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Polizeiticker Weltweit OSZE-Beobachter in der Ukraine sind frei – mindestens 37 Tote bei Krawallen in Odessa
Nachrichten Polizeiticker Weltweit OSZE-Beobachter in der Ukraine sind frei – mindestens 37 Tote bei Krawallen in Odessa
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11:01 03.05.2014
Mitglieder der OSZE Beobachtermission in der Ukraine in Slaviansk bei einer Pressekonferenz. Quelle: Igor Kovalenko
Slawjansk

Der Bundeswehroberst Axel Schneider sagte in Slawjansk einem „Bild“-Reporter: „Wir sind froh, dass wir endlich draußen sind. Uns geht es den Umständen enstprechen ok. Wir haben die Feuergefechte der letzten Tage direkt mitbekommen, das möchte ich keinen zumuten.“

Nach seinen Worten sollte die siebenköpfige Gruppe noch am Samstag mit dem russischen Sondergesandten Wladimir Lukin die Stadt Slawjansk verlassen. Er hoffe, „dass wir dann so schnell wie möglich von Donezk aus in die Heimat nach Deutschland können“. Auch Russland bestätigte die Freilassung der Gruppe. „Die Volkswehr ließ alle auf meiner Liste stehenden zwölf Personen frei“, sagte der Sondergesandte Lukin der Agentur Ria Nowosti. Er sei auf dem Weg zu einer Straßensperre, um die Gruppe „Vertretern des Europarats zu übergeben“.

Slawjansk. Nach einer Woche bangen Hoffens kommt die erlösende Nachricht: Die prorussischen Separatisten in Slawjansk haben die sieben als Geiseln festgehaltenen Militärinspekteure freigelassen. Zuvor waren bei schweren Straßenschlachten in der ukrainischen Hafenstadt Odessa am Freitagabend mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. 

In Slawjansk läuft seit Freitag eine „Anti-Terror-Operation“ von Regierungseinheiten gegen die bewaffneten moskautreuen Aktivisten. Die Militärbeobachter waren am 26. April bei einer Erkundungsfahrt im krisengeschüttelten Osten der Ukraine festgesetzt worden. Zu der Gruppe gehören auch ein Däne, ein Pole und ein Tscheche. Ein Schwede war aus gesundheitlichen Gründen bereits freigelassen worden. Das Schicksal von mindestens vier Ukrainern, die die Gruppe begleitet hatten, war zunächst unklar.

Die Separatisten hatten angekündigt, die Offiziere gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen austauschen zu wollen. Ein deutsches Unterstützungsteam hält sich in der Ostukraine bereit, um die freigelassenen Militärbeobachter in Empfang zu nehmen. „Das deutsche Unterstützungsteam ist vor Ort und vorbereitet“, hieß es am Morgen im Auswärtigen Amt. Auch der Krisenstab in Berlin sei im Einsatz.

Dutzende Menschen sterben bei Brand in Odessa

Bei schweren Straßenschlachten in der ukrainischen Hafenstadt Odessa waren den Behörden zufolge am Freitagabend mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien bei den blutigen Krawallen zwischen prorussischen Aktivisten sowie Anhängern der Übergangsregierung in Kiew etwa 200 Menschen verletzt worden, teilte das Innenministerium der früheren Sowjetrepublik am Samstag mit.

Rund 130 Beteiligte der Ausschreitungen am Freitagabend, bei denen auch das örtliche Gewerkschaftshaus in Brand geraten war, wurden festgenommen. Die Behörden verhängten eine dreitägige Trauer. Die ehemalige Regierungschefin Julia Timoschenko reiste nach Odessa, um sich ein Bild von der Lage zu machen, wie ihre Partei mitteilte.

