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„Lügen“ über die Alten Ägypter - Prozess gegen Chemnitzer in Kairo beginnt

„Lügen“ über die Alten Ägypter - Prozess gegen Chemnitzer in Kairo beginnt

Der Prozess gegen die „Experimental-Archäologen“ aus Deutschland ist in Ägypten ein großes Thema. Zum Auftakt der Verhandlung am Samstag in Kairo schreiben sämtliche Zeitungen über die Vorwürfe gegen die drei Männer, die vor mehr als einem Jahr in Kammern der weltberühmten Cheops-Pyramide Farbreste und Krümel von den Wänden kratzten und sie laut Anklage unerlaubterweise nach Deutschland brachten.

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Der Chemnitzer Experimentalarchäologe Dominique Görlitz ist in Kairo angeklagt. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Kairo. Berichtet wird über den „Schmuggel“ der antiken Proben, über die „Flucht“ der Täter aus Ägypten und über „Lügen“, die anschließend verbreitet worden seien. Der langerwartete Prozess war weniger spannend. Nach wenigen Minuten wurde die Sitzung auf Antrag der Verteidigung auf den 14. September vertagt, weil die Anwälte mehr Zeit für die Prüfung der Prozessakten brauchen.

Die Verhandlung begann unter hohen Sicherheitsvorkehrungen aber in Abwesenheit der Deutschen, die längst in ihrer Heimat sind. Der Chemnitzer Dominique Görlitz war im April 2013 gemeinsam mit dem Buch-Autoren Stefan Erdmann nach Kairo gereist, um für ein umstrittenes Forschungsprojekt in einer Kammer der Cheops-Pyramide Proben zu entnehmen.

Dort kratzten sie Farbreste ab und entnahmen Gesteinsproben, die sie anschließend zu einer Laboruntersuchung in Dresden abgaben. Ein dritter Deutscher war laut Anklage ebenfalls daran beteiligt. Später tauchte im Internet kurzzeitig ein Video auf, das angeblich Görlitz zeigte, der in der Pyramide eine Wand bearbeitet.

Der Chemnitzer ist sich keiner Schuld bewusst und verweist auf eine Genehmigung, die er bekommen habe. Die Zeitung „Al-Masry Al-Youm“ berichtet unter Berufung auf die Ermittlungsergebnisse, die Deutschen hätten nicht nur fremdes Eigentum entwendet und aus dem Land geschmuggelt. Sie stellten auch falsche Behauptungen auf, um Ägypten zu schaden.

Demnach sollen Görlitz und seine Helfer Beweise dafür gesucht haben, dass die Pyramiden auf dem Plateau von Giseh (ca. 2620 bis 2580 v. Chr.) gar nicht aus der Zeit der Alten Ägypter stammten, sondern noch deutlich älter seien. Die Schlussfolgerung wäre, dass die Pharaonen am Bau der Weltwunder der Antike gar nicht beteiligt gewesen seien, schreibt das Blatt. Beschuldigt sind in dem Prozess auch sechs Ägypter, die zurzeit in Untersuchungshaft sitzen.

Einer der Angeklagten - ein Reiseunternehmer - soll den Deutschen die Genehmigung besorgt haben, Kammern in der Pyramide zu betreten, die eigentlich für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Bei den anderen Beschuldigten handelt es sich um Kontrolleure der Altertümerverwaltung und Wächter.

Welche Strafen ihnen drohen, ist unklar. Doch dürften die Angeklagten nicht so glimpflich davonkommen, denn der Ärger über die Tat ist in Ägypten groß. Nicht nur bei den Ägyptern - auch bei Mitarbeitern des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo. „Es handelt sich dabei nicht um Archäologen, sondern um Touristen, die - soweit man den vorliegenden Informationen entnehmen kann - eines der bedeutendsten Denkmäler der Menschheit in vollkommen sinnloser und verantwortungsloser Weise beschädigt haben“, kritisiert Institutsleiter Stephan Seidlmayer die drei Männer. „Es wäre vor allem wichtig, dass auch in Deutschland die Möglichkeiten einer strafrechtlichen Verfolgung ausgeschöpft werden.“

Mey Dudin und Pol O Gradaigh, dpa

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