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Missbrauchsvorwürfe an Charité: Forderung nach Konsequenzen

Missbrauchsvorwürfe an Charité: Forderung nach Konsequenzen

Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pfleger ringt die Berliner Charité weiter um Aufklärung. Zugleich wird der Ruf nach Konsequenzen in Deutschlands größtem Uniklinikum immer lauter.

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Julia von Weiler, Vorsitzende des Kinderschutzvereins Innocence in Danger.

Quelle: dpa

Berlin. Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte, es müsste gegebenenfalls auch personelle Folgen geben. „Ich möchte genau wissen: Wer wusste wann was?“, sagte Scheeres am Donnerstag am Rande der Sitzung des Abgeordnetenhauses.

Noch am Abend sollte es ein Treffen mit Charité-Chef Karl Max Einhäupl geben. „Die Charité hat zu keiner Sekunde versucht, etwas zu vertuschen“, betonte Einhäupl. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den inzwischen suspendierten Pfleger ein. Zudem richtete die Charité eine Telefon-Hotline ein. Am Mittwoch erstattete die Klinik laut Einhäupl Anzeige gegen den 58-Jährigen.

Ein Charité-Pfleger soll eine wehrlose 16-Jährige in der Rettungsstelle des Virchow-Klinikums missbraucht haben. Der Mann wurde vom Dienst suspendiert. Zudem wurde bekannt, dass der 58-jährige Mitarbeiter auch früher Grenzüberschreitungen im Umgang mit Kindern begangen haben soll. Die Charité informierte die Öffentlichkeit erst am Mittwoch, eine Woche nach den jüngsten Missbrauchsvorwürfen. Auch nach der Entdeckung von Darmkeimen auf einer Frühchenstation in der Charité im Oktober war Kritik wegen Informationspannen laut geworden.

Einhäupl hat nach eigenen Angaben schon früher von dem Missbrauchsverdacht gegen den Mitarbeiter erfahren als bislang bekannt. Er selbst sei am Freitagabend zwischen Tür und Angel von einem Personalrat über einen Fall informiert worden, in dem auch die Worte sexueller Missbrauch fielen. Dass es um ein Kind ging, habe er aber nicht erfahren. Ihm sei auch gesagt worden, die zuständigen Stellen bereits damit befasst seien. „Es war mir nicht möglich, diesen Vorgang nach einer schwierigen Aufsichtsratssitzung genau einzuordnen“, betonte er. Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs kämen an der Charité häufiger vor.

Doch bereits 2011 rief die Mutter eines Kindes, das in der Charité-Rettungsstelle behandelt wurde, die Polizei. Die Mutter fühlte sich von dem nun verdächtigten Pfleger bedrängt. Unternommen wurde nichts. Und aus einem früheren Jahr soll es Akten geben, die den Verdächtigen belasten. 2009 wurden weitere Vorwürfe von der Klinik als nicht glaubwürdig eingestuft. „Drei Mal auffällig, ein Mal erwischt. Das ist kein Zufall“, sagte Einhäupl.

CDU-Generalsekretär Kai Wegner befürchtete, „angesichts des neuerlichen Skandals“ könne der exzellente Ruf der Charité beschädigt werden. Bei der Aufklärung dürfe nichts verzögert werden. Auch Wegner mahnte Konsequenzen an. Gerade nach dem letzten Kommunikationsdesaster sei es inakzeptabel, dass die Charité Missbrauchsvorfälle jahrelang verschwiegen habe.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen sexuellen Missbrauchs. Der Fall sei nicht einfach, da der Übergriff schon vor mehr als einer Woche passiert sei, sagte Sprecher Martin Steltner. Beweismittel wie DNA-Spuren gebe es nicht. Eine Anzeige der Eltern der 16-Jährigen läge bislang nicht vor.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe rief Pflege-Mitarbeiter auf, ihre Arbeit selbst zu überwachen. Die Strukturen des Gesundheitssystems seien unzulänglich. So müsse ein neuer Arbeitgeber nicht einmal zwingend von Straftaten eines Mitarbeiters wissen. Gefordert wurde eine Pflegekammer, die verbindlich berufsethische Standards festlegt. Es müsse aber auch innerhalb von Gesundheitseinrichtungen Frühwarnsysteme geben.

dpa

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