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Mutmaßlicher Islamisten-Anschlag auf Kirche erschüttert Frankreich

Eine Geisel getötet Mutmaßlicher Islamisten-Anschlag auf Kirche erschüttert Frankreich

Frankreich kommt nicht zur Ruhe: In einer Kirche in der Normandie nehmen zwei Angreifer Geiseln, einen Priester töten sie. Die Terrormiliz IS reklamiert die Bluttat für sich. Premierminister Valls vermutet die Absicht, einen «Krieg der Religionen» zu provozieren.

Ein Polizeiauto blockiert den Weg zum Tatort einer Geiselnahme bei Rouen in Nordfrankreich.
 

Quelle: dpa

Rouen.  Mutmaßliche Terroristen haben in Frankreich eine Kirche überfallen und einen Priester auf grauenvolle Art ermordet. Keine zwei Wochen nach dem Blutbad von Nizza drangen zwei Angreifer am Dienstag während der Morgenmesse in ein katholisches Gotteshaus in der Normandie ein und nahmen Geiseln. Sie verwundeten einen 86 Jahre alten Jahre alten Priester mit dem Messer tödlich an Hals und Brustkorb, ein Gemeindemitglied wurde schwer verletzt.

Präsident François Hollande sprach von einem «schändlichen Terroranschlag». Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat über ihr Sprachrohr Amak für sich. Die Täter wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft erschossen, als sie sich mit dem Ruf «Allahu akbar» (Gott ist groß) auf Polizisten vor der Kirche in der Nähe von Rouen stürzten. Politiker wie Geistliche verurteilten den Angriff scharf.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Ob es konkrete Hinweise auf Kontakte der Täter zum IS gibt, sagten die Ermittler nicht. Nach Angaben von Staatsanwalt François Molins hatten die Angreifer Sprengstoffattrappen, Messer und eine Pistole bei sich. Einer von ihnen war den Behörden bekannt: Adel Kermiche stand in einem laufenden Ermittlungsverfahren wegen Terrorverdachts unter Aufsicht der Justiz und trug eine elektronische Fußfessel.

Kermiche hatte 2015 zweimal versucht, nach Syrien zu reisen. Er wurde einmal in Deutschland, einmal in der Türkei gestoppt und festgenommen. In Frankreich kam er daraufhin in Untersuchungshaft, wurde aber im März entlassen und durfte sein Haus nur zu bestimmten Zeiten verlassen - auch zur Tatzeit. Die Identifizierung des zweiten mutmaßlichen Terroristen sei noch nicht abgeschlossen, sagte Molins.

Hollande sagte bei einem Besuch am Tatort im 29 000-Einwohner-Ort Saint-Étienne-du-Rouvray, der IS habe den Krieg erklärt. «Wir werden diesen Krieg mit allen Mitteln führen», betonte der Staatschef. Erst vergangene Woche hatte das Parlament den nach den Pariser Anschlägen vom 13. November verhängten Ausnahmezustand um weitere sechs Monate verlängert.

Die Angreifer brachten in der Kirche zunächst sechs Menschen in ihre Gewalt. Eine Nonne konnte aber fliehen und Alarm schlagen. Der Bürgermeister des Ortes, Hubert Wulfranc, kämpfte nach dem Anschlag mit den Tränen. «Lasst uns zusammen bis zuletzt weinen und bis zuletzt aufrecht stehen gegen die Barbarei und für den Respekt für alle.»

"Antwort ist Demokratie"

«Ich schreie zu Gott», sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. Nach Ansicht von Premierminister Manuel Valls war das Ziel der Attacke, Franzosen gegeneinander aufzuhetzen und einen «Krieg der Religionen zu provozieren». Er rief seine Mitbürger auf, zusammenzustehen. «Unsere Antwort ist die Demokratie.» Auch Hollande warnte: «Was diese Terroristen wollen, ist uns zu spalten.»

Papst Franziskus verurteilte die Geiselnahme als «sinnlose Gewalt». «Wir sind besonders betroffen, weil diese entsetzliche Gewalt mit der barbarischen Ermordung eines Priesters und mit der Beteiligung von Gläubigen in einer Kirche stattgefunden hat, einem heiligen Ort, wo die Liebe Gottes verkündet wird», erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: «Der fanatische Hass macht jetzt noch nicht einmal Halt vor Gotteshäusern und Gläubigen». Deutschland bleibe entschlossen, gemeinsam mit seinen Partnern dem Terrorismus die Stirn zu bieten. «Wir werden unsere Werte, unsere Freiheit und unsere Art zu leben, nicht aufgeben.»

Frankreich war in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder das Ziel schwerer Anschläge. Zuletzt tötete ein 31-jähriger Tunesier 84 Menschen, als er am Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf dem Strandboulevard von Nizza raste. Die Polizei erschoss den Mann. Im Frühjahr 2015 hatten die Sicherheitsbehörden nach offiziellen Angaben bereits einen geplanten Anschlag auf eine Kirche vereitelt. Damals wurde ein 24-jähriger Student verhaftet.

Von LVZ

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Rouen

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