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Rätselhafte Autobahn-Anschläge: Unbekannte beschießen seit vier Jahren Lastwagen

Rätselhafte Autobahn-Anschläge: Unbekannte beschießen seit vier Jahren Lastwagen

Eine Autobahn irgendwo im Westen Deutschlands. Während die Autos über die Fahrspuren ziehen, fällt ein Schuss. Die Kugel bohrt sich in einen Neuwagen auf einem Transporter.

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Das Einschussloch durch ein Projektil Kaliber 22 in einer Autotür, aufgenommen am 20.11.2012 auf einer Pressekonferenz im Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden (Hessen).

Quelle: dpa

Wiesbaden. Zunächst merkt das niemand, erst Stunden später stellt der Fahrer den Schaden fest. Mysteriöse Attacken dieser Art häufen sich: In den vergangenen vier Jahren hat ein oder haben mehrere Täter schon mehr als 700 Mal auf Autotransporter und andere Fahrzeuge gefeuert.

Die Verunsicherung ist groß: „Selbstverständlich hat man da Angst“, sagt der Sprecher der Kraftfahrergewerkschaft, Franz-Xaver Winkelhofer. Wann wisse ja nie, wo der nächste Schuss falle.

Die Polizei tappt im Dunkeln: „Bis heute haben wir keinen konkreten Hinweis auf den oder die Täter“, sagt der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Getötet wurde bislang niemand, aber der Schütze traf 2009 eine 40-jährige Frau auf der A3 bei Würzburg am Hals. Sie überlebte schwer verletzt. Auch ein Haus wurde getroffen, als eine Kugel eine Lärmschutzwand durchschlug.

Die Lage wirkt bedrohlich, und Autofahrer können sich kaum schützen. „Man kann keine Warnungen aussprechen, weil man nicht weiß, wo die zuschlagen“, sagte der Leiter des ADAC-Rundfunkstudios, Klaus Reindl. Der Täter sei „sehr mobil“, teilte das BKA dazu mit. Besonders oft wurden Fahrzeuge auf der A4 zwischen Aachen und Köln und der A3 zwischen Köln und Nürnberg beschossen. Tatorte waren auch die A6 zwischen Walldorfer Kreuz und Autobahnkreuz Nürnberg-Ost, die 61 zwischen Autobahnkreuz Kerpen und Walldorfer Kreuz sowie die A5 zwischen Karlsruhe und Kirchheim.

Die Schüsse werden stets auf fahrende Fahrzeuge abgegeben - und erst spät bemerkt

Erstmals schlug der mysteriöse Schütze im Juli 2008 zu, sein Ziel: ein Lastwagen. Zunächst setzte er kleinkalibrige Munition ein, seit Mai 2012 wurde mit 9 mm Munition geschossen, deren Durchschlagskraft höher ist. Die Schüsse gibt er immer auf Fahrzeuge im fließenden Verkehr ab, meist auf die Fracht von Lastwagen, insbesondere von Autotransportern. Das macht die Aufklärung der unheimlichen Verbrechen schwierig. Denn die Einschusslöcher werden meist erst beim Abladen gefunden. Dann aber ist es schon sehr spät für die Fahnder, dei kaum ermitteln können, wo die Schüsse abgefeuert wurden.

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Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, zeigt am 20.11.2012 auf einer Pressekonferenz im BKA in Wiesbaden (Hessen) auf ein Informations-Plakat, das die von unbekannten Tätern verwendeten Projektile Kaliber 22 zeigt.

Quelle: dpa

Was treibt einen Menschen dazu, 700 Mal durchzuladen und auf fahrende Autos zu schießen, stets mit dem Risiko, einen anderen Menschen zu töten? Schulterzucken bei den Ermittlern. Ein verärgerter Ex-Angestellter? Ein Waffennarr? Oder sogar politisch motivierte Taten? Die Fahnder glauben: Der Schütze könnte ein Lastwagen-Fahrer sein, das lasse sich von den Einschusslöchern an den beschädigten Lastwagen ablesen. Die Schüsse müssten von der Gegenfahrbahn aus einer erhöhten Position abgegeben worden sein, folgern sie.

Seit dem vergangenen Oktober hat sich eine 90-köpfige Sondereinheit von BKA und Polizei die Akten erneut zur Hand genommen. Sie will alle Vorfälle neu ordnen und bewerten. Vielleicht wurde ein wichtiges Detail übersehen, hoffen sie.

Solange der Täter auf freiem Fuß ist, fürchtet der Verein Automobillogistik (AML) um die Fahrer seiner Mitgliedsfirmen. Kaum ein Fahrer nehme die Vorfälle auf die leichte Schulter, räumte der Verband der Autospediteure ein. Panik breche dennoch nicht aus, versichert Verbandssprecher Yorick Lowin: „Mit Angst setzt man sich nicht ins Fahrerhaus.“

Von Valentin Frimmer, dpa

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