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Suche bis zur Erschöpfung - Mädchen auf Rügen bleibt verschüttet

Suche bis zur Erschöpfung - Mädchen auf Rügen bleibt verschüttet

Ihre Anzüge sind kreideverschmiert und die Blicke leer. Mit müden Gesichtern schleppen die Einsatzkräfte nach knapp 20-stündigem Einsatz Kabeltrommeln und Notstromaggregate die Steilküste am Kap Arkona nach oben.

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Einsatzkräfte des THW und der Feuerwehr suchten 20 Stunden lang an der Steilküste des Kap Arkona auf der Insel Rügen nach dem verschütteten Mädchen - ohne Erfolg.

Quelle: dpa

Kap Arkona. Einem 27 Jahre alten Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks aus Stralsund steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Es macht keinen Sinn mehr“, sagt er. Alle seien fertig. „Die Massen von Kreide und Mergel sind schwer wie Beton.“

Der junge Mann ist einer von rund 160 Helfern, die sich seit Montagnachmittag unermüdlich mit ihren Schaufeln durch das zähe Erdgemisch an der Nordküste Rügens gearbeitet hatten. Beseelt von der Hoffnung, ein zehnjähriges Mädchen, das von einem plötzlichen Küstenabbruch erfasst worden war, doch noch lebend zu bergen.

Am Dienstagmittag fiel die Entscheidung, die Suche abzubrechen. Alle Hoffnung hatte sich zerschlagen. Das Kind konnte trotz der schnell eingeleiteten Suche und trotz des Großaufgebots an Kräften nicht gefunden werden. „Es ist immer tragisch, wenn man ein so junges Leben aufgibt“, sagte der stellvertretende Landrat Lothar Großklaus (CDU). Das aus dem brandenburgischen Plattenburg stammende Mädchen war zusammen mit seiner Mutter und der 14-jährigen Schwester am Ufer spazieren gegangen, als die Erde ins Rutschen kam.

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Kap Arkona. Ihre Anzüge sind kreideverschmiert und die Blicke leer. Mit müden Gesichtern schleppen die Einsatzkräfte nach knapp 20-stündigem Einsatz Kabeltrommeln und Notstromaggregate die Steilküste am Kap Arkona nach oben. Einem 27 Jahre alten Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks aus Stralsund steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

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Auch am Tag nach dem Küstenabbruch am Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt Rügens, türmen sich noch immer die Erdmassen am schmalen Uferstreifen. Die starke Strömung spült ein weißgraues Gemisch in die Ostsee. Die Buchen auf dem über 30 Meter hohen Steilhang knarren im Sturm. „Die technischen Möglichkeiten sind ausgeschöpft“, stellt Großklaus gegen Mittag fest. Es gebe leider keine Hoffnung mehr, das Kind lebend zu finden. „Jede Sekunde können weitere Erdmassen in die Tiefe stürzen.“ Man müsse auch an die Einsatzkräfte denken, die sich in den vergangenen Stunden großen Gefahren ausgesetzt hätten.

Im Kliff waren weitere Risse entdeckt worden. Am Morgen hatten eine Hundestaffel und ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera nach einem Lebenszeichen gesucht. Vergeblich. Die Retter gehen davon aus, dass das Kind nur noch tot geborgen werden kann. Wann, bleibt unklar.

Dort, wo sonst Hunderte Urlauber die wildromantische Landschaft an Rügens Nordspitze genießen, sind kaum Spaziergänger zu sehen. Die Polizei hat das Kap für Touristen und Schaulustige vollständig gesperrt. „Es ist tragisch“, sagt Bürgermeister Ernst Heinemann und schüttelt den Kopf. An der Abbruchstelle in Sichtweite des alten Schinkel-Leuchtturms warnen Schilder vor dem Betreten des schmalen Uferstreifens. „Verbieten“, sagt Heinemann, „konnte die Gemeinde das Betreten der Wege nicht. Wir leben in einem freien Land.“ Die Gemeinde könne lediglich auf die Gefahren hinweisen. Aber statt die Empfehlungen ernst zu nehmen, nähmen Touristen immer wieder die Schilder als Souvenir mit nach Hause, beklagt der Bürgermeister.

Nicht zum ersten Mal wurde Urlaubern auf Rügen ein Spaziergang unterhalb der Steilküste zum Verhängnis. So war 2005 am Strand zwischen Göhren und Lobbe eine junge Frau aus Berlin unter Geröll begraben und getötet worden. Großflächige Abbrüche am berühmten, bis zu 100 Meter hohen Kreidekliff bei Sassnitz blieben in der jüngsten Vergangenheit für Menschen ohne Folgen. Dieser Küstenabschnitt wird jedes Jahr von rund einer Million Urlauber besucht.

Nach Expertenmeinung sind Küstenabbrüche nur schwer vorhersehbar. Für den jüngsten Fall macht der Geologe Ralf-Otto Niedermeyer die starken Niederschläge im Sommer mitverantwortlich. „Ohne Zweifel hat das mit dem Regen zu tun“, sagte der Abteilungsleiter im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow. „Das Wasser ist der Motor des ganzen Prozesses.“ Den Menschen könne er für dieses Ereignis von Schuld freisprechen. Es gebe wenig Infrastruktur nahe der Steilküste am Kap Arkona. Doch generell sei in den vergangenen 20 Jahren zu dicht an der Steilküste gebaut worden.

Während der Landestourismusverband nichts von generellen Strandsperrungen hält, erwägt die Politik solche Schritte zum Schutz der Urlauber. „Wir haben auf Rügen Hunderte Kilometer Strand, wenn wir drei oder fünf Kilometer sperren, müsste das zu verschmerzen sein“, sagt Vize-Landrat Großklaus.

Am Hauseingang des Fördervereins Kap Arkona steht Peter Schmidt, wärmt seine klammen Hände an einer Tasse Kaffee und schaut auf die Helfer. Der 55-Jährige hatte am Montag den Notruf abgesetzt, nachdem die Erdmassen in die Tiefe gestürzt waren. „Was hier passiert ist, kann man nicht in Worte fassen“, sagt er und fragt besorgt: „Warum sind Urlauber immer wieder so unvernünftig und laufen unterhalb der Steilküste am Ufer entlang?“

Martina Rathke, dpa

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