Bei schweren Krawallen in Odessa sind dutzende Menschen ums Leben gekommen. Quelle: Sergey Gumenyuk

Russland machte die prowestliche Führung in Kiew sowie ukrainische Nationalisten für die Eskalation in der südukrainischen Millionenstadt verantwortlich. Das Außenministerium in Moskau forderte von den Behörden des Nachbarlandes „unverzügliche Auskunft“ darüber, ob unter den Opfern auch Russen seien. Regierungstruppen rückten am Freitagabend mit Schützenpanzern in das Zentrum der besetzen Stadt Slawjansk vor. Die Aufständischen hatten im Tagesverlauf bereits zwei Kampfhubschrauber der Regierungstruppen abgeschossen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich bestürzt über die mehr als 30 Todesopfer. „Die Tragödie von Odessa muss ein Weckruf sein! Gewalt löst nur Gegengewalt aus“, ließ er am Samstagmorgen in Berlin mitteilen. „Wenn dem jetzt nicht Einhalt geboten wird, kann der Moment kommen, an dem sich alles nicht mehr stoppen lässt. Deshalb darf von den politisch Verantwortlichen aller Seiten nicht noch mehr Öl ins Feuer gegossen werden. Das fängt schon bei der Wahl der Worte an: Martialische Kriegsrhetorik macht alles nur noch schlimmer.“

Einmarsch russischer Truppen befürchtet

Die Führung in Kiew befürchtet, dass Putin seine Truppen in die Ost- und Südukraine einmarschieren lassen könnte - mit dem Argument, wie auf der Krim russische Bürger oder Interessen schützen zu müssen. Ein Mandat für diesen Fall hatte sich Präsident Putin bereits vom Parlamentgeben lassen. Moskau hält im Gegenzug der EU und den USA vor, die Regierung in Kiew zu den jüngsten Angriffen ermuntert zu haben.

Das ukrainische Verteidigungsministerium erklärte, „Terroristen“ hätten im Gebiet Slawjansk mit tragbaren Flugabwehrraketen zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen. Dabei seien zwei Besatzungsmitglieder getötet und weitere verletzt worden. Später seien vier mutmaßliche Schützen festgenommen worden. Das Ministerium veröffentlichte Fotos von vier gefesselten Männern in Zivilkleidung mit über den Kopf gestülpten Säcken. Die Separatisten sagten der dpa, dass mehrere ihrer Kämpfer getötet worden seien.

Schon in den vergangenen Wochen hatte es bei vereinzelten Militäreinsätzen gegen Separatisten in der Region Tote und Verletzte gegeben. Putin empörte sich nach Angaben seines Sprechers, die Führung in Kiew habe in den Kampfmodus geschaltet und greife friedliche Siedlungen an. Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew schrieb auf Twitter, die Regierung in Kiew müsse die „Ermordung ihrer Bürger“ stoppen. Das russische Außenministerium sagte, eine friedliche Krisenlösung werde unwahrscheinlicher. Der UN-Sicherheitsrat kam am Freitag in New York auf Drängen Russlands zu einer weiteren Sondersitzung zusammen. US-Präsident Obama sagte nach dem Treffen mit Merkel, er strebe weiter eine diplomatische Lösung an. Zugleich drohte er aber mit weiteren Sanktionen.

Rund 130 Beteiligte der Ausschreitungen am Freitagabend, bei denen auch das örtliche Gewerkschaftshaus in Brand geraten war, wurden festgenommen. Quelle: dpa

EU-Energiekommissar Günther Oettinger äußerte sich besorgt, dass die russischen Gaslieferungen in die Ukraine und in die EU nur noch bis Ende Mai gesichert sind. Dies sagte er in Warschau nach Gesprächen mit den Energieministern Russlands und der Ukraine. Laut Nowak drohen Lieferstopps, sollte die Ukraine sich bis Ende Mai nicht mit Russland über die Bezahlung offener Rechnungen in Milliardenhöhe einigen. Obama sagte dazu, ein Stopp russischer Gas- und Öllieferungen sei „unrealistisch“.  Selbst in der schlimmsten Zeit des Kalten Krieges seien russische Energielieferungen an Europa weiter geflossen.

dpa

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