutkonserven, teilte die Organisation am Nachmittag mit. Die umliegenden Krankenhäuser seien völlig überfordert.

Ganz überraschend kommt die Attacke derweil nicht: Seit Kenia 2011 im Nachbarland Somalia einmarschiert war, um zusammen mit den dortigen Truppen die Al-Shabaab zu bekämpfen, häufen sich vor allem in Nairobi Terroranschläge. Jedoch war bisher keiner so verheerend wie die Attacke vom Samstag. „Kenia ist nach Somalia gekommen und hat unsere Frauen getötet“, sollen die Täter Augenzeugen zufolge gebrüllt haben. „Wir sind hier, um uns zu rächen.“ Sie hatten arabische Schriften dabei. Wer sie lesen konnte, durfte gehen.

Auch das Datum macht stutzig, denn erst vor zehn Tagen jährte sich der verheerende Anschlag auf das World Trade Center in New York. Wenige Tage vor dem 11. September hatte die Al-Shabaab auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt: „Wir haben immer mehr Anhänger. Wissen sie, dass bald etwas passieren wird...?“

Die Islamisten wählten offenbar bewusst einen Samstag für den Angriff, denn jedes Wochenende strömen im Schnitt 10 000 Menschen in das Shoppingcenter. Und die Westgate-Besucher verkörpern perfekt einen Lebensstil, der den Radikalislamisten verhasst ist: Gebildete, westlich orientierte Einkäufer, die am Samstag einfach ausspannen und Spaß haben wollen.

Carola Frentzen, dpa

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